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Special

03.11.2016

21:46 Uhr

Clinton gegen Trump

Was die neuesten Umfragen zum US-Wahlkampf zeigen

Im Stundentakt erscheinen in den USA Umfragedaten zum Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Der republikanische Kandidat zweifelte zuletzt immer wieder die Daten an – jedoch nicht mehr, seitdem er aufholt.

Etwa ein Dutzend Bundesstaaten gelten als entscheidend für den Gesamtausgang der Präsidentschaftswahl. AFP; Files; Francois Guillot

Clinton-Auftritt in Arizona

Etwa ein Dutzend Bundesstaaten gelten als entscheidend für den Gesamtausgang der Präsidentschaftswahl.

WashingtonEs sind 270 Wahlmänner, die der siegreiche Kandidat im Rennen um die US-Präsidentschaft erringen muss. Die 50 Bundesstaaten und der District of Columbia mit der Hauptstadt Washington entsenden jeweils zwischen drei und 55 Mitglieder in das „Electoral Collage“, das am 19. Dezember abstimmt. In den Umfragen liegt die demokratische Kandidatin Hillary Clinton bei der Zahl der bereits als sicher geltenden Wahlmänner für ihre Bewerbung vorne, doch in den umstrittenen Staaten bleibt der Trend auch am Donnerstag der Freund ihres Rivalen Donald Trump.

In frischen landesweiten Umfragen liegt Clinton weiter vorn, doch der Vorsprung liegt innerhalb der von den Umfrageinstituten angegebenen Fehlerbreite. Bei New York Times/CBS führt Clinton mit 45 Prozent zu 42 Prozent gegenüber Trump. Eine Erhebung von Washington Post und ABC News sieht das Rennen bei 47 zu 45 Prozent zu Gunsten Clintons. Die Daten führten zu einer leichten Erholung des mexikanischen Pesos, der als ein indirekter Indikator für den möglichen Wahlausgang gilt.

Das Wahlmännergremium bei der US-Präsidentenkür

Das „Electoral College“

Bei der US-Wahl stimmen die Wähler nicht direkt über ihren künftigen Präsidenten ab. Vielmehr wählen sie ein Kollegium aus Wahlmännern und -frauen („Electoral College“), das dann den Präsidenten und seinen Vize kürt.

Zusammensetzung

Dem Kollegium gehören 538 Wahlmänner und -frauen an. Wie viele Wahlleute ein Bundesstaat hat, hängt von seiner Bevölkerungsstärke ab.

The Winner takes it all

In den meisten Staaten gilt die Alles-oder-nichts-Regel: Sämtliche Plätze des Staates im Electoral College gehen also an die Wahlmänner und -frauen jenes Kandidaten, der dort die Mehrheit errungen hat - egal, wie knapp. Ausnahmen machen nur Maine und Nebraska, wo die Wahlleute proportional aufgeteilt werden.

Die magischen 270

Für den Einzug ins Weiße Haus sind 270 der 538 Stimmen erforderlich. Das Wahlsystem macht es möglich, dass jemand Präsident wird, der zwar im Electoral College die Mehrheit hat, nicht aber bei den landesweit abgegeben Stimmen.

Der Fall Bush vs. Gore im Jahr 2000

Al Gore hatte zwar landesweit eine hauchdünne Mehrheit der Wählerstimmen errungen. Doch durch seinen strittigen Sieg in Florida kam George W. Bush Bush auf die Mehrheit der Stimmen im Wahlkollegium und wurde Präsident.

Sind die Wahlleute gebunden?

In den meisten Bundesstaaten sind sie nicht verpflichtet, entsprechend des Wahlausgangs abzustimmen. Es ist jedoch extrem selten, dass ein Mitglied des Electoral College anders votiert als das Wahlergebnis vorgibt.

Der Ablauf

Sechs Wochen nach der Wahl, am 19. Dezember, kommen die Wahlleute aus allen Bundesstaaten zusammen und geben ihre Stimmen in versiegelten Umschlägen ab. Diese werden dann an den Kongress weitergeleitet. Der Präsident oder die Präsidentin wird dann am 20. Januar vereidigt.

Die Aufholjagd Trumps scheint sich zumindest bei der landesweiten Betrachtung beruhigt zu haben, auch wenn das Rennen in weniger stark beobachteten Umfragen noch enger ist. Bei Investor’s Business Daily/TIPP liegen beide Kandidaten bei 44 Prozent, in einer Umfrage von Rasmussen führt Trump mit 45 zu 42 Prozent. Auf der Statistik-Website Fivethirtyeight wird die Wahrscheinlichkeit eines Clinton-Siegs mit nur noch 66 Prozent angegeben, der schlechteste Wert für Clinton seit Ende September.

