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21.06.2012

21:30 Uhr

Unternehmen

Warum Firmen auf Geld von der Bank verzichten

VonMalte Buhse

Eigentlich ist die Verschuldung von Unternehmen in der klassischen BWL-Theorie eingeplant, ja sogar empfohlen. Dennoch wirtschaften immer mehr Unternehmen ohne Fremdkapital. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich.

Viele Unternehmen machen freiwillig einen Bogen um Bankkredite. dpa

Viele Unternehmen machen freiwillig einen Bogen um Bankkredite.

KölnBanken tun es, Staaten tun es, und der Nachbar, der sich schon wieder ein neues Auto gekauft hat, tut es ebenfalls: Sie alle leben auf Pump und leisten sich Dinge, für die eigentlich ihr Geld nicht reicht. Auch Unternehmen finanzieren den Bau von Fabriken oder die Entwicklung neuer Produkte oft mit Krediten.

Aus der Sicht der klassischen Betriebswirtschaftslehre machen diese Firmen alles richtig. Gängige BWL-Theorien empfehlen Unternehmen, sich großzügig bei Banken mit fremdem Kapital einzudecken. Manche theoretische Modelle halten sogar Schuldenquoten von bis zu 90 Prozent für optimal.

Diese Botschaft stößt allerdings nicht in allen Vorstandsbüros auf offene Ohren: Immer mehr Unternehmenschefs ignorieren die Empfehlungen der Theoretiker hartnäckig - und wirtschaften asketisch ganz ohne Fremdkapital.

1989 waren in den sieben größten Industrienationen gerade einmal fünf Prozent aller Firmen schuldenfrei - knapp 25 Jahre später sind es dagegen fast dreimal so viele. Das stellte ein Forscherteam um den Gießener Finanzmarktexperten Wolfgang Bessler fest.

In den USA stieg der Anteil der Kreditasketen sogar noch stärker: von rund sieben Prozent 1989 auf knapp 20 Prozent im Jahr 2009, so der Befund von Ilya Strebulaev (Stanford) und Forscherkollege Baozhong Yang (Georgia State University). „Die Aversion gegen Schulden ist ein branchenübergreifendes Phänomen", schreiben sie.

Das bedeutet nicht, dass diese Firmen ihre Expansion und Investitionen nur aus eigenen Gewinnen finanzieren. Studien zeigen: Häufiger als schuldenfinanzierte Unternehmen geben solche Firmen an der Börse Aktien aus.

Dieser Weg hat aber einen Nachteil: Die Unternehmen können die Kapitalkosten - die Dividende, die sie an ihre Aktionäre ausschütten - nicht von der Steuer abziehen. Zinsen, die sie für Kredite zahlen, können sie dagegen beim Finanzamt geltend machen.

Kommentare (8)

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21.06.2012, 23:12 Uhr

Wer keine Schulden hat muss auch keinem Rechenschaft ablegen und dem kann auch keiner Investitionen verweigern oder in der Krise den Geldhahn zudrehen, außerdem hat er mehr zum investieren. Es ist eindeutig besser keine Schulden zu haben.

Account gelöscht!

21.06.2012, 23:55 Uhr

aber wer kann besser angelegte vermögen reinvestieren als die realwirtschaft? Alles andere, was Staat und Finanzwirtschaft mit dem Kapital anstellen wird nie so ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden.

Margit

22.06.2012, 06:46 Uhr

Zum Ende der letzten Wirtschaftskrise ging es einem meiner Kunden wieder besser und die Auftragslage stimmte wieder. Da wollte seine Bank auf einmal nicht mehr mitspielen und die Aufträge vorfinanzieren. Er ging wirklich kanpp an der Pleite vorbei. Der Mann will so schnell keine Kredite mehr und sich den Banken ausliefern.

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