Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

10.11.2016

02:18 Uhr

Eilantrag wegen angeblicher Wahlmanipulation

Die Richterin, die Trump die Grenzen aufzeigt

VonAxel Postinett

Im US-Bundesstaat Nevada soll es schwere Wahlmanipulationen gegeben haben. Das jedenfalls sieht Präsidentschaftskandidat Donald Trump so. Doch seinen Eilantrag weist eine Richterin auf bemerkenswerte Art zurück.

Richterin Gloria J. Sturman weist den Anwalt von Donald Trump zurecht.

Vor Gericht

Richterin Gloria J. Sturman weist den Anwalt von Donald Trump zurecht.

San FranciscoRichterin Gloria J. Sturman aus Clark County in Nevada ist eine resolute Frau, und jetzt auch ein Internetstar. „Haben Sie schon mal Twitter gesehen? Oder TV-Shows? Es gibt Trolle im Internet“, kanzelte sie ruhig, aber sehr bestimmt, einen verdatterten Anwalt des Trump-Teams in ihrem Gerichtssaal ab, „die solche Informationen bekommen und dann Menschen schikanieren, die nichts anderes machen, als ihren Mitbürgern helfen zur Wahl zu gehen. Warum soll ich eine Verfügung ausstellen, um die Namen von Menschen öffentlich zu machen, die nur ihre öffentliche Pflicht erfüllen?“ Das Video ist bereits ein viraler Hit.

Der Anwalt hatte zuvor die Namen der ehrenamtlichen Wahlhelfer verlangt, die am vergangenen Freitag entschieden hatten, eine Wahlstation in einem Supermarkt nach der offiziellen Schlusszeit um 20 Uhr offen zu halten, damit mehrere hundert Menschen, die seit Stunden in einer langen Schlange gewartet hatten, noch ihre Stimme abgeben konnten. Nachdem der Supermarkt – ausgerechnet ein mexikanischer – dann um 22 Uhr geschlossen hatte, hatte ein aufgebrachter „Wahlbeobachter“ des Donald-Trump-Teams berichtet, habe man sogar noch die Menschen, die im Laden waren, wählen lassen.

Deshalb schritt das juristische Team des Republikaners sofort in Aktion und verlangte die Namen der Mitarbeiter und ein Aussortieren der Wahlurnen des mexikanischen Supermarktes. So sollten die dort abgegebenen Stimmen ungültig gemacht werden können, falls die Wahlprozeduren für illegal erklärt würden. Völlig unmöglich, klärte die Richterin die Anwälte auf. Das Wahlsystem sei nun mal so angelegt, dass man geheim wähle.

Am Ende wurden alle Anträge abgeschmettert, nicht zuletzt weil offenbar auch grobe Verfahrensfehler vorgelegen hatten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Und die Richterin erteilte den Trump-Vertretern einmal mehr eine Standpauke in Demokratie und stellte zugleich die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe infrage.

Aufgebrachte Stimmung in Washington

„Not my President“ - Proteste vor dem Trump-Hotel

Aufgebrachte Stimmung in Washington: „Not my President“ - Proteste vor dem Trump-Hotel

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die Sache war über das Wochenende eskaliert, als Trump wütete, die Demokraten hätten Wähler noch mit Bussen zu dem geöffneten Wahlstandort gefahren. Der Vorsitzende der republikanischen Partei Nevadas wurde noch deutlicher. Laut „TheDailyBeast“ wurde der vorwiegend von Mexikanern frequentierte Supermarkt nur offengehalten, damit „eine bestimmte Gruppe“ noch wählen gehen konnte.

Den Ansturm auf die Wahllokale schreibt sich aber die lokale Culinary Union Local 226 auf die Fahnen, in der viele der mexikanischen Arbeiter organisiert sind, die in Restaurants oder anderen Betrieben der Gastronomiewirtschaft arbeiten, nicht selten zu Mindestlöhnen. Viele können es sich nicht leisten, einen Arbeitstag ausfallen zu lassen und so mancher Arbeitgeber gibt zu Wahltagen grundsätzlich keine freien Tage. Also bleibt nur der späte Abend. Und die Gewerkschaft hat nicht lockergelassen, ihre Mitglieder zur Wahl zu drängen.

Über Monate hinweg baute Donald Trump höchstpersönlich die Kulisse einer zu seinen Ungunsten manipulierten Wahl auf, spricht von Betrug. Er sorgte für einen öffentlichen Aufschrei, als er in der letzten Kandidaten-Debatte erklärte, er halte es sich offen, das Wahlergebnis bei einer Niederlagen anzufechten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Annette Bollmohr

09.11.2016, 17:48 Uhr

"Das Video ist bereits ein viraler Hit."

Gut. Bitte mehr solcher Video-Nachrichten, da kann sich jeder selbst ein klares Bild machen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×