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Special

22.07.2016

06:26 Uhr

Donald Trump auf dem Parteitag

„Wir können nicht mehr so politisch korrekt sein“

VonAxel Postinett

Mehr Sicherheit und weniger Einwanderung: Das verspricht Donald Trump den Amerikanern in einer Grundsatzrede. Der republikanische Präsidentschaftskandidat setzt auf die Stimmen Millionen demokratischer Wähler.

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Cleveland/San FranciscoGemessenen Schrittes trat er von links auf die Bühne. Eine kurze Umarmung für seine Tochter Ivanka Trump, die ihn angekündigt hatte, dann genoss Donald J. Trump die Ovationen seiner Anhänger und ihre „Wir wollen Trump“-Sprechchöre. Dann sprach er die magischen Worte: „Demütig und dankbar nehme ich die Nominierung als Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an“.

Amerika ist seit Donnerstagabend nicht mehr wie es war. Der Quereinsteiger in die Politik, verlacht und selbst von der eigenen Partei lange als Polit-Clown verhöhnt, ist einer von zwei Kandidaten, die um das mächtigste Staatsamt der Welt ringen. Dieses Ziel hat der Unternehmer aus New York allen Unkenrufen zum Trotz erreicht. Er hat 16 Gegenkandidaten, langjährige Berufspolitiker, niedergekämpft und sich eine ganze Partei gefügig gemacht. Ihr Widerstand ist gebrochen, aber noch hat er nicht ihre volle Unterstützung.

Denn wenn es das Ziel des am Donnerstag beendeten Parteitags war die Partei zu einen, dann hat Donald Trump das Klassenziel verfehlt. Eine von Wut, Ärger, Emotionen und Anfeindungen dominierte Veranstaltung ging nach vier Tagen zu Ende. Eine Veranstaltung, der viele der Parteioberen ferngeblieben sind.

Ted Cruz ist „kein kleines Hündchen“

Aggression und Negativismus waberten wie ein beständig berauschender Alkoholdunst durch die Quicken-Loans-Arena. „Lock her up, lock her up“, skandierten 25.000 republikanische Parteimitglieder an die Adresse von Hillary Clinton, „sperrt sie ein, sperrt sie ein“. TV-Bilder zeigten „Hillary for Prison“-Schilder.

Wenn man den Rednern der vergangenen vier Tage Glauben schenken mag, ist Amerika in einem elenden Zustand – ausgenommen die republikanisch regierten Staaten, die sind fantastisch. Ansonsten verrotten Brücken und Straßen, verängstigt eine außer Kontrolle geratene Kriminalität die Menschen, lockt die Regierung in Washington lieber Terroristen und illegale Einwanderer an, war gebetsmühlenartig wieder zu hören.

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Jeder Vorwurf gegen den Präsidenten und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton war ein willkommener Anlass für Jubel auf den Rängen. Der negative, destruktive Charakter des Tages, der bezeichnenderweise den Titel trug „Make America One Again“ – vereinige Amerika wieder –, war so überwältigend, dass sich Tom Barrett, ein Geschäftspartner von Trump, zu Beginn seiner Ansprache genötigt sah, erst einmal eines festzustellen: „Ihr werdet heute nichts Negatives über Hillary Clinton von mir hören. Nur Positives über Donald Trump.“

Doch das war die Ausnahme von der Regel beim Treffen einer noch immer zutiefst gespaltenen Partei. Selbst Ted Cruz, Senator aus Texas, kartete am Morgen nach seiner von Tumulten und Buhrufen begleiteten Rede, bei der er Trump die Unterstützung verweigert hatte, noch einmal nach.

Er werde jemanden, der seine Frau und seinen Vater angegriffen habe niemals unterstützen, wütete er bei einem Treffen mit texanischen Delegierten. Das gemeinsame Versprechen aller Bewerber, den endgültigen Kandidaten zu unterstützen, sei kein „Blankoscheck“. Er sei kein „kleines Hündchen“, das einfach hinterherlaufe.

Trump-Unterstützer wie Chris Christie und Newt Gingrich hatten dafür wütende Antworten parat, aber Trump selbst blieb ungewöhnlich ruhig. „No big deal“, unwichtig, twitterte er nur. Es war klar, dass er einen solch bedeutsamen Tag nicht mit Streit und verbalen Ausfällen beginnen durfte.

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