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31.08.2012

20:28 Uhr

Umwelt

Der schmutzige Emissionshandel

VonMalte Buhse

Umweltökonomen halten das europäische Handelssystem von CO2-Verschmutzungsrechten für mangelhaft. Sie bemängeln vor allem die Masse an Gratiszertifikaten, die an die Industrie verteilt wurde.

Braunkohle-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Co2-Preise sind zu niedrig. dpa

Braunkohle-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Co2-Preise sind zu niedrig.

KölnWenn doch nur alles so billig wäre, wie ein bisschen Kohlendioxid (CO2 ) in die Luft zu blasen. Knapp acht Euro kostet momentan ein Zertifikat, das den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid erlaubt.

Für energiehungrige Unternehmen paradiesische Zustände, für Umweltschützer ein klares Zeichen dafür, dass der Emissionshandel nicht funktioniert. Damit der Preis endlich steigt, will EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard jetzt das Angebot an Verschmutzungsrechten verknappen und die nächste Auktionsrunde kurzerhand abblasen.

Denn viele Unternehmen sind nach Überzeugung von Umweltökonomen mit CO2 -Zertifikaten überversorgt, besonders in Deutschland: Rund 80 Prozent der deutschen Firmen besitzen mehr Verschmutzungsrechte, als sie benötigen, hat der Mannheimer Umweltökonom Andreas Löschel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vor kurzem berechnet.

Dieses Überangebot hat die EU über weite Strecken selbst zu verantworten, zeigt eine neue Studie einer Forschergruppe um den deutschen Ökonomen Ralf Martin von der London School of Economics. Demnach hat Brüssel in den vergangenen Jahren viel zu großzügig Gratisverschmutzungsrechte verteilt und dabei vor allem deutsche Unternehmen reich beschenkt.

Um die Industrie langsam an den Emissionshandel zu gewöhnen, gab es die ersten Zertifikate für viele Firmen umsonst. Dabei orientierte sich die EU an zwei Kriterien: Zum einen versorgte sie Unternehmen mit einem hohen CO2 -Ausstoß wie zum Beispiel Aluminiumhütten und Stahlwerke mit kostenlosen Zertifikaten.

Und zum anderen Firmen, die auf dem Weltmarkt im harten Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten stehen. So sollte verhindert werden, dass Unternehmen nach der Einführung des Emissionshandels nicht mehr wettbewerbsfähig sind und ihre Geschäfte in Länder verlagern, die beim CO2-Ausstoß nicht so genau hinschauen.

Die Abwanderungsgefahr von Unternehmen ist aber offenbar in der Realität bei weitem nicht so groß, wie die Konstrukteure des Emissionshandels erwartet haben, stellen die LSE-Forscher fest.

Die Ökonomen führten in über 700 Unternehmen aufwendige Interviews und fragten Manager, wie sie reagieren würden, wenn ihre Firma für CO2-Zertifikate plötzlich Geld zahlen müsste. Nur wenige drohten für diesen Fall mit dem Abbau von Arbeitsplätzen oder der Verlagerung von Produktionsanlagen ins Ausland.

Dass die Befragungsergebnisse so eindeutig sind, ist überraschend. Denn die Manager hatten in den Interviews mit den Forschern eigentlich einen Anreiz, schwarzzumalen und die Gefahr einer Abwanderung zu übertreiben, um so gegen höhere CO2-Preise zu argumentieren. Dass trotzdem nur wenige Unternehmen mit Arbeitsplatzabbau und Wegzug drohten, spricht nach Ansicht der Wissenschaftler dafür, dass die meisten Firmen den Kauf von Verschmutzungsrechten gut stemmen können.

Kommentare (12)

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vandale

31.08.2012, 21:58 Uhr

Die "Veschmutzungszertifikate" sind der Ökosaga einer CO2 Klimahölle geschuldet in der die Ungläubigen erschwitzen sollen wenn diese ihre Energie nicht wie im Mittelalter erzeugen. Diese Ökosaga ist international mit dem Geschäftsmodell der im Kyoto Protokoll vereinbarten CDM Zertifikate verbunden, mit denen Al Gore fast zum Millardär geworden ist. Ausserhalb Europas ist der Klimawandel mittlerweile weitgehend entzaubert und Auslaufmodell. In Europa ist die Saga einer CO2 Klimahölle Staatsreligion. Der im Artikel angesprochene Zertifikatehandel ist ausschiesslich auf die EU beschränkt.

Der Grund das die CO2 Emissionsrechte in Europa ziemlich reichlich sind ist die wirtschaftliche Lage die den Energieverbrauch in einigen Ländern Europas reduziert hat.

Wenn man die CO2 Rechte verknappt und diese damit teurer macht, erreicht man einerseits eine sinnlose Kostenerhöhung die die Unternehmen an anderer Stelle, beispielsweise bei den Löhnen, kompensieren müssen. Viel gravierender ist das diese Betriebe die möglichen Kostensteigerungen in die Zukunft pojezieren. Wenn die Einschätzung steigender CO2 Kosten vorherrscht, werden diese Betriebe auf alle Investitionen verzichten die sich nicht innerhalb kürzester Zeit auszahlen. Sie werden intensiv Erstzstandorte ausserhalb der EU suchen wo die Klimahölle entweder nie stattgefunden hat Mittlerer Osten, oder bereits beendet ist, wie Kanada, USA.

Vandale

PS: Warum spricht der Journalist von "Verschmutzung". CO2 ist ein nützliches ziemlich innertes Gas.

Sozialarbeiter

31.08.2012, 22:13 Uhr

Danke Vandale, für Ihre vielen sachlichen und substanziellen Beiträge als Kommentator.

Kein seriöser Wissenschaftler behauptet, er hätte alle klimarelevanten Faktoren in ihrer Größenordnung und Wechselwirkung genau erfasst. Weil man sie schlicht nicht einmal genau kennt.

Seriöse Wissenschaftler, die von den Medien allerdings ignoriert werden, stellen hingegen fest, daß die CO2-Hypothese keine wissenschaftlich solide Grundlage hat.

Sondern auf nahezu willkürlich verwendeten, und oft noch manipulativ ausgewählten Daten, gründet.

http://www.nipccreport.org/reports/2011/pdf/FrontMatter.pdf

Charly

31.08.2012, 22:25 Uhr

@vandale

wir wissen ja nun inzwischen, dass sie von rwe bezahlt werden.

dass co2 ein nützliches und innertes gas ist bestreitet ja auch keiner.
trotzdem haben gase wie co2 dramatische nebeneffekte auf das klima.
die quanteneffekte müssen auch nicht erst noch bewiesen werden, das ist stand der wissenschaft anfang des letzten jahrhunderts.
bei den kenntnissen die sie hier öfter an den tag legen, bin ich sicher, dass sie auch darüber im bilde sind. blöd sind sie nämlich keineswegs. nur warum verbreiten sie hier immer diesen lobby-stuss?

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