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Special

08.08.2016

15:13 Uhr

Donald Trump

Ein Populist will seriös werden

Nach Wahlkampfausrutschern ist Donald Trump in Umfragen zurückgefallen. Die Wende soll sein Wirtschaftskonzept bringen. Welche Vorschläge der US-Präsidentschaftskandidat am Abend wohl machen wird.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner liegt in Umfragen zurück. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner liegt in Umfragen zurück.

Manchester/WashingtonNach Wahlkampfausrutschern will Donald Trump mit der Präsentation seiner Wirtschaftsagenda wieder Tritt fassen. Am (heutigen) Montag wollte der republikanische Präsidentschaftsbewerber in einer Ansprache im US-Staat Michigan erklären, wie er mehr Jobs in den USA schaffen und das Land wettbewerbsfähiger machen will. Den Auftritt vor dem renommierten Detroit Economic Club sehen Beobachter zudem als Chance für den Immobilienmogul, sich inmitten einer schwierigen Phase seiner Kampagne als seriösen Kandidaten zu präsentieren.

Zuletzt hatte Trump mit seiner anhaltenden Fehde mit einer muslimischen US-Familie, deren Sohn als Soldat im Irakkrieg umkam, viel Kritik auf sich gezogen - auch aus den Reihen seiner eigenen Partei. Dass er sich dann tagelang weigerte, eine Wahlempfehlung für den republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, auszusprechen, sorgte für eine weitere Ablenkung von Trumps Kampagne. Hinzu kommen Umfragen, wonach Wähler große Bedenken über sein Temperament und seine Eignung für das höchste Staatsamt haben. Hillary Clinton, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, führt derzeit in den Umfragen. In einer Erhebung für die Washington Post und ABC liegt sie mit 50 zu 42 Prozent vorne. In einer Reuters/Ipsos-Umfrage waren es zuletzt nur drei Punkte.

Die Wirtschaftspolitik von Donald Trump

Hintergrund

Seit Mittwoch ist Donald Trump offizieller Bewerber der Republikaner für das Amt des nächsten US-Präsidenten. Der Mann, der sein Vermögen mit rund zehn Milliarden Dollar angibt, will Amerika wieder groß in der Welt machen – auch wirtschaftlich.

Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, gibt er als Ziel an. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steueränderungen angekündigt, die für jeden niedrigere Belastungen mit sich bringen sollen. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Er will das Steuersystem vereinfachen, den Höchstsatz in der Einkommensteuer von derzeit 39,6 auf 25 Prozent kappen und die Erbschaftsteuer ganz abschaffen. Auch Unternehmen sollen künftig mit nur noch 15 Prozent Körperschaftsteuer wesentlich besser dastehen – bislang sind es 35 Prozent. Damit sollen sie an Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten gewinnen.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ seines Landes zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Dabei hält er sich zugute, als Unternehmer bereits für Zehntausende neuer Stellen gesorgt zu haben.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. Darüber will er mit den Handelspartnern bestehende Verträge neu verhandeln. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft er beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten und dabei auf Stärke setzen. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik keine mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten. „Wir werden die Kohle retten“, versprach er im Wahlkampf. Auch der umstrittenen Fracking-Energiegewinnung steht Trump positiv gegenüber.

Trump legt nun den Fokus auf das Thema Wirtschaft, das als eines seiner Steckenpferde gilt. Es wird erwartet, dass der Geschäftsmann in seiner Detroiter Rede seine Forderung nach einer Senkung der Unternehmenssteuer von derzeit 35 Prozent auf 15 Prozent bekräftigt. Damit will Trump das Land für neue Investitionen attraktiv machen. Zudem dürfte er für eine Abschaffung der Erbschaftssteuer und einen vorläufigen Stopp neuer Regulierungen werben.

Zu seinen konkreten Vorschlägen gehört auch eine Option für Eltern, die Kosten für die Kinderbetreuung komplett vom steuerpflichtigen Einkommen abzusetzen. Ferner dürfte Trump seine Forderung nach einer Stärkung der heimischen Energieproduktion erneuern. Dieser Plan soll nach Schätzungen seines Kampagnenteams in den kommenden 40 Jahren auf Kommunal- und Bundesebene zusätzliche sechs Billionen Dollar in die Staatssäckel spülen. Für neue Investitionen in die Infrastruktur dürfte sich Trump ebenso stark machen wie für eine Verbesserung der Schutzmaßnahmen für geistiges Eigentum.

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