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Special

12.08.2016

14:24 Uhr

Churchill, Lincoln, Kennedy

Dank seelischer Probleme zum großen Staatsmann

Hat sie Donald Trump noch alle? Die psychische Gesundheit des US-Präsidentschaftskandidaten wird gern in Zweifel gezogen. Doch seelische Krankheiten können ein Vorteil sein, wie das Beispiel berühmter Politiker zeigt.

Im Kampf gegen Nazideutschland wuchs der britische Premierminister über sich selbst hinaus. Churchill litt unter Depressionen. dpa

Winston Churchill

Im Kampf gegen Nazideutschland wuchs der britische Premierminister über sich selbst hinaus. Churchill litt unter Depressionen.

WashingtonDonald Trumps psychische Gesundheit wird in den Medien und sozialen Netzwerken oft und gern in Zweifel gezogen. Dabei hatten selbst einige der größten Präsidenten und Persönlichkeiten der US-Geschichte mentale Probleme. In manchen Krisenzeiten könnte das sogar von Vorteil gewesen sein, sagen Psychologen und Psychiater und verweisen unter anderem auf Abraham Lincoln, John F. Kennedy und Martin Luther King.

Die beiden US-Präsidenten und der schwarze Bürgerrechtler litten ebenso wie die Bürgerkriegsgeneräle Ulysses S. Grant und William Tecumseh Sherman unter geistigen Krankheiten wie etwa Depressionen, wie der Psychiatrieprofessor Nassir Ghaemi von der Tufts University in der Nähe von Boston sagt. Er befasst sich seit langer Zeit mit der Psyche historischer Persönlichkeiten. Als Beispiele aus anderen Ländern führt er etwa Großbritanniens Weltkriegs-Premier Winston Churchill und den indischen Revolutionär Mahatma Gandhi an - auch sie waren beide historische Figuren, die Erfolg und gleichzeitig emotionale Schwierigkeiten gehabt hätten.

„Manche der Probleme bei der psychischen Verfassung können in der Tat für Größe sorgen“, ist sich auch die Psychologin Katherine Nordal sicher. Sie ist bei der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft für den Bereich berufliche Praxis verantwortlich. Andere Experten stimmen ihr zu.

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Ghaemi sagt, dass es aus seiner Sicht sogar ein Kompliment sei, wenn jemandem nachgesagt werde, er habe ein psychisches Problem. Manisch-depressive Menschen seien oftmals kreativer, einfühlsamer und realistischer als Personen mit einer gesunden Psyche. Die Erkrankten tendierten dazu, in Krisenzeiten Erfolg zu haben und in Zeiten des Friedens und des Wohlstandes zu scheitern, sagt Ghaemi.

Zwei Arten von Anführern illustrierten das, sagt der Wissenschaftler. General Sherman sei stark depressiv, angeblich sogar selbstmordgefährdet gewesen. Sein Zeitgenosse General George McClellan war demnach dagegen psychisch gesund - aber in problematischen Zeiten erfolglos. General Grant, ein Alkoholiker, übertraf sich Ghaemi zufolge in Kriegszeiten selbst, war aber kein wirklich glorreicher Präsident, als Frieden herrschte.

Ein Beispiel der jüngeren Geschichte zeigt Ähnliches: Churchill litt mehrmals unter langwierigen depressiven Anfällen. Das gab er auch in aller Öffentlichkeit zu und bezeichnete dieses Problem als seinen „schwarzen Hund“. Sein Vorgänger und Parteikollege Neville Chamberlain war mental fitter, sah aber nicht die Bedrohung, die damals von Adolf Hitler ausging. Im Kampf gegen Nazideutschland wuchs Churchill dann über sich hinaus, wie Ghaemi anführt. Nach dem Weltkrieg, als wieder Frieden eingekehrt sei, sei Churchill dann aber an seinen Aufgaben gescheitert.

Von

ap

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