Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

14:40 Uhr

Wirtschaftsweiser Feld

„Ohne Schulden-Schnitt wird es Griechenland nicht schaffen“

VonAxel Schrinner

ExklusivDas Kabinett hat Lars Feld gestern als neuen Wirtschaftsweisen berufen. Im Interview spricht der Freiburger Ökonom über Irland, Konjunkturprogramme und die Probleme der europäischen Wirtschaft - insbesondere die Schwierigkeiten, in denen Schuldenländerm wie Griechenland stecken.

Zum Wirtschaftsweisen berufen: Lars Feld. Quelle: Pressebild

Zum Wirtschaftsweisen berufen: Lars Feld.

Handelsblatt: Herr Professor Feld, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt. Sie sind Chef des Walter Eucken Instituts. Nach Euckens Grundsätzen sollte die Wirtschaftspolitik sich auf die Gestaltung der Wirtschaftsordnung beschränken und insbesondere den Wettbewerb schützen und stärken; sie sollte nicht zusätzlich versuchen, lenkend in den Wirtschaftsprozess einzugreifen. Ginge es nach Eucken, hätte es keine Bankenrettung, keine Konjunkturprogramme und keine Hilfen für wankende Euro-Staaten geben dürfen. Hat die Bundesregierung in der Krise also alles falsch gemacht?

Lars Feld: Man kann viel darüber spekulieren, was Eucken zu den aktuellen Entwicklungen gesagt hätte. Doch aus meiner Sicht hat die Regierung in der Krise gerade durch Interventionen vieles richtig gemacht: Die Rettung von Banken hat zur Beruhigung der Märkte beigetragen und Infrastrukturprogramme haben auf dem Höhepunkt der Krise die Konjunktur stabilisiert.

Handelsblatt: Finanzkrise und Weltrezession sind Schnee von gestern, doch die Euro-Krise ist nicht ausgestanden. Was muss die Bundesregierung tun?

Feld: Die Finanzkrise ist insofern nicht abgehakt, als dass die Euro-Schuldenkrise eine Folge der Finanzkrise ist. Erst die Nervosität auf den Finanzmärkten hat Sorge über die Bonität von Ländern mit unsolider Haushaltsführung aufkommen lassen…

Handelsblatt: …und flugs mussten nach einzelnen Banken ganze Länder gerettet werden.

Feld: Das war sicher nicht schön, aber es war richtig, in dieser Situation Liquiditätshilfen für Griechenland bereitzustellen.

Handelsblatt: Doch Griechenland war erst der Anfang. Es folgten Irland und nun vielleicht bald Portugal. Reicht der eilig aufgespannte Rettungsschirm?

Feld: Für Griechenland, Irland und Portugal reicht er sicher, vielleicht auch Spanien. Doch dann ist Schluss.

Handelsblatt: Und was kommt dann? Wären gemeinsame Euro-Anleihen eine Möglichkeit?

Feld: Ich bin strikt gegen Euro-Bonds. Sie würden für Deutschland sehr teuer, weil die Refinanzierungskosten stiegen. Zugleich würden sie falsche Anreize für die Krisenstaaten setzen. Diese würden mit niedrigeren Zinsen für ihre Politik sogar noch belohnt. Ich bin mit den aktuellen Zinsdifferenzen auf den Anleihemärkten und den Prämien für Kreditausfallversicherungen eigentlich ganz zufrieden.

Handelsblatt: Was muss geschehen, damit wieder Ruhe an den Finanzmärkten einkehrt? Nützt ein verschärfter Stabilitätspakt für Europa?

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ein neuer Weiser mit alten Antworten, Steuerzahler!!!

21.01.2011, 10:57 Uhr

Wenn dieser Schulden – Schnitt erfolgen sollt?
Wer soll dies bezahlen??? ich hoffe nur, dass dies die banken übernehmen und nicht der Steuerzahler.
ich bitte um Antworten.
Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×