Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

02.02.2016

13:30 Uhr

Cruz schlägt Trump

Ted wer?

Er nennt Notenbanker „Philosophenkönige“, fordert den Goldstandard zurück und hat das Kräftemessen der Republikaner in Iowa für sich entschieden: Senator Ted Cruz feilt am Image des radikalen Unruhestifters. Ein Porträt.

Seine Wahlkampagne richte sich gegen „das Desaster des Washingtoner Kartells“, sagte der texanische Senator Ted Cruz nach seinem Sieg in Iowa. AFP

Ted Cruz und seine Frau Heidi

Seine Wahlkampagne richte sich gegen „das Desaster des Washingtoner Kartells“, sagte der texanische Senator Ted Cruz nach seinem Sieg in Iowa.

Des Moines, WashingtonDer texanische Senator Ted Cruz gilt bei Parteikollegen als „wacko bird“ , als „durchgeknallter Vogel“. In normalen Zeiten hätte der erzkonservative Präsidentschaftskandidat der Republikaner keine Aussicht, Abstimmungen zu gewinnen. Doch dieser US-Präsidentschaftskampf ist nicht normal, er ist so populistisch wie nie zuvor.

So spricht sich der 45-jährige Star des rechten Tea-Party-Flügels für eine Rückkehr zum Goldstandard aus, also die Bindung der Währung an die vorhandenen Goldreserven. Notenbanker bezeichnet der Jurist als „Philosophenkönige“, die „versuchen zu erraten, was mit unserer Wirtschaft geschieht“, dabei „ständig falsch“ lägen und Spekulationsblasen aufpumpten.

Cruz entschied am Montagabend überraschend die erste Vorwahl der Republikaner in Iowa für sich. Der Senator aus Texas holte nach Auszählung fast aller Stimmbezirke in dem ländlichen Bundesstaat im Mittleren Westen knapp 28 Prozent. Donald Trump, den letzte Umfragen vorne gesehen hatten, kam demnach auf gut 24 Prozent.

„Lass mich euch sagen: Ich kann es nicht erwarten, auf einer Bühne mit Hillary Clinton zu stehen und zu debattieren“, twitterte der 45-Jährige nach seinem Sieg. „Wir werden gewinnen, indem wir die Wahrheit aussprechen“, fügte Cruz hinzu, der sich selbst als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet. Seine Kampagne sei von Anfang eine Bewegung für Amerikaner gewesen, „die sich gegen das Desaster des Washingtoner Kartells“ stelle.

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


Zum Sieg in Iowa trugen den Senator von Texas die große Unterstützung evangelikaler und konservativer Wähler. Bei einer Wahlkampfparty in Des Moines brachen seine Anhänger nach Bekanntgabe der Ergebnisse in Jubel aus. „Wir wollen Ted“, skandierte die Menge.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer von Horn

02.02.2016, 11:09 Uhr

Übertragen auf Deutschland hiesse das dann, dass nicht die AfD die absolute Mehrheit bei der nächsten Bundestagswahl erringt, sondern die NPD?

Herr Vinci Queri

02.02.2016, 11:45 Uhr

>> Ted wer? >>

Ist doch klar : nach einem Dunkelfarbigen kommt jetzt ein Latino.........bevor eine Frau ran darf.

Dann sind alle Schichten abgedeckt !

Keiner wird sagen können, in USA gäbe es Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten, Raubkapitalismus.

Da Clinton schwer zu einer "Frauenvertreterin" gehört ( alt, dumm, kompromittiert ), wird sie4 kaum eine Chance haben.

Der Latino wird wohl auch das Rennen machen. Die Oligarchen werden das notwendige Kleingeld ( für Wählerkauf und Manipulation ) beisteuern.

Ted wird es machen !

Peter Stein

02.02.2016, 11:47 Uhr

Goldstandard... Was über viele Jahre belächelt wurde wird ob der Risiken wieder überlegenswert. Beim Goldstandard hätten es die Staaten schwer die Bürger über Inflation zu enteignen.
Andererseits sieht der Bürger plötzlich das er gar nicht soo reich ist wie die Politik es ihm einzureden versucht: "Wir sind reich; wir schaffen das... (Ihr könnt noch mehr Steuern zahlen)"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×