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01.08.2011

18:52 Uhr

Wirtschaftswachstum

Warum uns Städte reich machen

VonOlaf Storbeck

Ökonomen halten sie für eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit: urbane Zentren. Ohne Ballungsräume gäbe es keinen Wohlstand. Was ist das wirtschaftliche Geheimnis der Metropolen?

Manhattan: US-Beschäftigte in Großstädten sind deutlich produktiver als ihre Kollegen auf dem Land. Quelle: dapd

Manhattan: US-Beschäftigte in Großstädten sind deutlich produktiver als ihre Kollegen auf dem Land.

LondonAm liebsten illustriert Edward Glaeser seine Thesen mit einem Foto der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Im Februar war dort das Zentrum der Massenproteste, die den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zum Rücktritt zwangen. "Viele Leute sprechen von der Facebook- und Twitter-Revolution", sagt der Harvard-Professor.

Doch das sei so nicht ganz richtig: "Die Revolution in Ägypten war in erster Linie eine Stadtrevolution." Natürlich hätten Onlinemedien wie Twitter und Facebook eine wichtige Rolle für die Koordination der Proteste gespielt. Aber nur, weil sich so viele Menschen an einem zentralen Ort in der wichtigsten Stadt des Landes trafen, hätte der Protest seine politische Durchschlagskraft entwickeln können.

Nicht nur politisch, auch gesellschaftlich und ökonomisch ist die Bedeutung von Städten kaum zu unterschätzen - davon sind Wirtschaftsgeografen und -historiker überzeugt. Immer mehr Ökonomen untersuchen daher, unter welchen Umständen urbane Zentren florieren, warum die Menschen in Städten produktiver sind und wie Entwicklungsländer davon profitieren können.

Ökonomen wissen heute, dass wirtschaftlicher Wohlstand und Prosperität fast ausschließlich in Metropolen entsteht - sowohl in Industrieländern als auch in Entwicklungsländern. So sind in den Vereinigten Staaten Beschäftigte, die in Städten mit mehr als einer Million Einwohner leben, 50 Prozent produktiver als Landbewohner - selbst, wenn man die Ausbildung, die Berufserfahrung, und die Branche, in der die Menschen arbeiten, berücksichtigt.

Noch deutlicher wird das Phänomen bei einer Beispielrechnung, die Harvard-Ökonom Glaeser in einem jüngst erschienenen Buch "Triumph of the City" aufmacht: Demnach verdienen die 600000 Menschen, die in Manhattan zwischen der 41. und der 59. Straße arbeiten, zusammen mehr als sämtliche Einwohner der US-Bundesstaaten Oregon oder Nevada.

Kommentare (5)

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stefan

01.08.2011, 19:07 Uhr

Vieles ist richtig im Artikel aber man sollte nicht vergessen das Städte, insbesondere Großstädte, nur existieren können weil wir noch! billige Energievorkommen und billige Rohstoffe habe.
Auch ist der Recourcen und Energieverbrauch und damit die Umweltbelastung eines Städters ein vielfaches höher als jemand der auf dem Lande lebt. Damit meine ich nicht auf dem Lande "wohnt"!
Nur die simplen KFZ Kilometer zur Arbeit zu nehmen ist nur ein kleiner Teil der Energiebilanz eines Städters.

Michel_aus_Berlin

01.08.2011, 19:14 Uhr

Das Geheimnis der Geldsäcke?
Arbeitereinschubfächer,Fortpflanzungsanimationsmedienprogramme,korrupte Gewerkschaften und Politiker,billige Energie
und Nahrungsmittel,loyale Polizei!

Simon

04.08.2011, 11:23 Uhr

Der Autor macht ein gutes Argument mit der Interdisziplinität und dem kreativen Potential von Städten. Dazu ein wenig mehr:

"
Entscheidende Denkanstöße und Innovationen entstehen vor allem aus dem Zusammentreffen von Ideen aus unterschiedlichen Kulturen und Disziplinen: Der sog. „Medici-Effekt“.

Die Medicis förderten und finanzierten schöpferisches Arbeiten in seiner ganzen Breite. Dank dieses Klimas trafen in Florenz Bildhauer, Wissenschaftler, Dichter, Philosophen, Maler, Finanziers und Architekten aufeinander. Sie lernten voneinander und überwanden die Grenzen ihrer Disziplinen und Kulturen. Sie schafften damit eine Welt neuer Ideen, die uns heute als Renaissance bekannt ist.
So war der „Erfinder“ der doppelten Buchführung, Luca Pacioli, eng mit Leonardo da Vinci befreundet, und aus dieser Symbiose entstand die erste Beschreibung der bis heute einschlägigen Methode.
"

Dem Thema "Creative Cities" und Medici Effekt wird auch ein ganzer Tag beim Entrepreneurship Summit am 29. und 30. Oktober 2011 in Berlin gewidment:
http://www.entrepreneurship.de/summit/

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