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11.03.2012

11:02 Uhr

Wissenswert

Frontalunterricht ist besser als sein Ruf

VonJohannes Pennekamp

Das sture Auswendiglernen gilt modernen Bildungsforschern als veraltet und uneffektiv. Eine Studie aus Israel kommt nun teils zum gegenteiligen Schluss. Entscheidend sei vielmehr ein Mix der Lehrmethoden.

Unterricht in einem Gymnasium in Kerpen. dpa

Unterricht in einem Gymnasium in Kerpen.

DüsseldorfEs ist eine etwas andere Mission: Statt in den Krieg, sollen britische Ex-Soldaten demnächst in die Klassenräume des Landes ziehen. Im Schnellverfahren zu Mentoren oder Lehrern weitergebildet, sollen sie als Vorbilder dienen und Schülern „Selbstdisziplin und die Bedeutung von Teamwork beibringen“, sagt der britische Bildungsminister Michael Gove.

Der konservative Politiker hat sich auf die Fahnen geschrieben, traditionellen Lehrmethoden wieder mehr Bedeutung zu verschaffen: Verben konjugieren, historische Daten auswendig lernen, das kleine Einmaleins aufsagen - all das soll im Lehrplan wieder mehr Gewicht bekommen.

Über Soldaten im Klassenraum lässt sich streiten - aber traditionelle Lehrmethoden stärker in den Unterricht einzubeziehen, könnte die Leistungen der Schüler tatsächlich verbessern. Das zumindest legt eine aktuelle Studie des israelischen Ökonomen Victor Lavy nahe, der modernen Unterrichtsmethoden ein durchwachsenes Zeugnis ausstellt.

Um herauszufinden, wie erfolgreich verschiedene pädagogische Ansätze wirken, wertete der Ökonom der Jerusalemer Hebrew University einen riesigen Datensatz aus. In den Jahren 2002 und 2005 hatten israelische Fünft- und Achtklässler aus Hunderten Schulen in einer Befragung angegeben, wie ihre Lehrer sie unterrichten: Fragen sie besonders oft Wissen und Verständnis ab, oder ermutigen sie ihre Schüler in erster Linie, kritisch zu denken, verschiedene Lösungswege auszuprobieren und eigenständig zu arbeiten?

Die Antworten der Schüler verglich Lavy mit ihrem Abschneiden in schulübergreifenden Leistungstests in Mathe, Englisch, Hebräisch und in den Naturwissenschaften.

Kommentare (8)

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ChristianW

11.03.2012, 11:41 Uhr

Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand: zu Zeiten der deutschen Dichter und Denker, aber auch später, wie zB Bosch, Daimler, Einstein,.... das waren die alten Schulzeiten ohne modernen Pisa Schnickschnack. Die Schüler waren nicht dümmer - im Gegenteil.

Mitbuerger

11.03.2012, 12:31 Uhr

Habe mich auch mal wo als Lehrkraft beworben. Da wurde mir gesagt, dass Schüler im Unterricht mehr reden sollten als der Lehrer (und dies wird wohl von den Prüfern des Kultusministeriums auch so verlangt) - was für ein Unsinn. Da sollen sich die Schüler doch gleich selbst unterrichten. Wer gibt jetzt wem Wissen weiter ? Schon in meiner Schulzeit fand ich Arbeitsgruppen und diesen ganzen neumodischen Quatsch die reine Zeitverschwendung. Lernerfolg = 0.

Nostalgiepflege

11.03.2012, 12:51 Uhr

Natürlich ist ein Mix die Lösung; anders geht es nicht.

Aber die Tendenz Deutschland verblöden zu lassen, ist gewaltig groß. Frühe Selektion, Landeszuständigkeiten und ein KleinKleinDenken verhindert, dass Deutschland MEHR aus Bildung machen kann. Hinzu kommt, der in vielen Ländern fast taburisierte Beamtenstatus von Lehren.

Deutschland braucht keine verbeamteten Lehrer, sondern viele Lehrer und vor allem dort, wo die Probleme am Größten sind. Alles andere ist Stückwerk, Pfründeklüngel und Nostalgie.

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