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Special

17.11.2016

09:40 Uhr

Bernie Sanders

Ein Rockstar als Oppositionsführer

VonMoritz Koch

Nach der verlorenen Wahl muss Bernie Sanders Amerikas Linke wieder aufrichten. Er schwört die Demokraten auf den Kampf gegen Trump ein – und will den Kampf um die Zukunft der USA nicht allein Politikern überlassen.

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WashingtonBernie Sanders wird immer noch gefeiert wie ein Rockstar. Als er im Auditorium der George Washington University in Washington vor den roten Bühnenvorhang tritt, springen die Studenten auf, jubeln und klatschen. Es dauert eine Weile, bis Sanders den Begeisterungssturm unter Kontrolle gebracht hat.

Eigentlich soll der beliebte Senator nur sein Buch vorstellen, „Our Revolution“, heißt es. Aber es ist sein erster großer öffentlicher Auftritt nach der Wahl. Und natürlich geht es um mehr: Sanders, das progressive Idol, muss Amerikas Linke wieder aufrichten, sie in schwerer Stunde führen. Die Trump-Ära beginnt.

Bernie Sanders und ...

... Washington

Bernie Sanders präsentiert sich als Gegenentwurf zum Establishment, dabei ist er eigentlich tief in Washington verwurzelt. Er war ganze 16 Jahre lang Mitglied des Repräsentantenhauses, bevor er 2006 in den Senat gewählt wurde. Sanders ist zwar parteilos, gehört dort aber der Fraktion der Demokraten an.

... seine Ziele

Sanders wurde im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton nicht müde, sich als demokratischen Sozialisten zu bezeichnen. Und er versprach nicht weniger als eine politische Revolution. Die sechs größten Banken des Landes wollte er zerschlagen, eine staatliche Krankenversicherung schaffen, die Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen und Universitäten abschaffen. Nur wie er das alles bezahlen wollte, ließ er weitgehend offen.

... seine Herkunft

Sanders stammt aus Brooklyn, was man noch deutlich an seinem breiten New Yorker Dialekt hört. Der Vater war ein jüdischer Einwanderer aus Polen, er verkaufte Farbe, die Verhältnisse der Familie waren bescheiden. „Weil das Geld fehlte, gab es Schwierigkeiten in meiner Familie, meine Eltern haben deswegen gestritten“, erklärte er einmal. „Das ist etwas, was ich niemals vergessen habe. Und heute gibt es viele Millionen von Familien, denen es genauso geht.“ Mit seiner Frau Jane hat er vier Kinder und sieben Enkelkinder.

... Waffen

Sanders ist Senator von Vermont, einem Bundesstaat mit vielen Waffenbesitzern. Er hat zwei Mal für ein Gesetz gestimmt, das Waffenverkäufer vor Klagen schützt. Seine Begründung: Es verhindere, dass die Besitzer von kleinen Waffengeschäften zur Rechenschaft gezogen würden, wenn jemand mit einer Waffe eine Straftat begehe, die sie legal verkauft hätten. Das Thema Waffen ist auch bei den Demokraten hoch emotional besetzt.

... die Musik

Auf alten Fotos sieht Sanders ein bisschen so aus wie Woody Allen. Es gibt ein Folk-Album aus den Achtzigern, auf dem er statt zu singen die Liedtexte von Klassikern wie „We Shall Overcome“ spricht.

Quelle: dpa

Sanders stellt sich ans Podium, leicht nach vorn gebeugt, mit seinem gekrümmten rechten Zeigefinger stochert er in der Luft herum. Es ist wie vor einem Jahr, im Vorwahlkampf, als Sanders unwahrscheinlicher Aufstieg zur politischen Ikone begann. Nur das die Lage heute für Sanders Klientel, das junge, bunte Amerika, sehr viel verzweifelter erscheint. „Viele sind niedergeschlagen, sogar verängstigt“, sagt Sanders, doch er ist gekommen, um seinen Anhängern Hoffnung zu machen. „Am Ende dieses Wahlkampfs bin ich trotz allem optimistischer, was die Zukunft unseres Landes betrifft, als ich es zu Beginn des Wahlkampfs war“, beteuert er.

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Eine Woche nach ihrer Wahlniederlage besucht Hillary Clinton eine Benefizveranstaltung – und zeigt sich tief enttäuscht. Manchmal habe sie das Haus nie wieder verlassen wollen. Ihr Land sieht sie tief gespalten.

Am anderen Ende der Stadt tritt fast zeitgleich seine Vorwahlrivalin Hillary Clinton auf. Sonderlich optimistisch sieht sie nicht aus, aber sie bemüht sich zumindest, so zu klingen. Es ist das erste Mal seit der bitteren Wahlnacht vom 8. November, dass Clinton wieder auf der Bühne steht. Im Medienmuseum am Fuße des Capitol Hill soll sie für ihr Engagement im Kampf gegen Kinderarmut geehrt werden.

Der Termin stand schon lange, Clinton hatte fest damit gerechnet, als „President elect“ dort auftreten zu können – nicht als gescheiterte Kandidatin. Dass sie dennoch erschienen ist, zeigt ihr enormes Pflichtbewusstsein, eine jener Qualitäten, die sie wohl zu einer guten Präsidentin gemacht hätten.

Den Namen Trump spricht Clinton nicht aus, sie sagt nur: „Ich weiß, dass sich viele fragen, ob Amerika das Land ist, für das wir es hielten.“ Doch so wie Sanders will sie den Demokraten Mut machen: „Wir müssen engagiert bleiben. In unserer Kampagne ging es nie um eine Person oder eine Wahl, sondern um das Land, das wir lieben.“

Kommentare (6)

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17.11.2016, 10:03 Uhr

Sanders ist mehr über die Abwahl der Wallstreet (Soros) Clinton-Obama Ära froh. Sanders hat also gehofft, dass Trump die Wahl gewinnt damit dieser Wallstreet Clinton Clan endlich Geschichte wird.
Sehr interessant!

Herr Rudolf Ott

17.11.2016, 10:06 Uhr

Liebe Journalisten, also auch Sanders will den alteingesessenen Politikern nicht die Zukunft überlassen. Ist Sanders jetzt auch als Populist zu klassifizieren. Über eine fundierte Antwort der Adressaten würde ich mich freuen.

Herr Fritz Yoski

17.11.2016, 11:09 Uhr

Nachdem der DNC seine Wahlkampagne sabotiert hat (Brazile von CNN hat vor der Debatte die Fragen an Clinton durchgereicht und wurde dafuer von CNN gefeuert) soll Bernie nun die Kastanien aus dem Feuer holen. Er ist ja (leider) auch nicht mehr der Juengste.

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