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14.01.2012

14:00 Uhr

Wirtschaftswissenschaften

Geschmierte Ökonomen

VonOlaf Storbeck

Wenn wissenschaftliche Experten sich räuspern, dann tun sie das nicht immer unabhängig. Auch bei Ökonomen ist so manche Aussage gekauft. In den USA wurden nun erstmals Ethikrichtlinien für Volkswirte beschlossen.

Mit ihren Aussagen können Ökonomen die Finanzwelt beeinflussen. dpa

Mit ihren Aussagen können Ökonomen die Finanzwelt beeinflussen.

ChicagoFrederic Mishkin, Professor an der Columbia Business School und einer der international angesehensten Makroökonomen, war 2006 voll des Lobes für den Finanzplatz Island: Das Bankensystem sei stabil, die Finanzaufsicht gut und die ökonomischen Fundamentaldaten solide, schrieb er in einem Bericht mit dem Titel „Financial Stability in Iceland“. Eine Information aber suchten die Leser darin vergeblich: Für dieses aus heutiger Sicht peinliche Urteil hatte die isländische Handelskammer Mishkin 124.000 Dollar gezahlt.

Wenn es nach der American Economic Association (AEA) geht, sind solche verdeckten Zahlungen in Zukunft nicht mehr möglich. Anfang Januar hat die wichtigste Ökonomenvereinigung der Welt erstmals Ethikrichtlinien für ihr Fach beschlossen. Volkswirte müssen mögliche Interessenkonflikte künftig offenlegen.

Die Regeln, die im Laufe des Jahres in Kraft treten, verlangen Ökonomen einiges ab. Wer eine Studie in einer von der AEA herausgegebenen Fachzeitschrift veröffentlichen will, muss vorab erklären, ob und von wem diese Studie finanziell unterstützt wurde. Zudem muss jeder Autor offenbaren, ob er in den vergangenen drei Jahren als Berater für Organisationen gearbeitet hat, die ein Interesse an den Forschungsergebnissen haben – wenn die dabei verdienten Honorare höher ausfielen als 10.000 Dollar.

Da die AEA mit der „American Economic Review“ eine der fünf weltweit einflussreichsten Fachzeitschriften veröffentlicht, haben die neuen Regeln große Signalwirkung für das Fach. Zudem fordert die AEA nicht nur ihre 17.000 Mitglieder, sondern alle Ökonomen auf, die gleichen Prinzipien anzuwenden – nicht nur in anderen Fachzeitschriften, sondern auch bei Gastbeiträgen für Zeitungen und bei Fernsehauftritten.

„Wir erleben eine Ära, in der sich die Normen in unserem Fach mit Blick auf die Offenlegung von Interessenkonflikten grundlegend ändern“, sagt George DeMartino, Professor an der University of Denver und Autor des Buchs „The Economist’s Oath“.

Kommentare (12)

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Mitbuerger

14.01.2012, 14:38 Uhr

Ich würde mich nicht noch einmal für ein VWL-Studium entscheiden. Außer für Top-Positionen, auf die man natürlich nicht bauen kann, kann kann man mit dem erlernten Wissen wenig auf dem Arbeitsmarkt punkten. Ich denke ein BWL-Studium gibt einem mehr praktisches Handwerkszeug und die makro-/mikroökonomischen Theorien der VWL sind größtenteils sowieso nur abstrakte und nicht beweisbare Gedankenspiele.

Scholz_und_Friends_INSM_BDA

14.01.2012, 15:47 Uhr

Hüther, Raffelhüschen, Rürupp, Riester, Clement, Scheel usw.
alles Lobbyisten, die sich den Anschein geben, unabhängige „EXPERTEN“ zu sein.
Professore Sinn vom ifo-Institut klammere ich hiermit aus, da er mittlerweile selbstkritisch dazugelernt hat.

Account gelöscht!

14.01.2012, 17:15 Uhr

Wer sich kompetent Volkswirt, National- oder Anders-Ökonom bezeichnet, sollte bei den eigenen Forschungsarbeiten, auf die er sich bezieht, auch die Auftragsgeber nennen müssen.
Wer schon einmal während des Studiums von der VWL "geküsst" worden ist, wird sicher häufig den Kopf über so manche Veröffentlichungen schütteln.
Ein Vorschlag wie der genannte könnte sicher zu mehr Vertrauen in die Aussagen beitragen.

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