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Special

27.07.2016

08:35 Uhr

Die Clintons und Arkansas

Man liebt sie oder man hasst sie

Mehr als 15 Jahre lebten die Clintons zusammen in Bills Heimatbundesstaat Arkansas. In Fayetteville heiratete das Paar, in Little Rock war er Gouverneur. Doch die Unterstützung für Hillary hält sich hier in Grenzen.

US-Wahl

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Little RockDer Weg zu Hillary Clintons früherem Wohnhaus ist gesäumt von ihrem Namen. „Hillary“ steht auf blau-weißen Plastikschildern, die in den manikürten Vorgärten der Center Street stecken. Am Ende der Straße in Little Rock im südlichen US-Bundesstaat Arkansas ragt das Governor's Mansion in die Höhe. In der Villa hinter dem hohen Zaun lebten die Clintons mit kurzer Unterbrechung von 1979 bis 1992. Bill war damals vor seiner Zeit als US-Präsident demokratischer Gouverneur des Bundesstaates. Bi-a-ll, wie sie hier mit Südstaaten-Akzent sagen. Seine Büste steht immer noch vor dem Haus.

„Selbstverständlich kannten wir die Clintons, wir waren ja Nachbarn“, sagt ein älterer Mann, der mit einem Freund in einem der Vorgärten gräbt. Die heiße Südstaaten-Sommersonne lässt die beiden Männer, die ihre Namen lieber nicht sagen wollen, schwitzen. „Jedes Jahr haben sie eine große Weihnachtsfeier für uns alle geschmissen, und im Jahr, bevor Bill Präsident geworden ist, war es dann gleichzeitig auch eine Abschiedsparty. Die beiden waren wirklich sehr gastfreundlich.“

Das „Hillary“-Schild habe seine Frau aufgestellt, sagt einer der Männer. „Sie unterstützt Hillary sehr. Es soll aber wohl auch ein Zeichen der Abneigung für den aktuellen Bewohner der Gouverneurs-Villa sein, den Republikaner Asa Hutchinson.“ Auch er unterstütze Hillary, sagt der andere Mann. „Aber wir sind da nicht gerade in der Mehrheit. Mein Sohn zum Beispiel hat ein Schild im Garten, auf dem steht „Hillary gehört ins Gefängnis“. Hier in Arkansas liebt man die Clintons, oder man hasst sie, dazwischen gibt es nichts. Und der Bundesstaat wird wohl oder übel an (den Republikaner-Kandidaten Donald) Trump gehen.“

Die Skandale der Clintons

Berühmtes Paar, viele Vorwürfe

Hillary und Bill Clinton sind eines der berühmtesten Politikerpaare der Welt. Ihre lange Karriere wird von zahlreichen Skandalen und Vorwürfen begleitet, die 2016 im Wahlkampf wieder aufgekocht werden. Ein Überblick.

Bill Clintons Sexskandale (Auswahl)

Juanita Broaddrick bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 als 35-Jährige vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas.

Paula Jones warf Clinton sexuelle Belästigung vor. Sie erhielt im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung, die kein Schuldeingeständnis einschließt, 850.000 Dollar. Der Skandal wurde Troopergate genannt, weil junge State Trooper angaben, sie hätten Frauen (darunter Jones) an Clinton vermittelt.

Kathleen Willey erklärte, der Präsident habe sie im privaten Studierzimmer des Oval Office unsittlich berührt. Gennifer Flowers gab an, sie habe eine jahrelange Affäre mit Clinton gehabt.

Monica Lewinsky wurde 1998 wegen einer Affäre mit Clinton zur berühmtesten Praktikantin der Welt, ein beflecktes blaues Kleid wurde ebenfalls berühmt. Die Affäre hatte ein Amtsenthebungsverfahren zur Folge und hätte Clinton fast die Präsidentschaft gekostet.

Travelgate

Bestand im Kern darin, dass die Clintons das White House Travel Office durch ein Reisebüro aus Arkansas ausgetauscht haben. Hillary wurden in einem unabhängigen Bericht faktische Falschaussagen vorgehalten.

Whitewater

Name eines Stück Landes am White River in Arkansas, in das die Clintons Ende der 70er Jahre investiert hatten. Synonym für einen der langwierigsten Skandale eines US-Präsidenten. Im Kern stehen Spekulationsvorwürfe. Zahlreiche Menschen wurden verurteilt, den Clintons wurde nie etwas nachgewiesen. Untersuchungen begannen erst nach dem damals ominösen Tod des Weißen-Haus-Mitarbeiters Vince Foster. In seinem Büro wurden Whitewater-Papiere gefunden.

