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23.12.2013

17:16 Uhr

Wissenswertes aus der Ökonomie

Die verlorene Ehre des Weihnachtsmannes

VonJan Mallien

Weihnachten gehört abgeschafft – zumindest wenn es nach einigen Ökonomen geht. Sie sind überzeugt: Das Fest der Liebe ist eine gigantische Geldverschwendung. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Geschenke unter einem Weihnachtsbaum: Angehende Volkswirte lernen schon im Studium, dass Weihnachten aus ökonomischer Sicht Geldverschwendung ist. dpa

Geschenke unter einem Weihnachtsbaum: Angehende Volkswirte lernen schon im Studium, dass Weihnachten aus ökonomischer Sicht Geldverschwendung ist.

DüsseldorfÜber einen Verdacht sind Ökonomen erhaben: Man kann ihnen keinen Populismus vorwerfen. Was auch immer sie sich ausdenken, ihre Vorschläge sind selten populär. Sei es, weil sie sparen wollen, den Welthandel liberalisieren oder den Kündigungsschutz abbauen. Selbst vor dem Weihnachtsmann kennen sie keine Gnade. Angehende Volkswirte bekommen schon während des Studiums eingetrichtert: Weihnachten ist Geldverschwendung.

Der Vorwurf stützt sich auf eine Studie, die 1993 in der renommiertesten ökonomischen Fachzeitschrift der Welt – dem American Economic Review (AER) – erschien. In „The Deadweight Loss of Christmas“ – Der Wohlfahrtsverlust durch Weihnachten – rechnet der US-Ökonom Joel Waldfogel akribisch nach, wie viel Geld durch Weihnachtsgeschenke vernichtet wird. Die Summe ist gigantisch: Allein in Deutschland wären es in diesem Jahr mindestens 2,3 Milliarden Euro, wenn Waldfogels Ergebnisse stimmen. Die Arbeit zeigt jedoch auch die praktischen Grenzen ökonomischer Modelle auf.

Waldfogels These fußt auf einer zentralen Annahme: Jeder kennt seine Bedürfnisse selbst am besten. Das führt an Weihnachten zu einem Problem. Der Sinn von Geschenken besteht gerade darin, dass man sie nicht für sich selbst kauft, sondern für Freunde oder Verwandte. Das bedeutet: Die Geschenke entsprechen nicht dem, was sich die Beschenkten wünschen. Bücher bleiben ungelesen im Regal liegen, Weihnachtsgebäck wird an den Hund verfüttert, ein neues T-Shirt zum Putzlappen umfunktioniert – jeder kennt solche Beispiele.

Umsatz des Einzelhandels in Deutschland im Internet insgesamt und im Weihnachtsgeschäft in den Jahren 2003 bis 2013

2003

Umsatz insgesamt: 11 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 2,8 Milliarden Euro

2004

Umsatz insgesamt: 13 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 3,3 Milliarden Euro

2005

Umsatz insgesamt: 14,5 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 3,6 Milliarden Euro

2006

Umsatz insgesamt: 16,3 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 4,1 Milliarden Euro

2007

Umsatz insgesamt: 18,3 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 4,6 Milliarden Euro

2008

Umsatz insgesamt: 20 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 5 Milliarden Euro

2009

Umsatz insgesamt: 21,9 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 5,5 Milliarden Euro

2010

Umsatz insgesamt: 23,7 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 5,9 Milliarden Euro

2011

Umsatz insgesamt: 26,1 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 6,5 Milliarden Euro

2012

Umsatz insgesamt: 29,5 Milliarden Euro

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 7,4 Milliarden Euro

2013

Umsatz insgesamt: 33,1 Milliarden Euro*

Umsatz Weihnachtsgeschäft: 8,5 Milliarden Euro*

* Prognose

Quelle: Statista.de

Wenn es nach Waldfogel geht, gibt es eine einfache Lösung: Alle Menschen sollten nur noch Bargeld verschenken. Das wäre wirtschaftlich effizient, denn die Beschenkten könnten sich mit dem Geld einfach das kaufen, was sie sich am meisten wünschen.

Davon aber sind wir weit entfernt. Das Weihnachtsgeschäft boomt wie eh und je.

Doch wie kommt Waldfogel zu seinen Ergebnissen? Er befragte seine damaligen Studenten an der US-Eliteuniversität Yale. Erstens wollte er von ihnen wissen, was Eltern, Omas oder Opas für jedes einzelne ihrer Geschenke bezahlt hätten. Zweitens interessierte ihn, was die beschenkten Studenten maximal bereit waren, für jedes ihrer Geschenk zu zahlen. Das Ergebnis war ernüchternd: Im Schnitt bewerteten die Studenten ihre Geschenke deutlich unter dem Kaufpreis. Der Abschlag lag zwischen zehn Prozent und einem Drittel.

Der Wertverlust hing stark davon ab, wie gut sich die betroffenen Personen kannten.

Kommentare (5)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

23.12.2013, 17:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

naund

23.12.2013, 18:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

werner

23.12.2013, 18:28 Uhr

Jeder, der zu Weihnachten was kauft, ist selber schuld: besonders teuer und besonders naiv....

Ich verschenkte zu Weihnachten nur ideelle Werte.

Außerdem schreibe ich keinen 'Freunden', von denen ich das ganze Jahr nichts höre.

Probiert's mal aus, es ist sehr heilsam.

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