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12.07.2012

12:19 Uhr

Wissenswert

Ausländische Studenten sind häufig die Besten

VonMalte Buhse

Studenten aus dem Ausland sind meist die Besten ihres Fachs. Daher fordern Ökonomen nun, die Visa-Regeln zu entschärfen. Die strengen Bestimmungen bremsen die Innovationskraft der Wissenschaft.

Studenten aus einem Nicht-EU-Land brauchen viel Geduld, wenn sie an eine deutsche Uni wollen. dpa

Studenten aus einem Nicht-EU-Land brauchen viel Geduld, wenn sie an eine deutsche Uni wollen.

KölnDer Weg nach Deutschland ist oft weit. Wer als Student aus einem Nicht-EU-Land an eine deutsche Uni will, braucht Geduld, Nerven und Geld. Nach stundenlangem Anstehen an der Botschaft müssen mehrere Tausend Euro auf ein Sperrkonto eingezahlt werden.

Nicht nur Studenten, sondern auch Ökonomen ärgern sich über derart strenge Regeln. "Restriktive Visa-Bestimmungen für Studenten bremsen die Innovationskraft der Wissenschaft", stellen drei Forscher um den Yale-Ökonomen Ahmed Mobarak in einer neuen Studie fest.

Denn ausländische Akademiker gehören oft zu den Besten ihres Fachs. In den USA hat in technischen Fächern fast jeder zweite Doktorand ausländische Wurzeln. Rund ein Viertel der eingereichten Patente geht auf das Konto von zugewanderten Forschern.

Und in einigen Studiengängen sind Ausländer schon in der Überzahl. "Die Zuwanderung von ausländischen Studenten in naturwissenschaftliche und technische Studiengänge dürfte ein Grund dafür sein, dass die USA ihre Spitzenstellung in diesem Bereich gehalten haben", schreiben die Forscher. Denn amerikanische Schüler hätten in Mathe und Naturwissenschaften oft Defizite.

Für ihre Studie trugen die Ökonomen Daten aus 2300 naturwissenschaftlichen und technischen Fakultäten an US-Universitäten zusammen und untersuchten, in welchen Jahren dort besonders viele Studien veröffentlicht wurden.

Einen messbaren Anstieg der Publikationszahlen gab es etwa in den 1980er-Jahren, als die chinesische Regierung die Ausreisebeschränkungen für Studenten lockerte und mehr Chinesen zum Studium in die USA kamen. Besonders deutlich war der Effekt an Hochschulen wie der Universität von Texas, die bei chinesischen Studenten besonders beliebt ist.

Auch Studenten aus Indien beflügelten die US-amerikanische Forschung, argumentieren die drei Ökonomen. Ihre Daten zeigen einen Zusammenhang zwischen dem indischen Bruttoinlandsprodukt und den Publikationszahlen an US-Universitäten.

Die Forscher erklären das so: Je reicher die Inder wurden, desto mehr junge Leute konnten sich ein Studium in den USA leisten, wo sie in Forschungslabors und Archiven erfolgreich an neuen Studien tüftelten.

Sie trauen sich sogar zu, den Effekt genau zu beziffern: Jeder ausländische Student, der in den USA seinen Doktor macht, sorge dafür, dass seine Fakultät in dieser Zeit rund eine Studie mehr veröffentlicht. Dass andere Faktoren, etwa steigende Forschungsetats oder bessere Laborausstattungen für den Anstieg der Publikationszahlen verantwortlich waren, konnten die Ökonomen ausschließen.

Noch wertvoller werden ausländische Akademiker, wenn sie auch nach der Abschlussfeier in ihrer neuen Wahlheimat bleiben. Denn sie verdienen meistens deutlich mehr als Einheimische, stellt die Ökonomin Jennifer Hunt (Mc Gill Universität) in einer Studie über Bildungsmigranten in den USA fest. Außerdem gründen die hochqualifizierten Einwanderer öfter ein erfolgreiches Unternehmen und melden häufiger Patente an.

Dieses Potenzial wird vor allem in Deutschland sträflich vernachlässigt, wie eine Studie des Sachverständigenrates für Integration und Migration kürzlich zeigte: Nur jeder vierte ausländische Student bleibt nach seinem Abschluss in Deutschland. Die meisten frischgebackenen Absolventen reisen mit ihren Universitätszeugnissen in der Tasche gleich wieder nach Hause. Der Grund: Eine neue Aufenthaltsgenehmigung kostet wieder viel Geduld, Nerven und Geld.

Kommentare (8)

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keeper

12.07.2012, 12:34 Uhr

die USA sind aber nicht Deutschland.
Die Reibungsverluste durch multi-kulti-Teams sind in Deutschland wesentlich größer.

Kritiker01

12.07.2012, 12:53 Uhr

Das eigentliche Problem wird durch diesen Artikel leider verwässert - wir benötigen keine Lockerung der Visa-Regelungen. Vielmehr ist es notwendig die festgestellten elementaren Mängel in der eigenen Bildungspolitik abzustellen. Leider fällt dies traditionell in Deutschland sehr schwer. Um unseren Bildungsstandard zu halten und zu verbessern, dürfen Leistungsstandards nicht ständig abgesenkt werden, sodass jedem es möglich wird nach zig Versuchen doch noch die Hochschulreife bzw. Fachhochschulreife zu erreichen. Dies erzeugt lediglich eine Schwemme mittelmäßiger Studenten, die dann natürlich, wie die Studie belegt, keinen wissenschaftlichen Mehrwert aufgrund ihrer Leistungsdefizite erbringen können! Also liebe Politiker, überarbeitet endlich die Bildungspolitik mit sinnvollen Reformen! Die vielfach vorhanden Möglichkeiten des Erwerbs der allgemeinen Hochschulreife mit Leistungskursen wie Kunst oder Sport werden den hohen Ansprüchen der Wirtschaft nicht gerecht!

Account gelöscht!

12.07.2012, 13:08 Uhr

Die enormen Einsparungen im Bildungssektor rächen sich früher als erwartet. Verkürzte Schulzeit, verkürzte Studienzeit, gekürzt Lehrer- /Professorengehälter.

Zudem schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung - kein Wunder, dass viele ins Ausland gehen.

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