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11.01.2010

10:00 Uhr

Unorthodoxe Volkswirte

Ein Triumph, der keiner ist

VonOlaf Storbeck

Rationale Erwartungen, strenge Nutzenmaximierung und die Idee effizienter Finanzmärkte – im Zuge der Finanzkrise sind die gängigen Ansichten des Ökonomie-Mainstream auf breiter Front in die Kritik geraten. Warum unorthodoxe Volkswirte von der Krise ihres Fachs dennoch nicht profitieren können.

An den Universitäten könnte der Konkurrenzdruck in der Volkswirtschaftslehre weiter zunehmen - zum Leidwesen der heterodoxen Volkswirte. Quelle: Lutz Widmaier

An den Universitäten könnte der Konkurrenzdruck in der Volkswirtschaftslehre weiter zunehmen - zum Leidwesen der heterodoxen Volkswirte.

ATLANTA. Sie sind seit Jahrzehnten in der Opposition und verstehen sich als Gegengewicht zum ökonomischen Mainstream – Volkswirte, die der sogenannten heterodoxen Schule anhängen. Derzeit reiben sie sich verwundert die Augen: „Neuerdings erzählen Mainstream-Volkswirte das Gleiche, was wir seit 20 Jahren sagen“, staunte ein heterodoxer Volkswirt in der vergangenen Woche auf der Jahrestagung der American Economic Association (AEA) in Atlanta.

So sind die Theorie der rationalen Erwartungen, das Postulat der strengen Nutzenmaximierung und die Idee der effizienten Finanzmärkte in der Volkswirtschaftslehre im Zuge der Finanzkrise auf breiter Front in die Kritik geraten. Doch so richtig können heterodoxe Ökonomen ihren Triumph nicht genießen. Nach wie vor fühlen sie sich an den Universitäten marginalisiert.

„Wir erleben zwar den Bankrott der ökonomischen Profession, werden aber weiter systematisch aus den Fakultäten herausgedrängt“, klagte Robert McMaster von der University of Glasgow.

Konkurrenzdruck nimmt zu

Das werde sich auch durch die Sinnkrise der Volkswirtschaftslehre nicht ändern, ist Korkut Ertürk, Ökonomie-Professor an der University of Utah in Salt Lake City, überzeugt. „Durch die Krise steigt der Druck auf die Fakultäten nur noch weiter“, sagte er in Atlanta. Je knapper die Ressourcen würden, desto härter werde der Konkurrenzkampf innerhalb der Profession. Bei der Besetzung von freien Stellen würden die Hochschulverwaltungen daher immer mehr Wert auf Publikationen in angesehenen Fachzeitschriften legen. Für heterodoxe Ökonomen, die kaum eine Chance hätten, ihre Arbeiten in Mainstream-Journalen unterzubringen, werde es daher immer schwerer, sich zu behaupten.

Ein Grund dafür mögen ihre teilweise doch recht bizarr wirkenden Positionen sein. So forderte Randal Wray von der University of Missouri-Kansas City, jegliche Form der aktiven Geldpolitik einzustellen. Die Leitzinsen sollten für immer auf ein vergleichsweise niedriges Niveau festgeschrieben werden. „Geldpolitik ist untauglich, um das Preisniveau in einer Wirtschaft zu steuern“, so Wray.

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