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19.03.2012

14:26 Uhr

Wissenswert

Harvard-Studie stellt Keynes Theorien infrage

VonOlaf Storbeck

In Krisenzeiten soll der Staat mehr ausgeben und so die Privatwirtschaft stimulieren - die Theorie des Ökonomen John Maynard Keynes erlebt seit 2008 eine Renaissance. Doch eine neue Studie zeigt nun das genaue Gegenteil.

Ökonom John Maynard Keynes: Seit 2008 erlebten seine Theorien ein Comeback erster Klasse. wikipedia

Ökonom John Maynard Keynes: Seit 2008 erlebten seine Theorien ein Comeback erster Klasse.

LondonJohn Maynard Keynes ist einer der ganz wenigen klaren Gewinner der Finanz- und Wirtschaftskrise. Seit den 70er-Jahren waren die Theorien des britischen Ökonomen weitgehend aus der Mode geraten - doch seit 2008 erleben sie ein Comeback erster Klasse. „Der Meister“, frohlockt Keynes-Biograf Robert Skidelsky, „ist zurückgekehrt.“

Ökonomen der Harvard-Universität warnen in einer neuen Studie aber vor zu viel Euphorie. In wirtschaftlich normalen Zeiten seien die Möglichkeiten des Staats, die private Wirtschaft mit Ausgabenprogrammen zu stimulieren, ziemlich begrenzt. Gebe der Staat mehr Geld aus, verdränge das zum Teil Aktivitäten der Privatwirtschaft.

Unter Volkswirten wird dieses Phänomen seit Jahrzehnten unter dem Begriff „Crowding out“ diskutiert. Wie relevant dies in der Realität ist, ist aber heftig umstritten, denn die Folgen von Fiskalpolitik sind in der Realität nur schwer zu messen. Schließlich beeinflussen sich Staatsausgaben und Konjunktur gegenseitig, Ursache und Wirkung lassen sich dabei nur schwer voneinander trennen.

Die drei Harvard-Forscher haben einen Weg gefunden, dieses Problem zu lösen - dank einer Besonderheit des amerikanischen politischen Systems: Die Vorsitzenden wichtiger Ausschüsse im Senat und Kongress nutzen ihre Macht systematisch, um ihren Wählern etwas Gutes zu tun - sie leiten staatliche Mittel massiv in ihre Heimatregionen um. Wenn der Vorsitz in einem Ausschuss wechselt, steigen dadurch in US-Bundesstaaten die Staatsausgaben schlagartig, ohne dass dies irgendetwas mit der Konjunkturlage vor Ort zu tun hätte.

Kommentare (20)

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MikeM

19.03.2012, 14:38 Uhr

Zitat:

In ihrem Modell zeigen die Ökonomen, dass höhere staatliche Transfers die Arbeits- und Investitionsanreize in einer Wirtschaft verringern können.

Ja, siehe Griechenland als Paradebeispiel!

Account gelöscht!

19.03.2012, 15:11 Uhr

Konjunkturprogramme führen nur zu weiteren Verzerrungen der Produktionsstruktur und zu weiteren Staatseingriffen. Eine Interventionsspirale eben. Alles gut gemeint führt es nur zu einer Verschlimmbesserung. Die Zeche wird später bezahlt

Account gelöscht!

19.03.2012, 15:43 Uhr

@Liberty
Richtig, deswegen ist die Strategie der Euroretter auch so verheerend, da sie privates Kapital, welches nicht mehr in die Peripherieländer fliessen will, durch staatliche Kapitaltransfers ersetzt.

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