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21.05.2014

00:10 Uhr

US-Notenbanker Plosser und Dudley

Fed sendet widersprüchliche Signale zum Leitzins

Die Erholung der US-Wirtschaft könnte die Fed nach Worten ihres Führungsmitglieds Charles Plosser früher als bislang angenommen zu einer Zinserhöhung zwingen. Sein Kollege William Dudley ist da ganz anderer Ansicht.

Charles Plosser, Vorsitzender der Federal Reserve Bank in Philadelphia: Die Niedrigzinspolitik würde er gerne schneller beenden. Reuters

Charles Plosser, Vorsitzender der Federal Reserve Bank in Philadelphia: Die Niedrigzinspolitik würde er gerne schneller beenden.

WashingtonDie amerikanische Notenbank Fed sollte ihre Geldpolitik nach Ansicht eines ranghohen Zentralbankers lieber früher als später straffen. „Meine Meinung ist, dass wir unsere Politik angesichts der Annäherung an unser Inflationsziel von zwei Prozent und des sich bessernden Arbeitsmarkts entsprechend anpassen müssen“, sagte Charles Plosser, regionaler Fed-Präsident von Philadelphia, am Dienstag in Washington. „Das könnte uns dazu bringen, mit Zinsanhebungen eher früher als später zu beginnen.“

Falls die Federal Reserve zu lange an ihrer Politik des billigen Geldes festhalte, erhöhe sich die Inflationsgefahr, erläuterte Plosser. Trotz des schwachen Jahresanfangs aufgrund des harten Winters befinde sich die Wirtschaft nun in der besten Verfassung seit Beginn der Erholung.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Plosser ist in diesem Jahr stimmberechtigtes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses FOMC. Er gilt als geldpolitischer „Falke“, also als Befürworter einer straffen Geldpolitik. Die Federal Reserve ist bereits dabei, ihre sehr lockere Krisenpolitik schrittweise zurückzuführen. Ende vergangenen Jahres hat sie damit begonnen, ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe zu verringern. Sollte die Fed das eingeschlagene Tempo halten, wären die Käufe „irgendwann im Herbst“ komplett eingestellt, sagte Plosser. Dies entspricht den Erwartungen an den Finanzmärkten. Mit Zinsanhebungen wird jedoch frühestens im nächsten Jahr gerechnet.

Sein Fed-Kollege William Dudley ist anderer Ansicht als Plosser: Die US-Notenbank kann bei der anstehenden Erhöhung der Zinsen nach Worten von Dudley langsam vorgehen. In der US-Wirtschaft gebe es viele freie Kapazitäten, die einen schnellen Preisanstieg verhindern dürften, erklärte Dudley am Dienstag. Alles deute auf eine Beschleunigung des Wachstums und einen langsamen Anstieg der Inflation in Richtung der Fed-Zielmarke von zwei Prozent hin. Ein schneller Anstieg des Preisauftriebs sei unwahrscheinlich. Dudleys Äußerungen sorgten am Rentenmarkt für Kursgewinne.

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