Trump hat die Aussagekraft solcher Umfragen und Berechnungen lange kritisiert. Er glaubt daran, dass manche seiner Anhänger sich in Meinungsumfragen zurückhalten, weil sie die eigene Bereitschaft, den rechtskonservativen Kandidaten zu wählen, nicht bekannt machen wollen. Seit das Momentum in den vergangenen Tagen jedoch auf seiner Seite liegt, ist davon nichts mehr zu hören. Dennoch: Das Rennen ist landesweit auch in einigen wichtigen Bundesstaaten so eng, dass die Abstände innerhalb der Erhebungstoleranz liegen.

Tatsächlich stellen die Meinungsforscher fest, dass in Telefonbefragungen Clinton besser abschneidet als bei Online-Erhebungen. Am Telefon muss eine Person die eigene Wahlentscheidung kundtun, im Internet verzerrt zumindest keine zwischenmenschliche Interaktion das Ergebnis.

Einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung des Politikmagazins Politico zufolge ist eine solche Verzerrung zugunsten Clintons aber wohl nicht wahlentscheidend. Denn die Beratungsfirma Morning Consult hat für das Magazin zwar ermittelt, dass der Trump-Nachteil etwa zwei Prozentpunkte beträgt, wenn man online und am Telefon dieselbe Frage stellt und nur zwischen den beiden Kandidaten wählen lässt. Diese Abweichung sei aber „statistisch nicht signifikant“. Bei hochgebildeten und einkommensstarken Wählern ist die Verzerrung je nach Befragungsmethode der Untersuchung zufolge jedoch größer. Doch der Anteil dieser Wähler sei bei der Präsidentschaftswahl wesentlich geringer als in den Vorwahlen und daher wohl nicht so entscheidend.

In New Hampshire, wo es um vier Wahlmänner geht, sieht eine Umfrage, dass die Kandidaten gleichauf liegen bei 42 Prozent – im Oktober führte noch Clinton mit zwei Prozentpunkten. Eine frische Umfrage aus Florida sieht allerdings Clinton dort vorne, während zuletzt Trump in einigen Erhebungen die Nase vorn hatte. Ohne einen Sieg in Florida ist Trump wohl chancenlos. Der Nachrichtensender CNN hat sechs Szenarien durchgespielt, die einen Trump-Sieg bringen würden – in allen Fällen müsste er die 29 Wahlmänner des Staats auf seine Seite bringen.

Im Rennen um vorzeitig abgegebene Stimmen liegt Clinton offenbar weiter vor ihrem Rivalen Donald Trump, allerdings weniger deutlich als von ihrem Wahlkampfteam erhofft. Umfragedaten der Nachrichtenagentur AP deuteten am Donnerstag an, dass die Demokratin bei den Frühwählern nicht so erfolgreich auf Stimmenfang gehen konnte wie US-Präsident Barack Obama im Jahr 2012.

Demnach war die Zahl ihrer Unterstützer im Mittleren Westen geringer als Obamas. Gleiches gilt bei der für Clinton wichtige Wahlbeteiligung von Afroamerikanern. Vorteile hat sich die 69-Jährige dagegen möglicherweise schon in Nevada und Colorado herausgearbeitet. Landesweit sind bereits ein Viertel aller erwarteten Stimmen abgegeben worden. Der AP zufolge sind das mindestens 33 Millionen Wähler. Insgesamt wird die Zahl der Stimmberechtigten, die vor dem eigentlichen Wahltag am kommenden Dienstag an die Urnen gehen, auf 46 Millionen geschätzt.

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Kommentare (5)

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Herr Hans Mayer

04.11.2016, 09:59 Uhr

Uncut-News.ch bringt auf Youtube ein klasse Video mit einer Rede von Trump, die wird es hier nie zu sehen geben,
Die USA haben die selben Probleme wie wir, die USA haben aber auch wie wir, endlich eine Alternative.

Herr Marcel Europaeer

04.11.2016, 10:19 Uhr

Trump wird auch am Wahlergebnis zweifeln.

Herr Otto Berger

04.11.2016, 10:56 Uhr

Das wirkliche "heiße Eisen" packt auch Trump nicht an : Das FED-System !
Wer in den USA politisch und wirtschaftlich von Grund auf etwas verändern will, sollte das private FED-System wieder in eine Regierungseinrichtung überführen --- verbunden mit der Ausgabe von Banknoten durch den Staat. J.F. Kennedy unterzeichnete am 4. Juni 1963 die »Executive Order Number 11110«, mit der er die frühere »Executive Order Number 10289« außer Kraft setzte und die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückbrachte. Die produzierten Geldscheine ließ sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, dann wieder einziehen.



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