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04.03.2012

12:41 Uhr

Tarifpolitik

Genossen leben sicherer

VonHans Christian Müller-Dröge

Gewerkschaften gelten immer mehr Beschäftigten als Geldverschwendung. Doch Forscher konnten nun belegen, dass die Arbeitnehmervertreter ihren Schützlingen sehr wohl handfeste Vorteile bringen.

Eine streikende Straßenbahnfahrerin in Darmstadt. dpa

Eine streikende Straßenbahnfahrerin in Darmstadt.

DüsseldorfEs sind markige Worte, mit denen die Funktionäre des Verdi-Bezirks Emscher-Süd ihre Kollegen beschimpfen, die nicht bei ihnen Mitglied sind: „Uns stinkt, dass ihr jetzt in den Genuss des neuen Flächentarifvertrags kommt“, heißt es auf der Internetseite, „denn eigentlich habt ihr das nicht verdient.“ Schließlich hätten die Trittbrettfahrer keinen Finger krumm gemacht dafür.

Dieses Dilemma der Gewerkschaften ist altbekannt: Viele Arbeitnehmer sparen sich den Mitgliedsbeitrag, weil die ausgehandelten Löhne und Arbeitsbedingungen sowieso für alle Arbeitnehmer gelten.

Wer sich engagiert, verdient keinen Cent mehr – warum also beitreten? Und so verlieren die deutschen Gewerkschaften Jahr für Jahr Mitglieder. Im Vergleich zu 1994 sind es heute ein Drittel weniger – obwohl die Gesamtzahl der Beschäftigten gestiegen ist.

Doch wer die Vorteile, die Gewerkschaften ihren Mitgliedern bieten, nur mit Blick auf den Lohn bemisst, übersieht Entscheidendes. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonomen Laszlo Goerke (Universität Trier) und Markus Pannenberg (Fachhochschule Bielefeld) in einer Studie, die jüngst in der angesehenen Fachzeitschrift „Labour Economics“ erschienen ist.

Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft bringt Arbeitnehmern demnach sehr wohl handfesten wirtschaftlichen Nutzen: Das Risiko, entlassen zu werden, ist für Genossen spürbar geringer. Jobsicherheit ist Arbeitnehmern fast ebenso wichtig wie der Kontostand, zeigen Umfragen immer wieder.

Goerke und Pannenberg nutzten für ihre Analyse das Sozioökonomische Panel (SOEP), eine gigantische Datenbank, deren Macher Jahr für Jahr denselben 20.000 Deutschen mehr als 150 Fragen stellen – unter anderem geht es dabei um den Job, das Einkommen und die Gewerkschaftsmitgliedschaft. Anhand dieser Daten konnten die Autoren die Erwerbsbiografien von Tausenden Arbeitnehmern untersuchen.

Kommentare (2)

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GHi

05.03.2012, 12:24 Uhr

DGB Sommer der "Genosse der Bosse" ist einfach nur eine Zumutung .

Ob der Versager meint ,er sitzt im Arbeitgeberlager .
Seit Sommer im Amt ist läuft doch pratisch alles
arbeitgeberfreundlich .

Sommer ist verantwortlich für die Reallöhne in DE ,nur
noch Minilohnerhöhungen u.das auf 2 Jahre verteilt .

Die Inflation galoppiert doch den Löhnen davon ,immer weniger bleibt am Monatsende übrig .

Hauptsache die Arbeitgeber machen die fetten Gewinne u,die Gewerkschaften sind deren Erfüllungsgehilfen .

Leute ,warum seid ihr eigentlich noch in den Gewerkschaften !

Fragender

06.03.2012, 21:15 Uhr

Sorry, aber dümmer geht`s nimmer? Hier wird gerade das Gegenteil bewiesen. Fakt ist, dass vermutlich auch Sie von tariflichen Leistungen partizipieren. Vermutlich arbeiten sie auch nur die 40 Std/Woche und haben eine fünf Tage Woche. Das sind jedoch tarifliche Leistungen und keinesfalls gesetzliche (die m.M. nach für alle Nichtgewerkschaftsmitglieder gelten sollten). Dann würden Sie nämlich 6 Tage in der Woche und somit mind.48 Stunden (und zwar ohne Zuschläge) arbeiten gehen. Diese tägl 8 Arbeitsstunden können (wieder ohne Zuschlagszahlungen) auf zehn Stunden täglich angehoben werden. Und raten Sie Schlaumeier mal, wer das festlegt? Richtig, Herr Sommer! Was ist nur aus dem Land der Dichter und Denker geworden?

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