Pardongate

Bestand in umstrittenen Begnadigungen Bill Clintons an seinem letzten Tag im Amt. Im Fokus stand das Pardon für Mark Rich, einen flüchtigen Milliardär. Der Vorwurf: Er sei im Ausgleich dafür begnadigt worden, dass er mit seiner Frau den Clintons sehr viel Geld zukommen ließ.

Der wahre Skandal der Clinton-Ära?

DER WAHRE SKANDAL DER CLINTON-ÄRA?

Das Verhalten der Medien, sagt Joe Klein („Time Magazine“ und Autor von „Primary Colors“). „Der eigentliche Skandal war der Presseskandal. Die Menge an Zeit und Platz, die wir Dingen eingeräumt haben, die nicht wichtig waren oder gar nicht existiert haben.“ Für viele ist die Trivialisierung amerikanischer Medien Erbe der mangelhaften Berichterstattung über die damaligen Skandale.

Benghazi

Im September 2012 wurde das US-Konsulat im libyschen Benghazi von Islamisten attackiert. Vier Amerikaner starben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Vorwurf eins an die damalige Außenministerin Clinton: Sie habe das Konsulat völlig unzureichend schützen lassen. Vorwurf zwei: Anders als von ihr behauptet, seien die Angriffe nicht spontan gewesen, sondern geplant und damit absehbar und zu verhindern.

Hillarys E-Mail-Affäre

Steht im Fokus mehrerer Untersuchungen und bleibt für die voraussichtliche Kandidatin brandgefährlich. Der Vorwurf: Clinton hat in ihrer Zeit als US-Außenministerin ihren E-Mail-Verkehr nicht über das State Department abgewickelt, sondern entgegen aller Vorschriften über einen privaten Server. Am gefährlichsten ist die Untersuchung des FBI, danach könnte sie angeklagt werden.

Die Reden

Beide Clintons haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für das Halten von Reden erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt.

Die Clinton-Stiftung

Vorwurf: massive Interessenkonflikte, Vermischung politischer und privater Interessen, fehlerhafte Steuererklärungen. Ist auch verwoben mit der E-Mail-Affäre.

Quelle: dpa

Abseits der Center Street werden die „Hillary“-Schilder seltener. Auf der Autobahn kurz hinter Little Rock, dessen Flughafen nach Bill und Hillary benannt ist, prangt eine gigantische Werbetafel mit der Aufschrift „Trump. Make America Great Again“. Von einem grauen Pickup-Truck flattert metergroß die umstrittene Konföderierten- Flagge, die Gegnern als Symbol für Unterdrückung der Schwarzen und Sklaverei gilt.

Rund zwei Stunden südwestlich von Little Rock liegt Hope, Arkansas. Hier ist Bill Clinton geboren, 1946, als die Straßen in dem kleinen Städtchen noch nicht geteert waren. Seine vier ersten Jahre verbrachte er in Hope, aufgezogen hauptsächlich von den Großeltern. Der Vater war kurz vor seiner Geburt gestorben, die Mutter ließ sich in New Orleans zur Krankenschwester ausbilden.

Das zweigeschossige grün-weiße Holzhaus in Hope steht noch und ist heute ein Museum, zwischen Fastfood-Lokal, Gebrauchtwagenhändler, Zigaretten-Discounter und Bauernhof-Ausstatter. Die Sonne brennt und in der Luft liegt der beißende Geruch von Gülle. Aus einem kleinen Holzhaus im tiefsten Arkansas in das Weiße Haus in Washington - der erfüllte amerikanische Traum.

„I still believe in a place called Hope“ (auf Deutsch etwa: Ich glaube immer noch an einen Ort namens Hoffnung), hatte Bill Clinton einmal gesagt. Heute steht der Spruch auf T-Shirts und Kühlschrankmagneten im Museumsladen. Rund 12 000 Besucher kämen jedes Jahr, sagt Adam Garrett, der als Ranger bei der Nationalparkbehörde der USA arbeitet, die das Haus verwaltet. Jeden Tag pendelt er etwa eine Stunde aus einem kleinen Ort in Texas zu seiner Arbeitsstelle in Hope. „Meinen Freunden sage ich nur, dass ich bei der Nationalparkbehörde arbeite, nicht wo genau.“

Die meisten Besucher kämen nicht aus Arkansas, sagt Garrett. „Es sind auch nicht mehr geworden, seit Hillary ihre Kandidatur angekündigt hat. Die Menschen in Arkansas haben meiner Meinung nach keine besonders emotionale Beziehung zu Bill und Hillary.“ Vergangene Weihnachten hat irgendjemand das Haus angezündet, seitdem wird es renoviert und konnte monatelang nicht besichtigt werden. Ein Täter ist bislang nicht gefasst.

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