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07.09.2012

15:10 Uhr

Verein für Socialpolitik

Volkswirte geben sich Ethik-Kodex

VonHans Christian Müller-Dröge, Olaf Storbeck

Der Verein für Socialpolitik verlangt von Forschern künftig die Offenlegung aller Geldquellen, um Interessenkonflikte transparent zu machen. Hintergrund der Initiative ist der Vertrauensverlust während der Finanzkrise.

Eine Volkswirtschaftslehre-Studentin in einem Hörsaal der Technischen Universität Dresden. dpa

Eine Volkswirtschaftslehre-Studentin in einem Hörsaal der Technischen Universität Dresden.

Düsseldorf/LondonDer Verein für Socialpolitik gibt sich 139 Jahre nach seiner Gründung erstmals einen Ethik-Kodex. Auf seiner Jahrestagung in Göttingen wird der Verband der deutschsprachigen Volkswirte Grundsätze des „gutes wissenschaftlichen Verhaltens für Ökonomen“ in seine Satzung aufnehmen.

Im Zentrum stehen mögliche Interessenkonflikte, die durch Nebentätigkeiten entstehen können. So verlangt der Verein, dass die Mitglieder künftig in wissenschaftlichen Arbeiten „alle in Anspruch genommenen Finanzierungsquellen“ offenlegen - ebenso wie Umstände, „die auch nur potenziell zu Interessenkonflikten oder Befangenheit des Autors führen könnten“.

Bis Mittwoch konnten die 3800 Mitglieder des Vereins im Internet über den Kodex abstimmen. Nach Informationen des Handelsblatts gab es eine große Mehrheit für den Textvorschlag, an dem eine zehnköpfige Arbeitsgruppe mehr als ein halbes Jahr gefeilt hatte.

Zu Jahresbeginn hatten sich bereits die 17.000 Mitglieder der American Economic Association (AEA) ähnliche Regeln auferlegt. Auch das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat seit einigen Monaten einen Ethik-Kodex.

Hintergrund der Initiativen ist die Vertrauenskrise, in die die Volkswirtschaftslehre im Zuge der Finanzkrise gerutscht war. Zahlreiche vermeintlich unabhängige Ökonomen hatten sich vor der Krise von Interessengruppen und Unternehmen bezahlen lassen, ohne dies offenzulegen.

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Der prominenteste Fall dabei war der New Yorker Professor Frederic Mishkin, der 2006 in einer Studie Island als idealen Finanzplatz lobte. Dass er dafür von der örtlichen Handelskammer 124.000 Dollar kassierte, verschwieg er den Lesern seiner Studie.

Darüber hinaus hatten 13 von 19 Volkswirten, die in der amerikanischen Debatte über Finanzmarktregulierungen eine prominente Rolle spielten, enge Verbindungen zum Bankensektor, wie die Ökonomen Gerald Epstein und Jessica Carrick-Hagenbarth in einer Studie zeigen. Doch nur fünf von ihnen legten ihre Interessenkonflikte offen.

Kommentare (1)

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r-tiroch@t-online.de

08.09.2012, 09:30 Uhr

und was bekommen so unsere politiker von den lobbyisten?

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