Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

10.02.2016

09:21 Uhr

Analyse zur US-Vorwahl

Denkzettel fürs Establishment

VonMoritz Koch

Mit Bernie Sanders und Donald Trump triumphieren in New Hampshire die Außenseiter. Die Verliererin heißt Hillary Clinton. Sie braucht dringend Erfolge. Doch nicht nur die Ex-Außenministerin muss eine Pleite verkraften.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Warum wir Trump endlich ernst nehmen müssen

Handelsblatt in 99 Sekunden: Warum wir Trump endlich ernst nehmen müssen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WashingtonDie zweite Vorwahl in den USA, der zweite Denkzettel für das politische Establishment: Noch vor ein paar Monaten hätte kaum jemand für möglich gehalten, was am Dienstagabend um kurz nach acht über die Ticker lief. Die Außenseiter Donald Trump und Bernie Sanders haben die Vorwahl in New Hampshire gewonnen. Und wie.

Der Republikaner Trump erhielt in ersten Hochrechnungen mehr als doppelt so viele Stimmen wie der zweitplatzierte John Kasich, während der Demokrat Sanders mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten vor der lange favorisierten Hillary Clinton ins Ziel kam.

So geht's weiter: Termine im US-Wahlkampf

20. Februar

Vorwahl der Republikaner in South Carolina, „Caucus“ der Demokraten in Nevada

23. Februar

„Caucus“ der Republikaner in Nevada

25. Februar

TV-Debatte der Republikaner (Houston, Texas; ursprünglich geplant für den 26. Februar)

27. Februar

Vorwahl der Demokraten in South Carolina

1. März

„Super Tuesday“: Vorwahlen in Alabama, Alaska (nur Republikaner), Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, North Dakota (Republikaner), Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont, Virginia, Wyoming und im US-Außengebiet Samoa

Wenn es noch eines weiteren Belegs für die Wut auf die Eliten in Wirtschaft und Politik bedurft hätte, so offenbart er sich nun – und zwar als politisches Beben. Die Wähler in Amerika rebellieren gegen den Status Quo. Zu „Bernie“-Rufen schreitet Sanders ans Podium, für ein paar Momente weicht sein grimmiger Gesichtsausdruck einem Strahlen. Dann aber ist wieder alles wie immer. Sanders prangert Hungerlöhne an, verurteilt Oligarchen, empört sich über Einkommensungleichheit, Rassismus und alle anderen Arten der Ungerechtigkeit.

„Heute haben die Wähler die klare Botschaft gesendet, dass die Regierung uns allen gehört, nicht nur einer Handvoll Milliardären und Geldgebern“, grollt der Wahlsieger der Demokraten. „Wir werden das korrupte System der Parteienfinanzierung nicht länger akzeptieren.

Und wir werden nicht länger eine gezinkte Wirtschaftsordnung hinnehmen, in der Millionen von Amerikanern länger arbeiten müssen, während fast das gesamte neu erzeugte Einkommen und Vermögen an die oberen ein Prozent gehen.“ Der schwer angeschlagenen Clinton blieb nichts anderes übrig, als Sanders zu gratulieren und sich als Kämpfernatur anzupreisen. „Ich weiß wie es ist, zu stolpern und zu fallen, wie so viele Amerikaner auch“, sagt sie in Anspielung auf ihre bittere Wahlniederlage gegen Barack Obama im Jahr 2008. „Es kommt darauf an, wiederaufzustehen.“

Wenn es für Clinton Trost gibt an diesem Abend, so besteht er darin, dass die weiße Wählerschaft in New Hampshire nicht repräsentativ für die bunte Vielvölkergesellschaft der USA ist. Clinton genießt starken Rückhalt bei Latinos und Schwarzen, die in den beiden nächsten Vorwahlstaaten, Nevada und South Carolina, eine wichtige Rolle spielen.

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer von Horn

10.02.2016, 09:31 Uhr

In den USA leben 47 Millionen Bürger von Lebensmittelmarken, Tendenz steigend, die Kluft zwischen Arm und Reich wächst jedes Jahr während die stabile Mittelschicht dahin schmilzt. Ein ähnliches Bild ergibt sich in Europa mit Massenarbeitslosigkeit, höchster Jugendarbeitslosigkeit und entsprechender Perspektivlosigkeit bei gleichzeitiger sinnfreier zusätzlicher Massenmigration des wirtschaftlich stärksten Landes Europas. Monetäre Probleme "löst" man durch hemmungsloes Gelddrucken und Ausstieg aus dem Bargeld -dem einzig gesetzlichen Zahlungsmittel übrigens!- um den Bürger absehbar durch Negativzinsen und Sanierungsbeiträge für fremde mariode Staaten und Banken enteignen zu können. Wenn politische Ideologien nicht funktionieren, verstärkt man sie konsequen! Und wundert sich über das desaströse Ergebnis.. Dabei wird der vertretene Bürger in erster Linie als Melkkuh und Arbeitstier gesehen, denn als Souverän.

Wen wundert es da noch, dass sich breite Bürgerschichten von der herrschenden Polititkaste nicht mehr vertreten fühlen und alternativ wählen? Wenn die Politik allenthalben den Gesellschaftsvertrag kündigt ohne Neuabschlüsse anzubieten., braucht man sich über die politische Neuorientierung informierter Bürger nicht zu kündigen. Die einzige Frage, die ich mir hier noch stelle, ist die, ob man denn diese Neuorientierung vom politischen Establishment noch zulassen wird.


Herr Josef Steiner

10.02.2016, 09:33 Uhr

Wen auch immer man zum neuen Präsidenten der USA wählt, man hat nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Herr wulff baer

10.02.2016, 09:41 Uhr

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Der weltweite Agressor USA mit seinen von den Finanzgangstern milliardenschwer gesponserten Präsidentschafts-Marionetten hat mit Bernie Sanders auf einmal einen Bewerber bei den Demokraten, der etwas für das gemeine Volk tun will.
Wenn schon in der Vergangenheit jeder nicht kapital- oder mafiakonforme Präsident kurzerhand abgemurkst wurde, könnte man bei Bernie Sanders, falls er tatsäch zum Präsidenten gewählt würde, auch nur von einer kurzen Amtszeit reden, bevor er entsorgt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×