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Special

05.02.2016

18:59 Uhr

Clintons Rednerhonorare

Vier fatale Worte

VonNils Wischmeyer

Bis zu 250.000 Dollar erhielt Hillary Clinton pro Rede, etwa von Banken. Fragen dazu blockte sie bisher gekonnt ab. Doch nun legte sie alle Vorsicht ab. Vier Worte, die Clinton noch bereuen dürfte.

Hillary Clinton zeigt sich zerknirscht. Bisher hat sie knapp 150.000 Euro pro Rede erhalten. Doch das kommt bei potentiellen Wählern gar nicht gut an. Reuters

Kritik an Redehonoraren

Hillary Clinton zeigt sich zerknirscht. Bisher hat sie knapp 150.000 Euro pro Rede erhalten. Doch das kommt bei potentiellen Wählern gar nicht gut an.

DüsseldorfHillary Clinton verfolgt seit Monaten die gleiche Taktik, wenn es um Vorwürfe zu ihren Redehonoraren ging: Rausreden, runterspielen und möglichst passiv bleiben. Doch mit jedem Interview, in dem sie versuchte das Thema abzublocken, wurden Medien und Wähler nur darin bestärkt, weiter nachzubohren. Auch Bernie Sanders, ihr Konkurrent um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat, spricht das Thema fast täglich an.

Und auch die Moderatoren bringen das Thema immer wieder zur Sprache, so auch am Mittwochabend. Eigentlich sah alles nach einem durchschnittlichen Interview aus. 59 Minuten lang sprach die Präsidentschaftskandidaten mit CNN-Moderator Anderson Cooper und einer Handvoll Wählern in New Hampshire.

Clinton zeigte sich offen, empathisch, schlagfertig. Man kann sagen, es lief gut. Dann kam Cooper auf ihre Redehonorare zu sprechen. 675.000 Dollar habe sie für drei Reden bei Goldman Sachs bekommen, sagte er und fragte, ob sie die Summe für angemessen halte. Clinton zuckte nur kurz mit den Schultern, schaute entnervt und sagte: „Das haben sie angeboten.“ Vier Wörter, die ihr gleich darauf um die Ohren flogen. Ihre Reaktion wurde tausendfach auf Facebook und Twitter geteilt.

Und auch die US-amerikanischen Medien reagierten verwundert, teilweise entsetzt über die Aussage von Clinton. Die Washington Post sprach davon, dass sie diese vier Wörter noch lange bereuen werde. In der New York Times sagte ein Marketingexperte: „Ich weiß nicht, wer sie vorbereitet hat, aber sie sollten gefeuert werden.“

Seit Monaten ringt die Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten mit einer brauchbaren Antwort, wenn es um die Honorare für ihre Reden geht. Laut einer Berechnung der New York Times haben Hillary und Bill Clinton seit 2011 knapp 125 Millionen Dollar damit verdient, Reden zu halten.

Mehrere hundert Reden hielt Clinton seitdem. Pro Auftritt flossen zwischen 150.000 und 250.000 Dollar in die Taschen von Hillary Clinton. Das ist in etwa fünfmal so viel, wie das durchschnittliche Jahreseinkommen der US-Haushalte. Gleichzeitig verspricht Clinton in ihrem Wahlkampf, sich um Themen wie Ungleichheit und die Ausbeutung der Unter- oder Mittelschicht zu kümmern. Ein Versprechen, das in den Ohren vieler Amerikaner allenfalls noch zynisch klingt.

Gebucht wurde Clinton unter anderem von Morgan Stanley, Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Kritiker werfen ihr deswegen vor, einen besonders engen Draht zur Finanzbranche zu haben. Im Wahlkampf muss sich Clinton immer wieder die Vorwürfe gefallen lassen, dem „Establishment“ anzugehören. So wird in den USA die politische und wirtschaftliche Elite abfällig genannt.

Clinton hatte in den letzten Wochen wiederholt versucht, sich von den Vorwürfen der Befangenheit freizumachen. Einer Zeitung in Iowa sagte sie: „Wer glaubt er könne mich kaufen, kennt mich nicht.“ Die Firmen würden ihr so viel Geld bezahlen, um ihre Sicht auf die Welt zu hören, sagte sie weiter. Ähnliche Interviews hatte sie auch anderen Zeitungen gegeben. Ein Befreiungsschlag gelang ihr aber bisher nicht.

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