Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2012

16:31 Uhr

Vorwürfe gegen Ulrich Lichtenthaler

Uni Mannheim holt externe Gutachter

VonOlaf Storbeck

Er war einer der forschungsstärksten Betriebswirte und das machte die Kollegen misstrauisch. Die Universität Mannheim will nun die Plagiatsvorwürfe gegen den BWL-Professor Ulrich Lichtenthaler vollständig aufklären.

Die Universität Mannheim prüft derzeit Plagiatsvorwürfe gegen einen ihrer Professoren. picture-alliance/ dpa

Die Universität Mannheim prüft derzeit Plagiatsvorwürfe gegen einen ihrer Professoren.

LondonPlötzlich ging alles ganz schnell: Drei Werktage, nachdem das Handelsblatt über schwere Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirt Ulrich Lichtenthaler berichtet hatte, nahm die Untersuchungskommission der Hochschule am vergangenen Dienstag ihre Arbeit auf - einige Mitglieder mussten dafür ihren Sommerurlaub unterbrechen.

Bereits vor mehr als sechs Wochen hatte Lichtenthaler und die Herausgeber einer Fachzeitschrift die Uni über die Vorwürfe informiert. Der Mannheimer Rektor Hans Wolfgang Arndt wehrt sich aber gegen den Eindruck, die Hochschule habe zu zögerlich reagiert: „Wir sind seit Anfang Juni rastlos tätig, mussten aber erstmal viele Verfahrensfragen klären."

Die Uni sei an einer „vollständigen, gründlichen und schnellstmöglichen Aufklärung interessiert." Es sind drei Vorwürfe, mit denen der 33-jährige Betriebswirt Ulrich Lichtenthaler konfrontiert wird. Erstens soll er ohne Querverweise sehr ähnliche Arbeiten in mehreren Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Zweitens sollen zwischen diesen Studien inhaltlich Widersprüche existieren, die die Schlussfolgerungen infrage stellen.

Drittens soll es in manchen Papieren gravierende statistische Fehler geben - Ergebnisse, die nicht signifikant sind, werden trotzdem so dargestellt. Nach Einschätzung der Herausgeber der Fachzeitschrift „Research Policy", die zwei Arbeiten widerrief, bestehen „schwere Zweifel an der Validität und Robustheit der Schlüsse" nicht nur an den bei ihnen veröffentlichten Arbeiten, sondern auch mehreren anderen Studien.

Lichtenthaler räumt einen Teil der Fehler ein. Dem Forscher fielen die Fehler in der Statistik laut Presseerklärung der Universität bei „nochmaliger Prüfung der Publikationen" auf. Er habe die Hochschulleitung von sich aus informiert, teilte Lichtenthaler in der vergangenen Woche dem Handelsblatt mit. Die Fehler seien nicht bewusst entstanden, und er bedauere sie sehr, versicherte er dem Handelsblatt. Zu den Details könne er sich während des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Zwei Fachzeitschriften haben seit Anfang Juni drei Arbeiten von Lichtenthaler offiziell zurückgezogen, eine Reihe weiterer Journale prüft derzeit die Vorwürfe. „Es ist möglich, dass wir in den nächsten sechs Monaten eine ganze Reihe von weiteren Widerrufen sehen werden", sagte ein Forscher, der mit den Details des Vorgangs vertraut ist, dem Handelsblatt. Allein die statistischen Fehler fänden sich in rund einem Dutzend weiterer Arbeiten.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

krull

26.07.2012, 16:45 Uhr

steckt den vogel in die produktion.irgend ein verleiher kann ihm sicher einblicke in die ehrliche arbeitswelt verschaffen und den den steuerzahler ein unberechtigtes gehalt.

oder hamn akademische betrüger an der uni kündigungsschutz.

dabei wollte lichteneuro doch nur auch ein toller mannheimer wirtschaftsprof sein

MannheimAlumni

26.07.2012, 17:14 Uhr

die uni mannheim soll endlich von ihrem elite-denken runter kommen. die haben noch einen weiten weg zu gehn. paper als messbares konzept für forschungsleistung sind sicherlich wichtig. umso wichtiger ist aber endlich auch mehr in technologie zu investieren. supercomputer und fMRT scanverfahren sind wohl die zukunft jeder gesellschaftwissenschaft. wie sonst soll denn das globale e-geld problem angemessen simuliert werden. da hört man aber nicht viel aus mannheim.

Auf der lehrseite fehlt eindeutig die online-uni. auch dort ist mannheim im vergleich zu MIT/Harvard, Standford/Princeton einfach mal ein halbes Jahr zurück.

ich bezweifle langsam, dass aus der core-kompetenz, provinz uni nochmal ein innovativer global player wird.




Bloomaeuler

26.07.2012, 17:15 Uhr

Es ist somit festgestellt, dass es in der post Guttenberg Ära genauso weitergeht an den Unis wie gehabt. Was von dem wissenschaftlichen Nutzen einer Privatuni-Dissertation zu halten ist, sieht man im vorliegenden Fall. Was von der Berufungskommission in Mannheim zu halten ist, sieht man ebenfalls. Was von einem Rektor zu halten ist, der dies handeln noch als brillantes wissenschaftliches Schaffen darstellt…

Ein schwer enttäuschter Alumni der Mannheimer Alma Mater

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×