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28.01.2010

17:53 Uhr

Überraschende Studie

Wer arbeitet, darf auch naschen

VonAnja Müller

Werden notorische Naschkatzen schneller dick? Sind viele Mahlzeiten am Tag ein Kalorienkiller? Und mindert Naschen am Arbeitsplatz nur die Konzentration oder gar das Gewicht? Der Wissenschaftler Daniel S. Hamermesh hat sich genau an solchen Fragen abgearbeitet - und ist zu einigen überraschenden Ergebnissen gekommen.

Werden notorische Naschkatzen schneller dick? Der US-Forscher Daniel S. Hamermesh meint nein. picture-alliance

Werden notorische Naschkatzen schneller dick? Der US-Forscher Daniel S. Hamermesh meint nein.

DÜSSELDORF. Auch wenn es vielleicht im ersten Moment so aussieht - dies ist kein Artikel für die "Brigitte". Selbst wenn es in der erfolgreichen Frauenzeitschrift viel häufiger um Leckeres und Leibesfülle oder die Kombination aus beidem geht. Doch heute geht es auch beim Handelsblatt um wichtige Fragen rund ums Essen, allerdings aus rein ökonomischer Sicht.

Der renommierte US-Wirtschaftswissenschaftler Hamermesh forscht in Austin an der University of Texas, lehrt in Maastricht und liebt die Themen, die irgendwie mit Arbeit und Zeitvertreib zu tun haben. "Bislang war es nicht möglich, Daten darüber zu finden, wie Menschen zunehmen, wie viel Zeit sie für das Essen, den Einkauf von Lebensmitteln oder die Zubereitung benötigen und wie sich das alles auf die Gesundheit auswirkt", schreibt Hamermesh.

Seit 2003 aber erfasst die Statistikbehörde der USA, wie die Amerikaner ihren Tag verbringen. In den Jahren 2006 und 2007 wurde neben dieser regelmäßigen Befragung bei mehreren Tausend US-Bürgern auch danach gefragt, ob und wann sie essen und trinken und wie lang und oft sie dies ganz nebenbei tun, zum Beispiel bei der Arbeit. Daneben enthalten die Daten auch Angaben zum Einkaufsverhalten und demografischen Faktoren.

Die Theorie des Naschens

Hamermesh ist der erste Ökonom, der diese enormen Datensätze kombinierte und auswertete, mit erstaunlichen Ergebnissen. So verbringen die US-Amerikaner ähnlich viel Zeit mit echten Mahlzeiten wie mit Naschereien, insgesamt summieren sich beide Arten der Nahrungsaufnahme im Schnitt auf gut zweieinhalb Stunden pro Tag.

Nebenbei entwickelte Hamermesh noch eine ökonomische Theorie des Naschens. Dafür definiert er das Naschen als eine Tätigkeit, die neben Arbeit, Freizeit oder Hausarbeit der Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme dient. Seine Überlegung: Wer arbeitet, hat weniger Zeit zum Essen, wird also mehr naschen. Mit steigendem Gehalt wird häufiger genascht, weil Zeit dann besonders kostbar ist. Mit den Daten der Statistikbehörde konnte Hamermesh seine Theorie einem Praxistest unterziehen.

Tatsächlich steigt die Zahl der Naschereien mit dem Gehalt, gleichzeitig sinkt die Anzahl der vollen Mahlzeiten. Aus seiner Sicht sei das auch vernünftig, argumentiert der Forscher. Schließlich werde die Arbeitszeit im Gegensatz zur Essens-, Einkaufs- und Zubereitungszeit bezahlt. Je höher der Stundenlohn, desto weniger Zeit in der Küche.

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