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14.01.2010

17:14 Uhr

Wissenswert

Warum das Netz die Firmenwelt weiter revolutionieren wird

VonOlaf Storbeck

Unternehmen haben die Möglichkeiten des Internets noch längst nicht ausgereizt, ist der Chefökonom von Google überzeugt. Er prophezeit eine kreative Revolution vergleichbar dem Siegeszug der Elektrizität.

Hal Varian, Chefökonom von Google glaubt, dass das Internet vor einer kreativen Revolution steht. dpa

Hal Varian, Chefökonom von Google glaubt, dass das Internet vor einer kreativen Revolution steht.

ATLANTA. Es war im Sommer 1987, da machte der Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Solow eine Bemerkung, die als das „Solow-Paradoxon“ in die Geschichte eingehen sollte: „Man kann das Computer-Zeitalter überall sehen – nur nicht in den Produktivitätsstatistiken“, wunderte er sich.

Wie konnte es sein, dass Computer Unternehmen und Mitarbeit deutlich produktiver machen, ohne gleichzeitig das gesamtwirtschaftliche Produktivitätswachstum zu beschleunigen? Jahrelang haben sich Makro-Ökonomen über diese Frage den Kopf zerbrochen – bis sie sich rund zehn Jahre später von alleine beantwortete. Denn ab Mitte der 90er-Jahre beschleunigte sich dank IT und E-Business das Produktivitätswachstums vor allem in den USA deutlich.

Geht es nach dem einflussreichen Mikroökonomie-Professor Hal Varian, derzeit Chefökonom des Internetgiganten Google, ist das Potenzial an Produktivitätssteigerungen durch Computer noch lange nicht ausgereizt. „Wir stehen gerade erst am Anfang“, sagte Varian in einem Vortrag auf der Jahrestagung der American Economic Association.

Die Computer- und Internet-Technologie werde in den nächsten Jahren zu einer vollständigen Neuorganisation von Schreibtischtätigkeiten führen – so, wie der Siegeszug der Elektrizität im Zuge der Industriellen Revolution die Fabrikarbeit revolutioniert habe.

Besonders hohe Erwartungen knüpft Varian an das sogenannte „Cloud Computing“ – dabei betreiben Unternehmen ihre Hard- und Software nicht mehr selbst, sondern nutzen sie über das Internet. „Dies senkt die Markteintrittsbarrieren für neue Unternehmen deutlich ab“, sagte der Google-Chefvolkswirt in Atlanta. Weil Unternehmen ihre IT nicht mehr selbst kaufen müssen, ließen sich Fixkosten in variable Kosten umwandeln. Zudem werde es einfacher, bestimmte Tätigkeiten an Dritte auszulagern und über lange Distanzen hinweg tätig zu sein.

Varian ist überzeugt: Besonders kleine und mittelgroße Unternehmen werden davon profitieren. Diese hätten schon heute Zugriff auf eine weltweite IT-Infrastruktur, die sich noch vor zehn Jahren nur multinationale Großkonzerne hätten leisten können. Die neuen Technologien ermöglichten das Entstehen von kleinen, aber dennoch weltweit tätigen Firmen – Varian sprach von „Mikro-Multinationals“. „Solche Unternehmen“, war der Volkswirt überzeugt, „werden zu einer kreativen Revolution führen.“

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