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Special

09.11.2016

09:57 Uhr

Donald Trump gewinnt US-Wahl

Der unvorstellbare Präsident

VonJens Münchrath

Sollte Donald Trump als US-Präsident auch nur einen Teil seiner Ankündigungen umsetzen, wird auf dieser Welt nichts mehr so sein, wie es einmal war – nicht geopolitisch, nicht ökonomisch, nicht kulturell. Ein Kommentar.

Amerika bekommt einen Präsidenten, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. dpa

Donald Trump

Amerika bekommt einen Präsidenten, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

WashingtonDie globalen Finanzmärkte geraten ins Trudeln, die politische Welt hält den Atem an: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Nach einem quälend langen und irritierenden Wahlkampf, der der größten Demokratie ein Stück weit die Würde genommen hat, wählen die Amerikaner ausgerechnet jenen Mann, der den größten Beitrag dazu geleistet hat.

Sollte Trump auch nur einen Teil seiner Ankündigungen umsetzen, wird auf diesem Planeten nicht mehr so sein, wie es einmal war - nicht geopolitisch, nicht ökonomisch und auch nicht kulturell. Freihandelsabkommen will er kündigen, ebenso die Beistandsklausel der Nato. Den Islamischen Staat will er innerhalb weniger Wochen „restlos wegbomben“, Autokraten wie Putin die Hand reichen. Immigranten des Landes verweisen.

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Manche können es noch nicht fassen, andere wagen schon einen Ausblick. Während Politiker nach dem Trump-Sieg auf Versöhnung setzen, gehen in den USA Tausende auf die Straße. Die Reaktionen und Entwicklung im Live-Blog.

Sein politisches Programm – wenn man das so nennen mag – ist derart erratisch, dass niemand diesen Milliardär aus New York lange Zeit wirklich ernst nahm. Jetzt wird er tatsächlich die Führungsmacht der freiheitlichen Welt anführen.

Die entscheidende Frage wird jetzt sein, ob Trump seine kruden Vorstellungen durchsetzen kann. Die Voraussetzungen sind da: Die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Und die Verfassung gibt dem Präsidenten ohnehin ein hohes Maß an Durchgriffsrechten.

Trump ist kein Mann des Systems. Er kennt nicht einmal die entsprechenden Leute des Systems, die er als Berater einstellen könnt, sollte er es denn überhaupt wollen. Niemals war der künftige politische Kurs Amerikas unklarer als jetzt. Gewiss ist nur die Ungewissheit. Auch sein erster Auftritt nach dem Wahlsieg gibt Rätsel auf. Plötzlich schlug der Demagoge erstaunlich moderate Töne an.

Bleibt die Frage nach den Ursachen für Trumps überraschenden Erfolg. Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte. Der Milliardär hat sich in dem demokratischsten aller Prozesse durchgesetzt. Er hat den Marathon der Vorwahlen gewonnen, er lag nach unzähligen Wahlkampfauftritten bis zum Wahltag in den Umfragen fast gleichauf mit Clinton. Jetzt hat er gesiegt. Vor ein paar Monaten hätte das kaum jemand für möglich gehalten.

Und dieser Erfolg Trumps hat Gründe. Trump ist es gelungen, Kräfte zu entfesseln, die schon lange unter der Oberfläche schlummerten. Sein Aufstieg ist Symptom der Zerrissenheit der Republikanischen Partei und verkörpert die tiefen Probleme in der amerikanischen Gesellschaft als Ganzes.

Kommentare (63)

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Herr Norbert Bluecher

09.11.2016, 10:07 Uhr

Die größte Demokratie der Welt ist immer noch Indien.

Herr Tante Mila

09.11.2016, 10:17 Uhr

Vielleicht sollten sich die "etablierten" Politiker mal fragen, warum sie einen großen Teil der Wähler, besonders die Abstiegsgeängstigten nicht mehr erreichen können und warum sie ihnen nicht vermitteln können, warum die scheinbar so einfachen Rezepte der sog. Populisten, am Ende alles nur schlimmer machen. Es fehlt die klare inhaltliche Auseinandersetzung in verständlichen Worten, anstelle von stereotypen Plattitüden. Das gilt für den Brexit, das gilt für die USA, für die EU, für Deutschland usw. Und es wird sich auch in Frankreich bald zeigen. Die Leute glauben immer zuerst das, was sie glauben wollen. Wenn der schöne Traum dann hinterher zerplatzt (siehe Brexit), ist es leider zu spät.

Herr Peter Kastner

09.11.2016, 10:17 Uhr

Hey Leute, seine Antrittsrede war doch schwer in Ordnung, vielleicht macht er es in Wirklichkeit gar nicht so schlecht. Die Mehrheit der Amerikaner hat sich eine Meinung gebildet. Die schönen Bilder von H.C. und A.M. wird es nun ja nicht geben.

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