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08.08.2011

00:00 Uhr

Umweltökonomie

Die unsichtbare Hand und das Klima

VonHans Christian Müller

Sollte sich die Politik beim Kampf gegen den Klimawandel allein auf die Marktkräfte verlassen? Viele Volkswirte plädieren dafür: Der Emissionshandel alleine reiche aus - zusätzliche Subventionen seien teuer und kontraproduktiv. Doch Umweltökonomen widersprechen vehement.

Solarmodule: Machen staatliche Subventionen Sinn? Quelle: dpa

Solarmodule: Machen staatliche Subventionen Sinn?

DüsseldorfSie stehen auf den Dächern der ältesten Universität Deutschlands, der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, und auch die zweitälteste Hochschule, die 1409 gegründete "Alma mater Lipsiensis" in Leipzig hat sie angeschafft: Schwarze Paneelen, in einem Winkel von 30 Grad geneigt und ausgerichtet nach Süden - Solarzellen, die Sonnenstrahlen in Strom verwandeln.

Für die Initiatoren - oft Studenteninitiativen - handelt es sich um eine risikolose Investition: Der Gesetzgeber fördert die Produktion von Solarstrom großzügig und über einen Zeitraum von 20 Jahren - dafür sorgt das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Förderung erneuerbarer Energien macht Strom in Deutschland rund 15 Prozent teurer.

Viele Volkswirte halten die Dächer ihrer Arbeitgeber - und generell von Häusern in Deutschland - für völlig ungeeignet zur Stromproduktion. Das EEG ist ihnen seit Jahren ein Dorn im Auge. Die staatliche Förderung alternativer Energien sei teuer und kontraproduktiv, so der Tenor.

"Wir bekommen für das eingesetzte Geld am Ende weniger und nicht mehr Klimaschutz", sagt Joachim Weimann von der Uni Magdeburg. Ähnlich argumentieren auch die Wirtschaftsweisen und die Monopolkommission. Kürzlich schickte der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums ebenfalls einen Anti-EEG-Brandbrief an seinen Minister. Der Kern der Kritik: Das EEG beiße sich mit dem 2005 eingeführten EU-weiten Handel mit Luftverschmutzungsrechten. Der sogenannte Zertifikatehandel deckelt die Gesamtmenge des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), die die europäischen Energie- und Industriekonzerne ausstoßen dürfen. Zudem belohnt er über den Marktmechanismus sparsame Produzenten: Die können überschüssige Ausstoßrechte an den Börsen an Konkurrenten mit veralteten Kraftwerken und Fabriken verkaufen.

Zusätzliche Subventionen für alternative Energien seien unnötig, monieren die Kritiker: "Wenn ein deutscher Stromkonzern mit EEG-Subventionen ein neues Windrad baut und die freien Zertifikate an andere verkauft, wird kein Gramm CO2 gespart", sagt der Kieler Professor Till Requate. Schlimmer noch: Der Preis würde sinken, weil die Nachfrage nach Zertifikaten zurückgehe - und die Anreize, saubere Technologien oder sparsamere Produktionsabläufe zu entwickeln, wären für andere geringer.

Statt in den Markt einzugreifen, solle der Staat die Suche nach der besten Technologie dem Markt überlassen - und das EEG schrittweise streichen. Der Marktmechanismus werde dafür sorgen, dass Unternehmen automatisch den günstigsten Weg zur CO2-Einsparung gingen. Für den Ausstoß einer Tonne CO2 müsse man an der Börse zurzeit weniger als elf Euro bezahlen - die gleiche Menge mit einem Windrad einzusparen koste rund 100 Euro, rechnet Requate vor.

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