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02.06.2012

14:24 Uhr

Wirtschaftswissenschaften

Wo das Glück in Deutschland hinfällt

VonHans Christian Müller-Dröge

Die Lebenszufriedenheit unterscheidet sich stark zwischen den deutschen Bundesländern. Glücksökonomen zeigen, warum das Gefälle mit Wirtschaft allein nicht zu erklären ist - und wo die glücklichsten Deutschen leben.

Segelboote in Hamburg vor Blankenese: Nirgendwo im Land sind die Menschen so glücklich wie in der Elb-Metropole. dpa

Segelboote in Hamburg vor Blankenese: Nirgendwo im Land sind die Menschen so glücklich wie in der Elb-Metropole.

Die Stadt ist für ihren tristen und regenreichen Herbst und Winter berüchtigt, ihre Einwohner gelten als spröde und wortkarg, der Fußballverein ist seit 25 Jahren titellos: Hamburg ist nicht gerade als Hauptstadt des Frohsinns bekannt.

Dennoch sind die Menschen in keiner Region Deutschlands glücklicher. Fragt man sie, wie zufrieden sie auf einer Skala von null bis zehn sind, dann liegt der Hamburger im Durchschnitt bei 7,36. Dahinter folgen Rheinland-Pfalz und das Saarland. Am unteren Ende stehen die ostdeutschen Länder - am unzufriedensten sind die Brandenburger mit 6,34 Punkten. Die Unterschiede sind größer, als sie auf den ersten Blick aussehen - denn in den Umfragen geben die Menschen in aller Regel nur Werte zwischen fünf und neun an.

Warum ist das Lebensglück so ungleich verteilt? Dieser Frage ist der Freiburger Ökonom Johannes Vatter auf den Grund gegangen - und hat damit wissenschaftliches Neuland beschritten.

Die sogenannte Glücksforschung, ein vergleichsweise junger Zweig der Volkswirtschaft, hat sich zu einem der am stärksten boomenden Bereiche gemausert. Denn immer mehr Ökonomen sind davon überzeugt, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben die entscheidende Zielgröße sein sollte für die Wirtschaftspolitik - und also nicht nur der materielle Wohlstand allein.

Tatsächlich scheinen die starken regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands wenig mit dem Einkommen der Menschen zu tun zu haben, zeigt Vatters Analyse. Zwar sind die Bürger dort, wo die Wirtschaftsleistung pro Kopf besonders hoch ist, im Schnitt auch glücklicher, aber der Effekt ist verhältnismäßig klein. „Der Mensch gewöhnt sich schnell an mehr Konsum“, sagt Vatter. Damit bestätigt sich ein typisches Ergebnis der Glücksökonomie.

All das bedeutet nicht, dass wirtschaftliche Unterschiede gar keine Rolle für die Lebenszufriedenheit spielen. Der entscheidende Faktor ist aber die Lage auf dem Arbeitsmarkt - je besser die Beschäftigungslage, desto glücklicher sind die Deutschen. Damit die Zufriedenheit der Einwohner einer Region im gleichen Maße zunimmt wie bei einer um einen Prozentpunkt geringeren Arbeitslosenrate, müsste das Wirtschaftswachstum acht Prozent betragen.

Kommentare (2)

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Harlemjump

02.06.2012, 19:25 Uhr

Jeder der einmal an der Außenalster gesessen hat oder eine Kanalfahrt auf den unzähligen Wasserkanälen gemacht hat oder am Elbstrand die großen Schiffe hat ein- und auslaufen gesehen oder über die Elbchausse nach Blankenese gefahren ist und dort im Blankeneser Treppenviertel spazieren gegangen ist, weiß warum die Hamburger glücklich sind. Darüber hinaus können die Hamburger mit einem der schönsten Friedhöfe der Welt (Ohlsdorf) aufwarten, was sie vielleicht noch über den Tod hinaus glücklich macht ;-)

Hermann.12

07.06.2012, 12:17 Uhr

Leider sagt der Artikel nichts darüber, warum an den genannten Orten die Zufriedenheit höher ist.
Niedrige Arbeitslosigkeit kann es wohl kaum sein, denn sowohl Rheinland Pfalz als auch das Saarland haben relativ hohe Arbeitslosenquoten.
Möglichweise spielt auch ein stabiles soziales Umfeld eine sehr große Rolle, wo wenig Bevölkerungsfluktuation herrscht, was auch die große Unzufriedenheit im Osten miterklären würde, wo durch Abwanderung das alte soziale Gefüge zerstört wurde.
Denn gesellschaftliche lokale Anonymität erhöht die Unzufriedenheit erheblich. Funktionierende soziale Mikrokosmen z.B. funktionierende Dorfgemeinschaften wirken
erheblich zufriedenheitsteigernd, jedenfalls auf Dauer.
Kompensieren kann man das nur mit erheblich höheren Wohlstand als der Durchschnitt und damit einhergehenden persönlichen Freiheitsgraden, wie z.B. in Hamburg.

H.

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