Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

21.11.2016

10:33 Uhr

Donald Trump und Mexiko

Nachbarn in Panik

Kein Land fürchtet Donald Trump so sehr wie Mexiko. Millionen von Mexikanern könnten unter dem baldigen US-Präsidenten abgeschoben werden. Weil es in ihrer Heimat an Jobs mangelt, droht dort eine neue Gewaltwelle.

2015 schickten Migranten fast 25 Milliarden Dollar (rund 23,2 Milliarden Euro) nach Mexiko. Die finanzielle Stütze könnte mit Trumps Einzug ins Weiße Haus wegbrechen. Reuters

Trump-Gegner in Ciudad Juarez

2015 schickten Migranten fast 25 Milliarden Dollar (rund 23,2 Milliarden Euro) nach Mexiko. Die finanzielle Stütze könnte mit Trumps Einzug ins Weiße Haus wegbrechen.

Mexiko-StadtMexiko muss sich ernsthaft darauf einstellen, dass Millionen seiner Bürger aus den USA abgeschoben werden könnten. Die Pläne des gewählten US-Präsidenten Donald Trump hätten für das Land weitreichende Folgen, denn ausreichend Jobs gibt es für die Rückkehrer nicht. Der Staat könnte zudem einen Teil der Milliardensumme verlieren, die bislang jährlich von Mexikanern in den USA nach Hause überwiesen wurde. Auch geht die Furcht um, dass sich arbeitslose Abgeschobene Drogenkartellen anschließen und dadurch weitere Gewalt auslösen könnten.

Der Gouverneur des südmexikanischen Staats Guerrero, Héctor Astudillo, hatte sich am Wochenende mit diesem Szenario beschäftigt. Mindestens eine Million Bewohner aus Guerrero leben derzeit in den USA, viele von ihnen illegal. Der Staat hat bereits mit Drogenbandengewalt und Armut zu kämpfen.

Die Chronologie des Donald Trumps

Karriere

Es ist eine der steilsten Blitzkarrieren in der jüngeren Geschichte der US-Politik. Innerhalb eines Jahres hat der umstrittene Immobilienmilliardär Donald Trump die Republikanische Partei erobert und ist nun ihr Präsidentschaftskandidat. Als krasser Außenseiter ohne jegliche politische Erfahrung gestartet, konnte der Rechtspopulist mit ebenso simplen wie radikalen Parolen die Frustrationen von Millionen von Wählern bündeln und 16 republikanische Konkurrenten ausstechen.

16. Juni 2015

Bei einem pompös inszenierten Auftritt in seinem New Yorker Trump Tower verkündet Trump seine Bewerbung um das Präsidentenamt. Zugleich setzt er mit einer wütenden Attacke gegen mexikanische Einwanderer den Ton für seine Kampagne: „Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen.“

7. August 2015

Nach seiner ersten TV-Debatte als Präsidentschaftsbewerber geifert Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“ Auch in der eigenen Partei löst die frauenfeindliche Bemerkung heftige Kritik aus.

24. September 2015

Trump verkündet, dass er nicht an den Klimawandel glaubt: „Wetter ändert sich nun mal. Es gibt Stürme und Regen, und es gibt schöne Tage.“

7. Dezember 2015

Nach dem Attentat im kalifornischen San Bernardino fordert der Milliardär ein generelles Einreiseverbot für Muslime. Eine Welle der Entrüstung im In- und Ausland folgt, seine Umfragewerte steigen.

1. Februar 2016

Trump unterliegt in der ersten Vorwahl der Republikaner gegen Ted Cruz im Bundesstaat Iowa. Er wirft dem Senator Wahlbetrug vor.

1. März 2016

Am ersten „Super Tuesday“ der Vorwahlen holt Trump sieben Bundesstaaten. Nun ist er endgültig der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur.

3. März 2016

Der Baulöwe bezieht in einer Fernsehdebatte Stellung zu seinem Geschlechtsteil. Weder seine Hände noch „etwas Anderes“ seien klein. Sein Rivale Marco Rubio hatte zuvor einen schlechten Witz über Trumps Penisgröße gemacht.

24. Juni 2016

Das Brexit-Votum der Briten findet Trump „fantastisch“.

15. Juli 2016

Trump präsentiert seinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt. Der Gouverneur von Indiana, Mike Pence, ist ein Liebling des erzkonservativen Flügels.

19. Juli 2016

Trump wird vom Parteitag als Präsidentschaftskandidat nominiert.

„Natürlich ist Guerrero nicht in der Lage, die Million oder mehr als eine Million Migranten“ aus den USA aufzunehmen, sagte Astudillo. Im Gegenteil, sie seien durch ihre Überweisungen eine wichtige Stütze für die Wirtschaft von Guerrero gewesen.

2015 schickten Migranten fast 25 Milliarden Dollar (rund 23,2 Milliarden Euro) nach Mexiko. Experten sagen, dass der größte Teil dem ärmsten Teil der Bevölkerung zugutekam. Trump hat angedeutet, er könnte das Geld jener Einwanderer beschlagnahmen, die nicht abgeschoben würden, um für eine Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko zu zahlen.

Mexiko fehlen bereits jetzt 800.000 neue Jobs für junge Leute, die jedes Jahr als Arbeitskräfte hinzukommen, wie Alejandra Barrales von der linksgerichteten Demokratischen Revolutionspartei erklärt. Man müsse „(Job-)Gelegenheiten schaffen, nicht nur für Menschen, die abgeschoben werden könnten, sondern für die 1,2 Millionen jungen Menschen, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt dazustoßen“, sagt sie.

Die mexikanische Bundesregierung kündigte jüngst einen Notfallplan an, um Unternehmen dazu zu ermutigen, rückkehrende Migranten anzustellen. Armando Osorio hat seine Zweifel, dass dies ausreichen werde. „Diese Leute haben keine moralische Autorität, um zu sagen, dass sie ihre Landsleute mit offenen Armen empfangen werden“, sagt Osorio, ein Lehrer aus Mexiko-Stadt. „Sie sind diejenigen, die hauptsächlich für den erzwungenen Exodus von Millionen von Mexikanern verantwortlich sind, die nicht genug zum Essen haben.“

Selbst wenn Trump beim Thema Massenabschiebungen zurückzurudern scheint, ist die Aussicht darauf für Menschen in Mexiko weiter beängstigend. Trump sagte am Sonntag in einem Interview in der Nachrichtensendung „60 Minutes“, dass kriminelle und vorbestrafte Menschen aus den USA gebracht werden sollten. Betroffen seien „wahrscheinlich zwei Millionen“, es könnten aber auch drei Millionen sein, erklärte er.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×