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15.01.2007

07:29 Uhr

Wirtschaftswissenschaftler kritisieren Irak-Feldzug

Ein Krieg für 3 000 Milliarden Dollar

VonOlaf Storbeck

Die Regierung von George W. Bush wird seit neuestem von einer Gruppe attackiert, die eigentlich als unpolitisch gilt: den Ökonomen. Diese haben einmal ausgerechnet, was die Besetzung des Irak eigentlich für die Volkswirtschaft der USA bedeutet. Das Rechenergebnis dürfte den amerikanischen Steuerzahler nicht gerade erfreuen.

Die ständige Präsenz zehntausender US-Soldaten geht ganz schön ins Geld. Foto: dpa

Die ständige Präsenz zehntausender US-Soldaten geht ganz schön ins Geld. Foto: dpa

CHICAGO. Wo hat die moderne Ökonomie ihren größten blinden Fleck? Martin Feldstein, Ökonomie-Professor in Harvard und Chef des renommierten Forscher-Netzwerks NBER, hat eine klare Antwort auf diese Frage: In der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. „Die Ökonomie der nationalen Sicherheit ist in unserem Fach eines der wichtigsten Themen, das am wenigsten erforscht ist“, sagte Feldstein auf der Jahrestagung der American Economic Association (AEA) Anfang Januar in Chicago.

Langsam, aber sicher beginnt sich diese Lücke allerdings zu schließen - durch den 11. September 2001 und die immensen militärischen Probleme der USA im Irak rückt die Sicherheitspolitik verstärkt in den Fokus der Wirtschaftswissenschaftler. Gut 20 Ökonomen präsentierten beim weltweit größten Ökonomen-Kongress in Chicago Forschungsarbeiten rund um das Thema Krieg und Frieden.

Eines der zentralen Themen dabei waren die Kosten des Irak-Kriegs: „Der Krieg im Irak ist wesentlich teurer als die Öffentlichkeit wahrnimmt“, sagte die Harvard-Professorin Linda Bilmes. Denn die politische Diskussion beschränke sich ausschließlich auf die laufenden Kosten des Krieges - die zusätzlich entstehenden dauerhaften Budget-Belastungen würden vollständig ausgeklammert. Bereits auf der AEA-Jahrestagung im Vorjahr hatte Bilmes zusammen mit dem Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz eine Studie präsentiert, in der sie die Gesamtkosten des Krieges auf 1 026 bis 2 239 Mrd. Dollar bezifferte.

Inzwischen ist die Schätzung der Wissenschaftlerin auf rund 3 000 Mrd. US-Dollar gestiegen - vor allem, weil die langfristigen Pensions- und Gesundheitskosten der Kriegsversehrten deutlich höher ausfallen werden als zunächst angenommen. Bilmes präsentierte in Chicago neue Zahlen, die sie gemeinsam mit verschiedenen Veteranen-Verbänden erarbeitet hat. Demnach müssen die Amerikaner in Zukunft allein für die Versorgung der Veteranen zwischen 416 und 790 Mrd. US-Dollar ausgeben. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Gesundheitsversorgung der Kriegsversehrten.

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