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08.02.2012

17:28 Uhr

Wie die Wirtschaft funktioniert

Kann Argentinien Vorbild für Griechenland sein?

VonNorbert Häring

Erste Stimmen fordern einen Bankrott Griechenlands, so wie ihn bereits Argentinien im Jahr 2001 erlebte. Der Vergleich beider Länder zeigt Parallelen. Allerdings könnte im griechischen Fall eine Kettenreaktion drohen.

Der Parthenon auf der Akropolis in Athen. dpa

Der Parthenon auf der Akropolis in Athen.

Der Ruf nach einer Bankrotterklärung Griechenlands und einem Austritt aus dem Euro wird immer lauter. „Es gibt ja kaum Aussicht auf Besserung, und deswegen ist es besser, dann einen sauberen und klaren Schnitt zu machen“, sagte jüngst Bayerns Finanzminister Markus Söder. Ein Blick auf die Erfahrung Argentiniens, das sich Ende 2001 für bankrott erklärte und kurz danach die langjährige Anbindung des Pesos an den US-Dollar löste, scheint ihm recht zu geben.

Argentiniens Wirtschaft hatte bis zur Aufgabe des festen Wechselkurses mit dem Dollar unter ähnlichen Problemen gelitten wie heute Griechenland: Das Land war nicht mehr wettbewerbsfähig. Vom IWF konzipierte Sparprogramme und Strukturreformen führten in eine schwere Rezession. Nach der Wechselkursfreigabe schrumpfte die Wirtschaft noch einmal ein Quartal lang kräftig um fünf Prozent.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

Danach ging es stark aufwärts: Von 2002 bis 2011 stieg das BIP preisbereinigt um über 90 Prozent. Haupttriebkräfte waren Investitionen und Konsum. Die Tatsache, dass Argentinien Schwierigkeiten hatte, im Ausland Kredit zu bekommen, und kaum Direktinvestitionen aus dem Ausland flossen, tat dem keinen Abbruch. Nach drei Jahren war die Wirtschaftsleistung von 1998 wieder erreicht. Der Beschäftigungsstand stieg auf einen Rekordwert, die Arbeitslosigkeit fiel auf acht Prozent und der Anteil der Armen ging massiv zurück.

Diesem Beispiel könnte Athen durchaus nacheifern. Ob das auch Deutschland gut täte, wie Söder zu glauben scheint, steht auf einem anderen Blatt. Abgesehen von den abzuschreibenden Forderungen wäre das langfristige Überleben der Währungsunion zweifelhaft: Wenn das erste Land ausgetreten ist, steht der Spekulation auf den nächsten Pleite- und Austrittskandidaten Tür und Tor offen. Ohne Vergemeinschaftung der Schulden ließe sich diese Spekulation kaum eindämmen.

Der Autor ist erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

Kommentare (9)

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08.02.2012, 19:02 Uhr

Ja und warum sagt Herr Söder nicht das Argentinien seit 10 Jahren Inflation von über 15% hat und das noch immer die Nationalbank und Argentinier selbst 90% der Anleihen kaufen.Es gibt praktish kein Zufluss von Kapital von Aussen.Griechenland grenzt nicht an ein Wirtschaftsgigant wie Brasilien und sitzt nicht auf Rohstoffe wie Argentinien.Buenos Aires ist einer der größten Exporteure von Lebensmittel auf der Welt,dazu kommt ein Binenmarkt von 40 mio. Menschen.Griechenland ist nicht mit Argentinien zu vergleichen.

T.G.

08.02.2012, 20:52 Uhr

Ich lebe in Argentinien und Ich kann dem Autor nur voll und ganz zustimmen. Hier war während der 90r zuerst einen Wirtschaftsaufschwung nach der Bindung der Peso mit dem Dollar und alle waren zufrieden mit diesem Rezept, aber dann war die Entäuschung gross wenn das Kapital das den Aufschwung für ein Paar Jahre finanzierte uns im Stich liess. Die Arbeitslosigkeit und Armut waren wirklich verheerend aber unsere dumme Politiker zusammen mit der IWF blieben stur und hielten an der Dollarbindung fest in der Hoffnung das Kapital würde zurückkommen nachdem grosse Menge Schutzanleien der IWF das Vertrauen restauriert, sehr zu gunsten des spekulstives Kapital das unser Land vollständig plünderte wenn die Regierung wegen des desaströses Wiertschafts und Soziallage nicht mehr hielt. Also es liess sich vermeiden. Ich hoffe es geht den Griechen nicht wie Argntinien damals aber wenn ich über Griechenland lese erinnert mich fast genau an diese jahre in unserem Land

T.G.

08.02.2012, 21:23 Uhr

Während der PesoDollar Bindung in Argentinen gab es massive Kapitalauswanderung, also wenn jetzt nicht spekulatives Kapital von Aussen kommt ist das vielleicht besser, die Inflazion ist kein Problem wenn es Arbeit gibt und die Löhne verhältnismässig steigen, also ich glaube die Griechen könnten vielmehr produzieren und exportieren wenn sie ihre eigene Währung hätten egal ob sie über Naturalressourcen verfügen, aber vielleicht kann ich nicht sehr objetiv sprechen nach der Erfahrungen die ich hier in Argentinien erlebte.

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