Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2012

08:03 Uhr

Wirtschaftswissenschaften

Der hohe Preis der Arbeitslosigkeit

VonJohannes Pennekamp

Studien belegen: Der Jobverlust hat für die Betroffenen härtere Konsequenzen als angenommen. Wer entlassen wird, der spürt dies noch 15 Jahre später im Portemonnaie.

Die Agentur für Arbeit in München. ap

Die Agentur für Arbeit in München.

DüsseldorfDie Vorbereitungen im Arbeitsministerium laufen auf Hochtouren: Rutscht die Republik im neuen Jahr in eine Rezession, sei man bereit, mit einem milliardenschweren Programm gegenzusteuern, ließ Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kurz vor Weihnachten wissen. So wie 2009 könne die Politik der schwächelnden Wirtschaft mit großzügigen Kurzarbeiterregelungen zur Seite springen.

Ein Krisenszenario, das bald Realität werden könnte. Denn so optimistisch Deutschlands Unternehmer dem neuen Jahr auch entgegenblicken – sollte die Euro-Krise eskalieren, wird das auch auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen.

Steigt in der Rezession die Arbeitslosigkeit, hat das für die Betroffenen schwerwiegendere Folgen als bislang angenommen: Wer in einer Wirtschaftskrise seinen Job verliert, muss über Jahrzehnte mit empfindlichen Gehaltseinbußen rechnen, haben Arbeitsmarktforscher jetzt herausgefunden. Besonders besorgniserregend: Die finanziellen Verluste sind nur ein Teil des Übels – Beschäftigungslosigkeit kann krank machen und sogar das Leben kosten.

Einer der profiliertesten Ökonomen, der die Kosten des Arbeitsplatzverlustes untersucht, ist Till von Wachter, deutscher Forscher an der New Yorker Columbia University. Mit einem riesigen Datensatz der deutschen Arbeitsbehörden hat von Wachter gemeinsam mit den Forschern Johannes Schmieder (Boston University) und Stefan Bender (Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Nürnberg) deutsche Erwerbsbiografien seit den frühen 80er-Jahren analysiert.

Langjährige Beschäftigte, die von einer Massenentlassung betroffen sind, müssen immense Einkommenseinbußen hinnehmen. In den Jahren unmittelbar nach ihrer Entlassung verdienen sie fast ein Drittel weniger als ihre nicht entlassenen Ex-Kollegen. Und selbst 15 Jahre nach der Kündigung liegt ihr Jahreseinkommen im Schnitt zehn bis 15 Prozent unter dem der ehemaligen Kollegen.

In einer vergleichbaren Studie mit Daten der amerikanischen Sozialversicherungsbehörde stieß von Wachter auf Lohneinbußen in ähnlicher Größenordnung.

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Stopmal

07.01.2012, 09:11 Uhr

Nein, das sehe ich so nicht.
Ich selbst bekam in "Aufschwungzeiten" einen Job. Wir wissen alle, wo diese Jobs entstanden sind: In der Dienstleistungsbranche. Wir kennen alle die Arbeitsbedingungen dort: Hetze, Druck, psychopathische Vorgesetzte, eiskalter Menschenhandel, schlimme Arbeitsbedingungen. Wir kennen alle die Bezahlung dort: Katastrofal.
Von 660T Jobs, die nach lehman neu entstanden, reihen sich die meisten dort eben ein.
Ich habe das also 2.5 jahre mitgemacht und es ging nicht nur mir immer schlechter, der Boss aber, dem ging es richtig gut.
Er leaste sich wirklich 3 Luxusautos nebeneinander und kaufte die dann etwas später ab.
Wir durften sogar Heiligabend zur Arbeit, wer nicht kommen wollte, da ihm die Familie eventuell wichtiger war, wurde vom Unternehmer abgekanzelt und beleidigt.

Ih bin kein Einzelfall gewesen, es sind SO viele menschen, denen es im "Aufschwung" ähnlich geht,ich habe von so vielen Menschen auch in anderen Firmen identisches gehört.

In einer Art Notwehr habe ich mich so lange kraNK gemeldet, bis ich gekündigt wurde .

Jetzt bin ich arbeitslos auf H4, aber zufrieden. Mein Leben hat sich, trotz etwas(!!) eniger Geld zum besseren gewendet. Die gesundheitloichen Probleme sind weg und ich berate Andere, wie sie aus ihren Üblen Jobs rauskommen können.
Ich halte den Text vom HB für unrealistisch. DAS Problem dürften nur ganz Wenige so empfinden.
Ja, arbeitslos ist besser als in dieser deutschen Arbeitswelt zu sein. Ganz klar!!!

Wolle

07.01.2012, 09:23 Uhr

Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass sich die arbeitenden Steuerzahler für Sie krumm machen, oder wo glauben Sie wo Ihre "Stütze" herkommt?
Ich lehne Schmarotzer ab.

Ernst

07.01.2012, 09:24 Uhr

Ungewollte Arbeitslosigkeit ist ein sehr großes und ein sehr ernsthaftes psychisches und materielles Problem. Das weiß jeder, der das eine längere Zeit erlebt hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×