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Special

09.08.2016

08:09 Uhr

Brandbrief und Gegenkandidat

Prominente Republikaner fallen Trump in den Rücken

50 republikanische Sicherheitsexperten haben sich in einem beispiellosen Anti-Trump-Aufruf von ihrem Kandidaten distanziert. Trump fehlten Charakter, Werte und Erfahrung. Der Angegriffene reagierte prompt – und zornig.

Donald Trump verliert in der eigenen Partei an Rückhalt. Reuters

Donald Trump

Donald Trump verliert in der eigenen Partei an Rückhalt.

50 prominente Sicherheitsexperten der Republikaner haben mit scharfen Worten vor einer Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gewarnt – dem Kandidaten ihrer eigenen Partei. „Herrn Trump fehlen der Charakter, die Werte und die Erfahrung, um Präsident zu sein“, hieß es in einer Erklärung der Fachleute, die am Montag bekannt wurde. „Er schwächt die moralische Autorität der USA als Führerin der freien Welt. Es sieht so aus, als ob es ihm an Basiswissen über und Glauben an die US-Verfassung, US-Gesetze und US-Institutionen sowie religiöse Toleranz, Freiheit der Presse und eine unabhängige Justiz mangelt.“ Zwar hätten die Unterzeichner auch Zweifel an der von den Demokraten nominierten Kandidatin Hillary Clinton. Aber: „Niemand von uns wird für Donald Trump stimmen.“

„Aus außenpolitischer Sicht ist Donald Trump nicht qualifiziert, Präsident und Oberster Befehlshaber der Streitkräfte zu sein“, hieß es zudem. „Vielmehr sind wir davon überzeugt, dass er ein gefährlicher Präsident wäre, unter dem die nationale Sicherheit und das Wohlergehen des Landes Risiken ausgesetzt wären.“ Zwar seien viele Amerikaner frustriert, dass die US-Regierung Probleme im In- und Ausland nicht löse. „Aber Donald Trump ist nicht die Antwort auf die gewaltigen amerikanischen Herausforderungen und auf diese wichtige Wahl. Wir sind überzeugt, dass er der rücksichtsloseste („most reckless“) Präsident in der amerikanischen Geschichte wäre.“

Die Chronologie des Donald Trumps

Karriere

Es ist eine der steilsten Blitzkarrieren in der jüngeren Geschichte der US-Politik. Innerhalb eines Jahres hat der umstrittene Immobilienmilliardär Donald Trump die Republikanische Partei erobert und ist nun ihr Präsidentschaftskandidat. Als krasser Außenseiter ohne jegliche politische Erfahrung gestartet, konnte der Rechtspopulist mit ebenso simplen wie radikalen Parolen die Frustrationen von Millionen von Wählern bündeln und 16 republikanische Konkurrenten ausstechen.

16. Juni 2015

Bei einem pompös inszenierten Auftritt in seinem New Yorker Trump Tower verkündet Trump seine Bewerbung um das Präsidentenamt. Zugleich setzt er mit einer wütenden Attacke gegen mexikanische Einwanderer den Ton für seine Kampagne: „Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen.“

7. August 2015

Nach seiner ersten TV-Debatte als Präsidentschaftsbewerber geifert Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“ Auch in der eigenen Partei löst die frauenfeindliche Bemerkung heftige Kritik aus.

24. September 2015

Trump verkündet, dass er nicht an den Klimawandel glaubt: „Wetter ändert sich nun mal. Es gibt Stürme und Regen, und es gibt schöne Tage.“

7. Dezember 2015

Nach dem Attentat im kalifornischen San Bernardino fordert der Milliardär ein generelles Einreiseverbot für Muslime. Eine Welle der Entrüstung im In- und Ausland folgt, seine Umfragewerte steigen.

1. Februar 2016

Trump unterliegt in der ersten Vorwahl der Republikaner gegen Ted Cruz im Bundesstaat Iowa. Er wirft dem Senator Wahlbetrug vor.

1. März 2016

Am ersten „Super Tuesday“ der Vorwahlen holt Trump sieben Bundesstaaten. Nun ist er endgültig der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur.

3. März 2016

Der Baulöwe bezieht in einer Fernsehdebatte Stellung zu seinem Geschlechtsteil. Weder seine Hände noch „etwas Anderes“ seien klein. Sein Rivale Marco Rubio hatte zuvor einen schlechten Witz über Trumps Penisgröße gemacht.

24. Juni 2016

Das Brexit-Votum der Briten findet Trump „fantastisch“.

15. Juli 2016

Trump präsentiert seinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt. Der Gouverneur von Indiana, Mike Pence, ist ein Liebling des erzkonservativen Flügels.

19. Juli 2016

Trump wird vom Parteitag als Präsidentschaftskandidat nominiert.

Unter den Republikanern gibt es seit vielen Monaten Kritik an Trump, die bis heute anhält. Die Erklärung ist unter anderem unterzeichnet vom ehemaligen CIA-Direktor Michael Hayden, dem ehemaligen Heimatschutzminister Michael Chertoff, dem Ex-Direktor aller US-Nachrichtendienste John Negroponte und den ehemaligen US-Handelsbeauftragten Carla Hills und Robert Zoellick. Einige der genannten haben unter einem oder mehreren republikanischen US-Präsidenten gearbeitet. Organisiert wurde die Erklärung von Philip Zelikow, der Condoleezza Rice in ihrer Zeit als US-Außenministerin beriet.

Donald Trump reagiert wütend auf die beispiellose öffentliche Distanzierung der 50 US-Republikaner. Bei den Unterzeichnern des Anti-Trump-Aufrufs handele es sich um „nichts anderes als eine gescheiterte Washingtoner Elite, die sich an ihre Macht klammert“, hieß es in einer Erklärung Trumps.

Der Präsidentschaftskandidat machte die Unterzeichner des Aufrufs für gravierende Fehlentscheidungen verantwortlich. Ihnen sei die „katastrophale Entscheidung zur Invasion Iraks“ und der Aufstieg der Dschihadistenmiliz IS anzulasten. Sie hätten die Welt „weniger sicher gemacht“, kritisierte Trump.

Kommentare (24)

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Herr Peter Noack

09.08.2016, 09:05 Uhr

Dolchstoß in den USA!

Herr Bernhard Ramseyer

09.08.2016, 09:07 Uhr

- Ihnen sei die „katastrophale Entscheidung zur Invasion Iraks“ und der Aufstieg der Dschihadistenmiliz IS anzulasten. Sie hätten die Welt „weniger sicher gemacht“, kritisierte Trump. -

Ist das falsch? Der 2. Irak-Krieg war illegal, ohne UNO-Mandat. Hätte er nicht stattgefunden könnte dieser Captain Khan heute noch leben. Er wäre dann allerdings kein Kriegsheld.

Dieser Krieg wurde geführt aufgrund falscher Informationen des CIA. Jetzt will ein ehemaliger CIA-Mann den Ersatz-Kandidat machen?

Herr Norbert Wolter

09.08.2016, 09:20 Uhr

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