Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2012

18:57 Uhr

Wirtschaftswissenschaften

Wie Steuerzahler die Banken füttern

VonOlaf Storbeck

Private Banken erhalten laut einer neuen Studie im großen Ausmaß Steuergeld. Auf diesem Weg erhalten die Geldhäuser Milliardensummen. Doch nur einen Bruchteil der Subventionen treibt der Staat wieder ein.

Banken-Hochhäuser in Frankfurt am Main. dpa

Banken-Hochhäuser in Frankfurt am Main.

Es war schon lange nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern nur noch eine des „Wie“: Seit Wochen war klar, dass Spaniens Banken ohne Milliardenhilfen des Staates nicht überleben würden. Offen war nur, woher das Geld kommen würde. Die Regierung des Mittelmeerlandes allein konnte die Sache nicht mehr stemmen. Jetzt gibt der Euro-Rettungsschirm bis zu 100 Milliarden Euro, um die Geldinstitute mit neuem Kapital auszustatten.

Die Banken einfach sterben zu lassen, war keine Option - denn zu wichtig sind sie für die Stabilität des Finanzsystems und der Realwirtschaft. In der Finanzbranche sind die Gesetze der Marktwirtschaft damit weitgehend außer Kraft gesetzt: Normale Unternehmen gehen pleite, wenn sie schlecht wirtschaften; Banken werden vom Staat gerettet.

Forderungen deutscher Banken und Versicherungen an Spanien

Deutsche Bank

Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail.

Commerzbank

Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten.

DZ Bank

Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand.

DekaBank

Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite.

HRE

Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien.

FMS Wertmanagement

Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert.

Allianz

Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

MunichRe

Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben.

Bayrische Landesbank

Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro.

Norddeutsche Landesbank

Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Westdeutsche Landesbank

Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe.

Dieser unausgesprochene staatliche Rettungsschirm ist für die Institute Milliarden wert - das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie der ehemaligen Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro und Kenichi Ueda, Ökonom im Forscherstab des Internationalen Währungsfonds (IWF). „Geldinstitute mit staatlicher Rückendeckung sind sicherer“, schreiben Weder di Mauro und Ueda. „Investoren verlangen von ihnen daher niedrigere Risikoaufschläge.“

Die Studie erhält besonderes Gewicht dadurch, dass sie als Arbeitspapier des IWF erschienen ist. Solche Studien spiegeln zwar nicht zwangläufig die offizielle Position des IWF wider, unterliegen aber einer strengen wissenschaftlichen Qualitätskontrolle.

Pikant ist zudem, dass Weder di Mauro seit kurzem dem Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS angehört. Die Arbeiten an der Studie seien schon länger abgeschlossen gewesen; beim IWF habe sich die Veröffentlichung in die Länge gezogen, sagte sie dem Handelsblatt. Mit Blick auf ihre Funktion bei der UBS lehnte Weder di Mauro jeden Kommentar zu der Studie ab.

Um den Wert der unausgesprochenen Staatsgarantien zu ermitteln, griffen Weder di Mauro und Ueda auf Einschätzungen der Ratingagentur Fitch zurück. Die bewertet nicht nur die individuelle Finanzkraft der jeweiligen Bank, sondern auch das Ausmaß der staatlichen Rückendeckung. Je größer ein Geldinstitut, desto wahrscheinlicher ist es laut Fitch, dass es im Fall der Fälle von der Regierung aufgefangen wird.

Mit komplexen statistischen Verfahren berechneten die Forscher, wie die staatliche Rückendeckung und auch die Finanzkraft der Regierung des jeweiligen Heimatlandes das Gesamtrating einer Bank beeinflussen. Die Ergebnisse sind beachtlich: Deutsche Banken würden vier bis fünf Ratingstufen schlechter bewertet, wenn es keine unausgesprochenen staatlichen Garantien gäbe. Deutsche Bank und Commerzbank, derzeit von Fitch mit „A+“ bewertet, würden dann auf „BBB“ oder gar „BBB-“ abrutschen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.06.2012, 19:22 Uhr

Es gibt ja auch ausgesprochene Staatsgarantien. Die Fortfuehrung der Geschaefte der Landesbanken in Deutschland durch die Laender wurde ja durch EU-Beschluss (leider) abgeschafft.

Aber nehmen wir mal die Kantonalbanken in der Schweiz wo der Kanton haftet. Dabei gibt es zwei Probleme. Der Kanton koennte nie realistisch die Haftungssumme decken. Dann gibt es nach meiner Erkenntnis auch keine zeitliche Verpflichtung bis wann der Kanton im Fall des Falles dieser Haftung nachkommen muss. Das Leben der Anleger ist leider im Gegensatz zum Leben des Kantons endlich ;-)

Ich moechte jetzt gar nicht erst ueber den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der deutschen Banken sprechen, der durch zwei Ereignisse extrem strapaziert wurde - die Schmidtbank (mit Consors) war ja der Anfang, Lehman folgte. Die moegliche Haftungsdecke derzeit?

Man muss sich wirklich fragen, was dann die "unausgesprochenen" Garantien letztlich im Ernstfall bringen. Vielleicht nur falsche Hoffnung?

Account gelöscht!

14.06.2012, 20:36 Uhr

warum verleiht der staat das geld nicht direkt an die realwirtschaft? Das ist keine rein rhetorische frage.
Die Banken haben ihre inkompetenz bei der risikobewertung und somit im kompletten geschäft bewiesen.
Also kann mir mal jemand erklären warum die pleite einer systemrelevanten bank schlimmer sein soll als beispielsweise ein staatsbankrott gepaart mit weiteren pleiten oder auch 50 jahre sparpaket?
Das Geld was weg ist, ist weg, da kann man mit noch so vielen krediten nix dran ändern. Dass verbindlichkeiten bestehen, heisst nicht dass das geld irgendwoher wieder kommt.

Mazi

14.06.2012, 20:46 Uhr

Wie zeigt sich eigentlich Korruption?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×