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12.04.2012

13:08 Uhr

Treffen der Top-Ökonomen

Wie Soros die VWL revolutionieren will

VonOlaf Storbeck

Ab heute trifft sich das von der Investment-Legende gegründete Institute for New Economic Thinking zu seiner Jahrestagung in Berlin. Welche Ziele hat die Denkfabrik? Wie will sie sie erreichen?

Investment-Legende George Soros: Pläne für die Zukunft der VWL. ap

Investment-Legende George Soros: Pläne für die Zukunft der VWL.

LondonEs sind symbolträchtige Orte, die sich das Institute for New Economic Thinking (INET) für seine Jahrestreffen aussucht: Die Auftaktkonferenz der Denkfabrik fand vor zwei Jahren am King’s College im englischen Cambridge statt – dort forschte in den 30er-Jahren John Maynard Keynes, der die Volkswirtschaftslehre wie kein Zweiter revolutionierte. Im vergangenen Jahr trafen sich die Volkswirte in Bretton Woods, wo 1944 das Währungssystem der Nachkriegszeit entworfen wurde.

Dieses Jahr ist Berlin dran. Ab heute ist die deutsche Hauptstadt Treffpunkt von Top-Ökonomen aus aller Welt. Mehr als 300 Hochschulprofessoren und Nachwuchsforscher, Notenbanker und Politiker diskutieren bis Sonntag über die Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik der Zukunft. Darunter sind die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen, der Generalsekretär der OECD Angel Gurría, EZB-Ratsmitglied Jörg Asmussen und Ex-Außenminister Joschka Fischer.

Ganz bewusst hat sich INET für Berlin als Tagungsort entschieden. „Die ökonomische Architektur Europas wankt“, sagte INET-Direktor Robert Johnson dem Handelsblatt, „und Deutschland gehört zu einer der tragenden Säulen dieser Architektur.“ Die Schuldenkrise in Europa, die Rolle des Staates im Kapitalismus und die Zukunft der Marktwirtschaft werden zu den bestimmenden Themen der Konferenz gehören. Johnson: „Unser Ziel ist es, die wichtigsten Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, rigoros anzugehen.“

Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 ist vor allem die traditionelle Makroökonomie massiv in die Kritik geraten. In den gängigen mathematischen Modellen unterstellen die Volkswirte, dass die Menschen stets rational agieren und Finanzmärkte stabil und effizient sind. „Die alten Theorien waren zwar sehr elegant, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sie wenig Erklärungsgehalt haben“, sagt Harvard-Professor Ken Rogoff, der sich bei INET engagiert.

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Gegründet wurde die Denkfabrik im Herbst 2009 vom Hedge-Fonds-Manager George Soros als Reaktion auf die tiefste Wirtschafts- und Finanzkrise seit der Großen Depression. Mehr als 60 Millionen Dollar hat Soros in die Denkfabrik gesteckt, hinzu kamen mehr als 100 Millionen Dollar von Stiftungen und reichen Einzelspendern wie Jim Balsillie, dem früheren Co-Chef des kanadischen Technologie-Unternehmens Research in Motion.

Eine Phalanx namhafter Wirtschaftswissenschaftler unterstützt INET. Das wissenschaftliche Beratergremium liest sich wie ein „Who is who“ der Wirtschaftswissenschaft – allein sechs Ökonomie-Nobelpreisträger gehören ihm an.

Kommentare (10)

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nobum

12.04.2012, 14:09 Uhr

Soros ist ein Ökonom mit eigenen Interessen. Wo er aus Gold ausgestiegen ist hat er jetzt wohl auf den Dollar gesetzt oder Yen oder Pound oder CHF oder ... oder ... oder. So einer darf kritisieren, besonders wenn er das Forum selbst finanziert hat.

peto

12.04.2012, 14:33 Uhr

der verbrecher sollte im gafaengnis sitzen

Profit

12.04.2012, 15:21 Uhr

„Die alten Theorien waren zwar sehr elegant, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sie wenig Erklärungsgehalt haben“, sagt Harvard-Professor Ken Rogoff. Das ist schlicht eine falsche Behauptung. Selbstverständlich finden seit Jahrzehnten auch Informationsasymmterien, Markt- und Politikversagen Eingang in die ökonomische Theorie. Beiträge über Institutionen, Transaktions-, Spiel- und Principal-Agent-Theorien sind einige Beispiele. Es besteht m.E. ein großes Missverständnis bei Rogoff und anderen Keynesianern (Bofinger als anderes Beispiel). Rationalität in der ökonomischen Theorie sagt "nur": Wenn ein Individuum die Möglichkeit der Auswahl unter mehreren Handlungsalternativen (auch unter Unsicherheit) hat, so wählt es jene, die seinen (Erwartungs-)Nutzen maximiert. Was um Gottes Willen ist daran so falsch?! Letztlich ist nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung schizophren...

Es wird immer an eines nicht gedacht: Nicht die "Ökonomische Theorie" hat versagt, sondern die empirische Forschung! Die Herren Wissenschaftlicher der Volkswirtschaftslehre haben sich nicht der Mühe unterzogen, die Daten zu erfassen und zu analysieren. Der US-amerikanische Immobilienmarkt war doch das beste Beispiel. Welche Theorie hat da versagt? Man hat nicht genau genug hingeschaut! Bei der Staats-Schuldenkrise dasselbe! So simple ist manchmal Volkswirtschaftslehre.

Daß Soros in seiner Wichtigtuerei kein guter Ratgeber ist, und er am liebsten Deutschland aus nahe liegenden Gründen schädigen will, erklärt sein Gerede. Die ganze Veranstaltung ist eine Polit-Happening und hat mit "Wissenschaft" nichts zu tun. Es geht um die Erpressung Deutschlands durch die internationale Sozi-Vereinigung. Es sind Leute, die das "Goldene Kalb" der weiteren Verschuldung anbeten. Merkel hat Recht: Damit muß Schluß sein!

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