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Special

29.01.2016

06:37 Uhr

Donald Trump im US-Wahlkampf

Jahrmarkt der Eitelkeiten

VonAxel Postinett

Sieben gegen einen ist normalerweise unfair. Aber bei den TV-Debatten der Republikaner im US-Wahlkampf ist es anders. Denn es ist Donald Trump, der verspottet wird. Doch der kann punkten, obwohl er gar nicht dabei ist.

„Wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“ AFP

Donald Trump

„Wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“

San FranciscoAlle Kameras waren auf die Bühne gerichtet – und Donald Trump war nicht da. Doch Senator Ted Cruz, Nummer zwei la Umfragen bei den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nach Donald Trump, beantwortete dafür direkt die erste Frage nach der Abwesenheit von Trump bei einer Podiumsdiskussion in Des Moines, Iowa: „Wir sind alle blöd, sehen schlecht aus und Du, Ben (Carson), bist ein schlechter Chirurg“, warf er in die überraschte Runde der sechs anderen Präsidentschaftskandidaten, die mit ihm auf der Bühne standen. Nur um dann unter Gejohle im Saal anzufügen „So, ich glaube wir haben damit jetzt den Donald Trump-Teil genügend abgearbeitet.“

Es war der Abend, an dem man froh war, zwei Fernseher im Haus zu haben. Der Gescholtete Trump hielt nur wenige Kilometer weiter auf einer Galaveranstaltung Hof und betonte in der auf mehreren Kabelsendern und im Internet übertragenen Rede seine Opferrolle. „Ich will gar nicht hier sein“, sagte er den anwesenden Kriegsveteranen offen ins Gesicht. „Da wollen wir ehrlich sein. Aber wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“ Applaus!

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


Er hatte sich vom Sender Fox News, Ausrichter der anderen Diskussion, schlecht behandelt gefühlt und seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Nun genoss er das Scheinwerferlicht einer Spendengala, die ansonsten wahrscheinlich nicht einmal den Reporter einer Lokalzeitung gesehen hätte. Aber für Politiker ist eine Veteranenveranstaltung eine sichere Bank. Da sind Sympathien garantiert und wenn Trump auftritt, dann drängen sich die Medien in den kleinsten Raum.

Trump gab sich joval, vermied weitestgehend direkte Attacken auf seine nicht anwesenden Gegner und sonnte sich im Applaus seiner One-Man-Show. Nur einmal musste er seine bekannten „low energy“-Sprüche über Jeb Bush anbringen, so als vermisste er seinen Lieblingsgegner. Die Präsidentschaftskandidaten Nick Santorum und Mike Huckabee waren Trump zu Hilfe gekommen. So sonnten sie sich in seinem Schein. Sie hatten aber ohnehin genug freie Zeit, denn sie wären wegen mangelnder Umfragewerte nie in der Debatte der großen acht, Trump mitgerechnet, aufgetreten. Der kokettierte mit seinem aufrichtigen Mut: „Ob es klug war da nicht teilzunehmen, ob ich dadurch gewinne oder verliere – ich weiß es nicht.“

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