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26.03.2017

10:11 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer

Unaufgeregt, Sachlich, Witzig

Annegret Kramp-Karrenbauer mag klare Worte, vor allem auf Saarländisch. Denn ihrer Heimat ist sie besonders verbunden. Als erste Ministerpräsidentin an der Saar kam sie ins Amt – und da will sie auch bleiben.

Die CDU-Chefin ist seit 2011 die erste Ministerpräsidentin des Saarlandes. Reuters, Sascha Rheker

Annegret Kramp-Karrenbauer

Die CDU-Chefin ist seit 2011 die erste Ministerpräsidentin des Saarlandes.

SaarbrückenSie ist immer wieder für höchste politische Ämter in Berlin im Gespräch, aber bislang ist Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) dem Saarland treu geblieben. Geht es nach ihr, soll das auch so bleiben: Die 54-Jährige will auch nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag Regierungschefin an der Saar bleiben. Im kleinsten Flächenland der Republik ist sie geboren und aufgewachsen, da lebt ihre Familie und dort spricht man Saarländer Dialekt: „Für mich ist, wenn ich mich wirklich daheim fühlen will, es absolut notwendig, dass ich Platt rede“, sagt sie.

Ihre steile Politik-Karriere hat sie nicht geplant. „Viele glücklichen Zufälle haben mir dabei geholfen“, sagt die Mutter von drei Söhnen, seit 2011 erste Ministerpräsidentin des Saarlandes. Eigentlich wollte sie vor dem Abi Hebamme werden, danach dachte sie an Lehrerin. Als 18-Jährige trat sie in die CDU ein und studierte Jura und Politik. Ihre politische Leidenschaft hatte sie da bereits entdeckt – für ihr Heimatland im Südwesten Deutschlands. „Ich fühle mich hier im Saarland ungeheuer wohl.“

Sie begann als Stadtratsmitglied in Püttlingen, seit 1999 sitzt sie im Landtag. Im Jahr 2000 berief sie der damalige Ministerpräsident Peter Müller (CDU) zur ersten Innenministerin in Deutschland. Danach war sie Bildungs-, Kultus- und Sozialministerin, bevor sie 2011 Regierungschefin einer schwarz-gelb-grünen „Jamaika“-Koalition aus CDU, FDP und Grünen wurde. Anfang 2012 beendete sie das Bündnis und regiert seither nach einer Neuwahl mit den Sozialdemokraten.

Sechs Punkte, in denen die CDU konservativer wird

1. Doppelpass

In Deutschland geborene Kinder sollen sich nach dem Willen des Parteitags wieder für einen Pass entscheiden müssen. Dafür soll die abgeschaffte Optionspflicht erneut eingeführt werden.

2. Burka-Verbot

Die CDU lehnt die Vollverschleierung islamischer Frauen ab und will Burkas verbieten – aber nicht pauschal, sondern unter „Ausschöpfung des rechtlich Möglichen“.

3. Asyl

Asylbewerber, die bei der Identitätsfeststellung nicht mitwirken, sollen Leistungen gekürzt bekommen. Wer mit abgelehntem Antrag abgeschoben wurde, soll nicht wieder einreisen dürfen.

4. Übergriffe auf Polizisten

Attacken auf Polizei, Rettungskräfte und Justizangestellte sollen härter bestraft werden. Wohnungseinbrechern soll eine höhere Haft drohen – mindestens ein Jahr.

5. Neue Strafen

Die CDU ist bei Straftaten für Sanktionsmöglichkeiten wie generellen Führerscheinentzug oder das Einziehen von Vermögen.

6. Deutsch ins Grundgesetz

Die Partei dringt darauf, dass künftig in der Verfassung steht: „Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch.“ Die Bundestagsfraktion hatte dies noch nicht umgesetzt.

Kramp-Karrenbauers pflegt einen nüchtern-analytischen Politikstil, wirkt stets überlegt und unaufgeregt. Die Begeisterung um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sieht sie gelassen. „Ich sehe keine Wechselstimmung an der Saar.“ Sie gilt als durchsetzungsstark, auch bei Saar-Angelegenheiten in Berlin, ist Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel und sitzt seit 2010 für die CDU im Bundespräsidium.

Sie kann auch gut mit den Leuten „schwätzen“. „AKK“, wie sie im Saarland genannt wird, ist beliebt: Gesprächspartner loben ihre „offene, kommunikative Art“. „Sie ist eine wie Du und ich“, sagt eine Wählerin in Weiskirchen. „AKK“ kann auch witzig: Zu Karneval tritt sie seit Jahren als „Putzfrau Gretel vom Landtag“ auf und zieht Politiker aller Couleur durch den Kakao, sich selbst eingeschlossen: „Man muss sich auch auf die Schippe nehmen können.“

Zu ihr gehören auch klare Ansagen: Sie will nach der Wahl das „Projekt“ der großen Koalition mit der SPD als Juniorpartner fortsetzen. Und: Wenn sie nicht mehr Ministerpräsidentin werde, würde sie sich aus der Politik zurückziehen. An der Saar zumindest.

Von

dpa

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