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Special

03.11.2016

12:29 Uhr

Clintons Vorsprung schmilzt

Trump holt wieder auf – das Rennen wird knapp

Die US-Wahl ist wieder offen. Entgegen aller Erwartungen holt Donald Trump wieder auf. In Umfragen der „New York Times“ hat Hillary Clinton nur noch einen knappen Vorsprung – und der ist im Bereich der Fehlertoleranz.

Donald Trump liegt nach aktuellen Umfragen nur noch knapp vor Hillary Clinton. Reuters

Der Abgeschriebene kehrt zurück

Donald Trump liegt nach aktuellen Umfragen nur noch knapp vor Hillary Clinton.

New YorkFünf Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA schafft Donald Trump die überraschenden Wende. Seine Gegnerin Hillary Clinton liegt nach Ergebnissen einer Umfrage von „New York Times“ und CBS nur noch drei Prozentpunkte in Führung. Dabei war sie von vielen Beobachtern schon als sichere Siegerin angesehen worden. Der aktueller Vorsprung liegt sogar schon im Bereich der statistischen Fehlertoleranz – ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird so immer wahrscheinlicher.

Daran soll sich bis zur Abstimmung am kommenden Dienstag auch nicht mehr viel ändern. Die meisten Wähler hätten sich bereits entschieden, berichtet die „NYT“. Die Zeitung sieht Clinton aktuell bei 45 Prozent. Trump liegt der Umfrage zufolge bei 42 Prozent. Die Außenseiter Gary Johnson (Libertäre, 5 Prozent) und Jill Stein (Grüne, 4 Prozent) sind noch immer chancenlos.

US-Wahl: Kann man sich auf die Umfragen verlassen?

Wie verlässlich sind die Meinungsforscher in den USA?

Bei den etablierten Instituten lässt sich nachschlagen, wie gut sie bei zurückliegenden Wahlen gelegen haben. Generell waren die Umfragen etwa 2012, beim zweiten Wahlsieg Barack Obamas, zu skeptisch dem Amtsinhaber gegenüber. Im Schnitt sahen die Umfragen noch am Tag vor der Wahl Obama nur um 0,7 Prozentpunkte vorn. Er gewann schließlich mit 3,9 Punkten vor Mitt Romney. Am dichtesten dran waren die Umfragen von ABC/Washington Post und von Pew Research, die den Amtsinhaber um jeweils drei Punkte vorne sahen.

Wird mit Demoskopie Politik gemacht?

Ja. Im Internet kursieren Dutzende Umfragen, die keinerlei wissenschaftliche Kriterien erfüllen und den einzigen Zweck haben, den einen oder anderen Kandidaten gut aussehen zu lassen. Nach den Fernseh-Duellen wurden zahlreiche Blitzumfragen veröffentlicht, in denen die Befragten zu 90 Prozent Donald Trump als Gewinner sahen. In seriösen Erhebungen lag Clinton vorn.

Welche sind die besten Institute?

Dem Ranking zufolge schneiden unter den größeren Instituten die Monmouth University und das gemeinsame Institut von ABC und „Washington Post“ am besten ab - mit einer ganz leichten Tendenz zu den Demokraten. Auch CBS/„New York Times“ haben ein ordentliches Rating, mit leichter Tendenz zu den Demokraten. Gallup, Rasmussen oder das Emerson College neigen dagegen dazu, die Republikaner leicht überzubewerten, sind aber seriös. Das gilt auch für die „Los Angeles Times“, die in den vergangenen Wochen Donald Trump deutlich positiver sah als andere Institute.

Warum liegen die einzelnen Umfragen teils so deutlich auseinander?

Die Institute arbeiten nach unterschiedlichen Methoden. Sie suchen sich die Stichprobe ihrer Befragten nach verschiedenen Kriterien und gewichten diese unterschiedlich – etwa was Wohnort, Alter, Geschlecht, Bildungsstand oder Einkommen angeht. Dies führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Was kann die Umfragen verfälschen?

Die Meinungsforscher können die Umfragen selbst beeinflussen, indem sie unterschiedlich gewichten. Viel mehr fürchten sie sich aber davor, von den Befragten belogen zu werden. In Großbritannien hat 2015 etwa der sogenannte „Shy Tory Factor“ – der Effekt, dass Wähler der Konservativen Partei den Meinungsforschern gegenüber ihre Wahlabsicht nicht zugeben – zu einer nicht für möglich gehaltenen Blamage der Meinungsforscher geführt. Ähnliches war auch beim Brexit-Votum zu beobachten. Trump sei geeignet, ähnliche Effekte auszulösen, glauben Experten – allerdings in jegliche Richtung.

Gibt es noch andere Vorhersagemethoden als Wählerumfragen?

Ja. Die Ratingagentur Moody's etwa stützt ihr Modell auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten – Wirtschaftswachstum, Benzinpreise oder die Beliebtheit des Amtsinhabers. Mit diesem Modell habe man seit Ronald Reagan richtig gelegen, heißt es von Moody`s. Es sagt einen glasklaren Sieg für Clinton voraus. Der deutschstämmige Professor Helmut Norpoth aus New York dagegen sieht mit seinem Modell Trump deutlich vorn. Er stützt sich einerseits auf die jeweilige Performance in den Vorwahlen, andererseits auf die Tatsache, dass eine Partei nur schwer mehr als acht Jahre die Macht im Weißen Haus innehaben kann.

Die erneuten FBI-Ermittlungen gegen Hillary Clinton und der fehlende Enthusiasmus schwarzer Wähler für die Demokratin könnten die entscheidenden Gründe für die immer knapperen Umfragen sein: Wer derzeit zwischen San Francisco und New York den Fernseher einschaltet, hört vor allem Hiobsbotschaften für die Demokratin.

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Von

dkl

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