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Special

11.03.2016

03:37 Uhr

Barack Obama

Republikanischer Vorwahlkampf ist ein „Zirkus“

Der republikanische Vorwahlkampf ruft beim US-Präsidenten Kopfschütteln hervor. Den Wahlkampf seiner eigenen Partei lobt Obama. Bei der Frage, ob bald viele US-Amerikaner nach Kanada auswandern, bleibt er zuversichtlich.

Barack Obama beim Treffen mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau. AP

Obama, Trudeau

Barack Obama beim Treffen mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat die Republikaner für das explosive Klima im Vorwahlkampf verantwortlich gemacht. Zwar habe er im Bemühen um die Überwindung der politischen Gräben in Washington versagt, sagte Obama am Donnerstag. Doch habe er mit der Verschärfung der Rhetorik im Wahlkampf nichts zu tun. Es sei vielmehr die Führung der Republikaner gewesen, die mit ihrer Förderung kompromissloser Politik eine Atmosphäre geschaffen habe, in der „jemand wie Donald Trump gedeihen kann.“

Der Präsident äußerte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der sich zu einem Staatsbesuch in Washington aufhält. Den Milliardär und Polit-Novizen Trump sieht Obama zudem nicht als einen Sonderfall. Dessen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderung, unterschieden sich nicht sonderlich von jenen von dessen Rivalen Marco Rubio und Ted Cruz, sagte der US-Präsident. Mit Blick auf den erbitterten Vorwahlkampf der Republikaner sprach Obama zudem von einem „Zirkus.“

Für den Wahlkampf seiner eigenen Partei fand Obama dagegen lobende Worte: Den Demokraten gelinge es gut, in ihren Kampagnen Probleme anzugehen. Zugleich zeigte er sich selbstkritisch. Er übernehme zwar die Verantwortung dafür, die politischen Gräben nicht überbrückt zu haben. Doch mit der Verschärfung der politischen Rhetorik habe er nichts zu tun.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Auf die Frage, ob Kanada sich auf eine Auswanderungswelle aus den USA vorbereiten müsse, wenn Donald Trump zum Präsidenten gewählt würde, antwortete Obama: „Jedes Mal, wenn wir Präsidentschaftswahlen haben, sollen sich unsere Freunde im Norden auf einen Exodus von Amerikanern vorbereiten, die schwören, nach Kanada zu ziehen, wenn der Kerl der anderen Partei gewinnt. Normalerweise geht aber alles gut aus.“

Trudeau antwortete auf die Frage nach etwaigen Auswanderungen sehr diplomatisch. „Die Beziehung, die Freundschaft unserer beiden Länder geht weit über die zweier Individuen oder Ideologien hinaus. Ich habe gewaltiges Vertrauen in das amerikanische Volk und freue mich auf die Zusammenarbeit mit jedem, den es ins Weiße Haus schickt.“

Von

ap

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