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16.02.2012

21:51 Uhr

Wissenswert

Kapitale Kumpels

VonOlaf Storbeck

Wer erfolgreich sein will, der braucht die richtigen Freunde. Gehört hat das wohl schon jeder, doch auch Experten haben den Effekt untersucht. Demnach kann „Vitamin B“ sogar Bankvorständen behilflich sein.

Manager brauchen oft die richtigen Freunde zum Erfolg. dapd

Manager brauchen oft die richtigen Freunde zum Erfolg.

LondonSie war 2004 Axel Webers Nachfolgerin im Sachverständigenrat; jetzt holt der ehemalige Bundesbank-Präsident und künftige Chefaufseher von UBS sie in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank: Die Karriere der Mainzer Volkswirtin Beatrice Weder di Mauro ist ein Beispiel dafür, wie persönliche Netzwerke den beruflichen Werdegang beeinflussen können.

Gerade in der Finanzindustrie scheinen sich Freundschaften auszuzahlen – zu diesem Ergebnis kommt ein vierköpfiges Forscherteam, das die Bedeutung von sozialen Beziehungen für den beruflichen Erfolg von Bankern systematisch untersucht hat. Die Studie stützt eine unter Arbeitsmarkt-Forschern schon länger verbreitete These: Der Erfolg im Job steht und fällt nicht nur mit der Qualifikation, sondern auch mit dem Freundeskreis. Persönliche Kontakte sind laut IAB Nürnberg der wichtigste Weg, um einen neuen Job zu finden. Jeder vierte Job wird darüber vergeben.

Die neue Studie zeigt: Auch auf der höchsten Managementebene von Banken spielt „Vitamin B“ eine erhebliche Rolle  – vor allem für externe Kandidaten, die von einem anderen Unternehmen in den Vorstand eines Geldhauses wechseln. Die Wissenschaftler haben fast 11000 Personalentscheidungen auf Vorstandsebene untersucht, die Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Geldinstitute zwischen 1993 und 2008 in Deutschland getroffen haben.

Grundlage der Arbeit sind außerordentlich detaillierte Daten der Bundesbank. Für das komplette Führungspersonal der deutschen Finanzbranche hat die Zentralbank Informationen zur Ausbildung und zum beruflichen Werdegang zusammengetragen. Diese Daten ermöglichen es, die individuellen Karrierewege der einzelnen Manager ab 1970 nachzuvollziehen.

Die Forscher vergleichen Karrieren von Vorständen, die innerhalb eines Instituts aufgestiegen sind, mit solchen, die vorher bei einer anderen Bank waren. Sie stoßen auf mehrere Indizien dafür, dass sich bereits amtierende Vorstände im Auswahlverfahren für ihre Buddies aus alten Zeiten starkmachen. Ein erster Anhaltspunkt ist, dass extern berufene Vorstände deutlich häufiger in der gleichen Altersgruppe sind wie das bereits amtierende Führungspersonal. Zudem haben diese Manager auffällig oft in der Vergangenheit bei einem anderen Geldhaus mit einem der amtierenden Vorstände zusammengearbeitet. „Externe Kandidaten mit starker sozialer Vernetzung werden mit höherer Wahrscheinlichkeit berufen als interne Bewerber“, lautet daher das Fazit der Arbeit.

Aber all das muss – zumindest in der Theorie – nicht automatisch bedeuten, dass die Personalentscheidungen schlecht sind. Es wäre denkbar, dass die Vorliebe für alte Freunde ein Weg ist, um ein bei Personalentscheidungen klassisches Problem zu lösen: Wer einen unbekannten Kandidaten einstellt, kann dessen wahres Potenzial nur schlecht abschätzen. Hat man dagegen in der Vergangenheit miteinander gearbeitet, kennt man die Stärken und Schwächen weit besser.

Die Forscher finden für dieses Argument in der Praxis allerdings keine Indizien. Die negativen Effekte der Vetternwirtschaft scheinen zu überwiegen. Banken, die ihr Führungspersonal besonders häufig aus dem Freundeskreis bereits amtierender Topmanager rekrutieren, sind im Schnitt etwas weniger profitabel. „Zu intensive soziale Verbindungen“, so das Fazit, „scheinen zulasten der Gewinne zu gehen.“ 

„Does It Pay to Have Friends?“
Social Ties and Executive Appointments in Banking“, von Allen Berger u.a. Deutsche Bundesbank Discussion Paper Nr. 18/2011
Kostenloser Download der Studie:
handelsblatt.com/link

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.02.2012, 08:46 Uhr

Diese "Enthüllung"schockiert mich zutiefst!Vitamin "B" kann Bankern behilflich sein?Nein,das kann unmöglich sein.Ich schwöre bei der Ehre des Bundespräsidenten,das kann nicht sein!

Hermann.12

13.03.2012, 13:48 Uhr

Das der Nutzen von Vitamin B für dne Unternhemnserfolg eher gering ist, ändert wenig daran, das es häufig Ausdruck des Gefühls ist, die Bewerber besser zu kennen.
Das Problem liegt in der Selbstüberschätzung vieler Entscheider inklusive elitärem Anspruch.
Bei alten Patriarchen funktionierten noch relativ häufig solche Auswahlkriterien, weil die auch die inoffiziellen Urteile der Belegschaften zu potentiellen Kandiaten kannten.
Das ist heute eher selten der Fall, womit die Anfälligkeit für Blenderanteile der Kandidaten exponentiell gestiegen ist.

H.

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