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29.01.2007

06:00 Uhr

Warum "Summer Schools" in der Wirtschaftswissenschaft boomen

Sommer im Hörsaal

VonThomas Suthor

Immer mehr Unis und Institute bieten „Summer Schools“ für junge Ökonomen. Wer dabei sein will, muss jetzt aktiv werden und sich bewerben.

Nicht mal beim Mittagessen hört der Streit auf. Noch über dem panierten Fischfilet aus der Institutsmensa diskutieren die Doktoranden: Auf der einen Seite vom Tisch der Volkswirt, der trotz irrationaler Anwandlungen der Menschen das Bild vom rationalen Homo oeconomicus retten will, auf der anderen Seite der Psychologe, der die wirtschaftswissenschaftlichen Annahmen für Quatsch hält: „Jetzt gibt es doch gerade zwei konkurrierende Formate für die nächsten DVDs. Sag mir doch mal mit deinen Annahmen, welches davon sich durchsetzen wird.“

Der Psychologie-Professor Gerd Gigerenzer sitzt neben den beiden Streithähnen und grinst sich eins. Er hat erreicht, was er wollte: Ökonomie- und Psychologie-Doktoranden reden endlich miteinander darüber, wie weit das Bild vom rationalen Menschen trägt. Dazu hat er sie im August 2006 für neun Tage nach Berlin geholt – Doktoranden aus Pittsburgh und Jerusalem, aus Melbourne und aus Jena, zur „Summer School“ über beschränkte Rationalität der Max-Planck-Institute für Bildungsforschung und Ökonomik.

„Summer Schools“ sprießen in den Wirtschaftswissenschaften wie Kresse im Blumentopf. In Frankfurt geht es um Vermögensbewertung, im italienischen Trient um ökonomische Computerberechnungen – und ganz oft um das Verhältnis von Ökonomie und Psychologie. Das Prinzip ist fast immer gleich: Doktoranden aus aller Welt treffen sich für etwa eine Woche zu einer Konferenz. Sie präsentieren eigene Arbeiten, hören Vorlesungen angesehener Professoren und lernen sich gegenseitig kennen. Das verbessert die Doktorandenausbildung, sorgt für internationalen Austausch und verbessert ganz nebenbei auch den wissenschaftlichen Ruf der Veranstalter. Wer in diesem Jahr bei so einem Sommer-Seminar dabei sein will, muss jetzt aktiv werden – für einige Veranstaltungen laufen die Bewerbungsfristen schon in dieser Woche ab.

„In Deutschland hatten wir bis vor kurzem keine systematische Doktorandenausbildung. Summer Schools können dafür einen kleinen Ersatz bieten“, sagt Gerd Gigerenzer. In seiner „Summer School“ im vergangenen August präsentierten die Teilnehmer nachmittags meist eigene Arbeiten oder bastelten mit ihren Kollegen an eigenen Aufgaben – zum Beispiel mussten sie einen Statistik-Lehrplan aufbauen, damit sie selbst statistische Methoden besser verstehen. Vormittags hörten sie Vorträge von angesehenen Professoren.

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