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20.01.2008

13:05 Uhr

US-Arbeitsmarkt für Nachwuch-Ökonomen

Vier Tage, 30 Vorstellungsgespräche

VonNicole Walter

ExklusivIrrsinn mit Methode: Der US-Arbeitsmarkt für junge Hochschul-Ökonomen folgt ganz eigenen Gesetzen. An vier Tagen in Januar führen alle Universitäten des Kontinents mit allen potenziellen Kandidaten in einer Stadt Vorstellungsgespräche. Welche Chancen haben Bewerber aus Deutschland?

Besorg dir eine Grippeschutzimpfung, sorg für einen ausreichenden Vorrat an Wasser und Energieriegeln, studiere den Stadtplan, um unterwegs genügend Tempo zu machen. Das sind keine Marathon-Tipps, sondern Empfehlungen für junge Ökonomen, die das Bewerbungsspektakel während der Jahrestagung der American Economic Association (AEA) im Januar mitmachen. „30 Bewerbungsgespräche in vier aufeinander folgenden Tagen sind durchaus drin“, sagt Matthias Döpke, von dem diese Empfehlungen stammen. Er selbst ist mittlerweile Professor an der UCLA in Los Angeles.

Der „Job Market“ während der AEA-Jahrestagung ist der zentrale Marktplatz weltweit für Nachwuchsökonomen kurz vor oder nach ihrer Promotion. Wohl in kaum einer anderen Branche gibt es ein ähnliches globales Großereignis: Hunderte von Job-Kandidaten versuchen in den vier Konferenztagen im Januar so viele Bewerbungsgespräche wie nur möglich zu führen – und sprinten voll gepumpt mit Adrenalin von Interview zu Interview. Es gibt nur rund ein Dutzend US-Metropolen, die genügend Hotelkapazitäten dafür haben. Dieses Jahr fand das Spektakel in New Orleans, nächstes Jahr ist San Francisco an der Reihe. Für potenzielle Arbeitgeber – Universitäten, Colleges, Notenbanken und Forschungsinstitute aus allen Teilen der Welt – ist es die Gelegenheit, sich aus der Vielzahl der Nachwuchsökonomen die Besten herauszupicken.

Anders als in Deutschland besetzen die Universitäten in den USA Stellen für Assistenzprofessoren alle zum gleichen Termin – egal, ob in Harvard oder an der Appalachian State University fangen die wissenschaftlichen Nachwuchskräfte alle im Sommer an. Dadurch ist ein zentrales Auswahlverfahren für die Bewerber möglich und der Arbeitsmarkt deutlich transparenter. „Alle Vorstellungsgespräche finden geballt an einem Ort statt, das ist sehr effizient“, sagt Salvador Ortigueira, Ökonom am European University Institute in Florenz. Hier zu Lande dagegen schreiben die Unis Assistentenstellen individuell aus, eine zentrale Jobbörse gibt es nicht.

Auf dem amerikanischen Ökonomen-Arbeitsmarkt läuft die Vorbereitungsmaschinerie im Spätsommer des Vorjahres an. Bis dahin sollten die Kandidaten ihr so genanntes „Job Market Paper“, ihr bestes Forschungspapier, abgeschlossen haben, empfiehlt Döpke. Danach gilt es, sich die Unterstützung von Professoren zu sichern und Empfehlungsschreiben einzusammeln. Im November verschickt man seine Bewerbungen, im Dezember trudeln die Interview-Einladungen ein.

Wer bei seinem Vorstellungsgespräch auf der AEA-Tagung einen guten Eindruck hinterlässt, wird von der Uni zu einem so genannten „Flyout“ eingeladen: Die Kandidaten besuchen potenzielle Arbeitgeber vor Ort und absolvieren ein dichtes Ganztagesprogramm. Oft werden sie schon zum Frühstück von einem Professor abgeholt, danach folgen Einzelgespräche, ein gemeinsames Mittagessen und am Nachmittag ein Vortrag vor großer Runde, gefolgt von intensiven Fragen. Gekrönt wird der Tag durch ein Abendessen mit den möglichen Fakultätskollegen.

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