Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2006

14:00 Uhr

US-Einzelhändler

Der Wal-Mart-Effekt oder: Kleine Preise, große Wirkung

VonTobias Moerschen

Kann ein einzelnes Unternehmen die größte Volkswirtschaft der Welt spürbar beeinflussen? Ja, es kann – wenn es Wal-Mart heißt.

Wal-Mart-Store in Princeton. Foto: ap

Wal-Mart-Store in Princeton. Foto: ap

NEW YORK. Der Einzelhändler beschäftigt in den USA 1,3 Millionen Menschen und ist damit wichtigster privater Arbeitgeber des Landes. Das Unternehmen mit Sitz im Provinzstädtchen Bentonville in Arkansas ist für zehn Prozent aller Importe aus China verantwortlich, es bietet die niedrigsten Preise. Wal-Mart verkauft in den USA 20 Prozent aller Lebensmittel und 16 Prozent aller Medikamente. Der Jahresumsatz summiert sich auf 312 Mrd. Dollar – viereinhalbmal so viel wie der größte deutsche Handelskonzern, die Metro AG.

In den USA tobt derzeit eine heftige Debatte über die Konsequenzen, die Wal-Mart für die Wirtschaft des Landes hat. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, mit seinen Niedrigpreisen einen ruinösen Wettbewerb im Einzelhandel in Gang gebracht zu haben und seinen Mitarbeitern nur Hungerlöhne zu zahlen. Wal-Mart-Anhänger halten dagegen, das Unternehmen steigere durch seine Niedrigpreise Kaufkraft und Lebensstandard der Amerikaner.

Inzwischen ist der „Wal-Mart-Effekt“ zum etablierten Forschungsgebiet für US-Ökonomen geworden. Kongresse werden darüber abgehalten, Studien geschrieben. Bei aller Widersprüchlichkeit ihrer Ergebnisse sind sich die Wissenschaftler in einem einig: Durch seine Rolle als Preisführer und seine enorme Marktmacht hat Wal-Marts Preispolitik Folgen für die gesamte US-Wirtschaft. Die Ökonomen Jerry Hausman (Massachusetts Institute of Technology) und Ephraim Leibtag (US-Agrarministerium) ermittelten: Lebensmittel sind in den riesigen Wal-Mart-„Supercentern“ 15 bis 25 Prozent billiger als in einem gewöhnlichen Supermarkt. Bei Kleidung und Hygieneartikeln sind die Preisvorteile noch größer, stellten Volkswirte von UBS und Lehman Brothers fest.

Wegen seiner schieren Größe beeinflusst Wal-Mart mit seinen niedrigen Preisen das gesamtwirtschaftliche Preisniveau in den USA. Laut der bisher ausführlichsten, allerdings nicht unabhängigen Studie des privaten Forschungsinstituts Global Insight im Auftrag von Wal-Mart bremst der Handelsriese die US-Inflation um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte pro Jahr. Dadurch wächst die Kaufkraft der US-Verbraucher, ihre Nachfrage steigt – das stimuliert die gesamtwirtschaftliche Produktion.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×