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Special

07.11.2016

11:59 Uhr

Anlageklassen und die US-Wahl

Gold oder Aktien? So rüsten sich Anleger für die Wahl

VonDaniel Schäfer

Aktien für Hillary Clinton, Gold für Donald Trump: In welche Richtung werden sich die Finanzmärkte nach der US-Wahl bewegen? Welche Anlageklassen gefragt sein werden – und welche nicht. Ein Überblick.

Ein Wahlsieg würde den Aktienmärkten einen Schub geben AFP; Files; Francois Guillot

US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton

Ein Wahlsieg würde den Aktienmärkten einen Schub geben

WashingtonEine Billion Dollar. Um diese atemberaubend hohe Summe hat sich der Wert der globalen Aktienmärkte in der vergangenen Woche verringert, weil die Investoren im Vorfeld einer turbulenten US-Präsidentschaftswahl ihre Risiken verringern wollten. Gleichzeitig ist das Angstbarometer der Wall Street, der Vix-Index, über seinen langfristigen Durchschnitt gestiegen. Und der traditionelle Zufluchtsort verunsicherter Anleger, Gold, war ebenfalls gefragt.

Doch in welche Richtung werden sich die Finanzmärkte nach der US-Wahl bewegen, welche Anlageklassen werden gefragt sein – und welche nicht?

Aktien

Im weiterhin wahrscheinlicheren Fall eines Wahlsiegs der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dürften die Aktien kurzfristig nur eine Richtung kennen: nach oben. Experten erwarten, dass die Kurse dann die Verluste der Vorwoche locker wieder wettmachen werden.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Und auch mittelfristig dürfte die ehemalige US-Außenministerin ein Segen für die Aktienmärkte sein. Schließlich hat Clinton ein 275 Milliarden Dollar schweres Infrastrukturprogramm angekündigt, will den nationalen Mindestlohn verdoppeln und damit den Konsum ankurbeln sowie für die von den Märkten so geliebte stabile Politik sorgen.

Profitieren dürften unter anderem Wind- und Solarenergieunternehmen, weil Clinton die regenerative Energie fördern will. Auch für Krankenhausbetreiber könnte es bergauf gehen, denn Clinton will die amerikanische Gesundheitsversorgung verbessern und ausbauen.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Insbesondere für Finanz- und Pharmaaktien könnte es ungemütlich werden. Denn wenn die Demokraten den Republikanern im Senat die Mehrheit abnehmen sollten, dürfte Clinton vom linken Spektrum ihrer Partei zu einer harten Linie gegenüber diesen beiden Branchen gezwungen werden – mit gravierenden Folgen für deren Aktien.

US-Wahlkampf

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Kommentare (11)

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Herr Werner Schumann

07.11.2016, 12:35 Uhr

Immer geht es um Geld - nein, es geht nicht immer nur ums Geld. Jeder Wähler sollte darüber nachdenken wie sich seine Entscheidung für das Land, den Frieden und sein Wohlergehen auswirkt. Was helfen Dividenden wenn ein Atomkrieg für Jahrhunderte alles auslöscht.

Herr Helmut Metz

07.11.2016, 13:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Jürgen Mücke

07.11.2016, 13:18 Uhr

Es ist völlig egal wer gewinnt!

Beide gehören Establishment an.

Es wird keine Veränderung geben!

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