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31.10.2011

11:52 Uhr

US-Studie

Die Wahrheit über Mindestlöhne

VonOlaf Storbeck

Deutsche Wirtschaftswissenschaftler verkaufen es gern als ein ökonomisches Naturgesetz: Wenn der Staat Mindestlöhne vorschreibt, vernichtet er damit Arbeitsplätze. Doch neue Studien zeigen, dass die Wahrheit komplizierter ist.

Bauarbeiter in Stuttgart: In vielen deutschen Betrieben werden die gesetzlichen Mindestlöhne unterlaufen. Quelle: dpa

Bauarbeiter in Stuttgart: In vielen deutschen Betrieben werden die gesetzlichen Mindestlöhne unterlaufen.

LONDON. Deutsche Wirtschaftswissenschaftler verkaufen es gern als ein ökonomisches Naturgesetz: Wenn der Staat Mindestlöhne vorschreibt, vernichtet er damit Arbeitsplätze. Unweigerlich und in jedem Fall. Eindringlich warnten die Chefs von sieben Wirtschaftsforschungsinstituten 2008 vor einem „staatlichen Lohndiktat“. Denn dies würde zu „erheblichen Beschäftigungsverlusten“ führen. Bis heute haben sie ihre Meinung nicht geändert.

Dabei ist die Wahrheit deutlich komplizierter. Der Zusammenhang ist längst nicht so klar, wie die Professoren suggerieren.

So zeigt eine jetzt veröffentlichte Mammut-Untersuchung des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversität Berkeley: Höhere Mindestlöhne haben in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet. „Wir finden keine negativen Beschäftigungseffekte“, lautet das Fazit der Arbeit mit dem Titel „Minimum Wage Effects Across State Borders“.

Wissenschaftlicher Meilenstein

Methodisch haben die Autoren der Studie Neuland beschritten: Niemand zuvor hat die Wirkungen von Mindestlöhnen auf dem US-Arbeitsmarkt so umfassend, so detailliert und so gründlich untersucht wie das dreiköpfige Forscherteam um den Berkeley-Professor Michael Reich.

Arbeitsmarktforscher halten die Arbeit, die in der aktuellen Ausgabe des renommierten „Review of Economics and Statistics“ erschienen ist, daher für einen wissenschaftlichen Meilenstein: „Es handelt sich um eine der besten und überzeugendsten Mindestlohn-Studien der vergangenen Jahre“, lobt Harvard-Professor Lawrence Katz.

Die Wissenschaftler können dadurch alte Widersprüche in der Mindestlohn-Forschung aufklären und ein deutlich verlässlicheres Bild über die Effekte von gesetzlichen Lohnuntergrenzen zeichnen. „Der verwendete Datensatz ist weit umfangreicher, der methodische Ansatz breiter als in früheren Untersuchungen“, sagt Joachim Möller, Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Inhaltlich bestätigen die neuen Ergebnisse Studien, die seit einigen Jahren immer wieder die negativen Folgen von moderaten Mindestlöhnen für die Beschäftigung infrage stellen – hauptsächlich am Beispiel der USA und Großbritannien, aber vereinzelt auch für Deutschland. So stellte IAB-Chef Möller im Jahr 2007 fest: Die in der Bauindustrie geltenden Mindestlöhne haben zumindest in Westdeutschland keine Jobs vernichtet.

Kommentare (22)

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wolf54321

16.12.2010, 18:54 Uhr

"Mindestlöhne vernichten keine Jobs" - Soso, wer hätte das gedacht?

Aufklärung08

16.12.2010, 19:09 Uhr

Mindestens 10 Euro in DE, besser 12 Euro.

Drunter ist man kaum lebensfähig, jedenfalls nich
in den ballungsbgebieten der westlichen bundesländer.

Einanderer

16.12.2010, 19:20 Uhr

Jobs würden vernichtet wenn z.b. durch den Mindestlohn das Produkt / die Dienstleistung so teuer würde dass sie nicht mehr leistbar ist. Gerade per Mindestlohn kommt dabei aber noch hinzu dass sich die Menschen dann mehr leisten können.

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