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Special

20.11.2016

18:14 Uhr

Ein besonderes Machtinstrument

Trumps juckender Twitter-Finger

Ein virtuelles Wortgefecht mit einer Musical-Besetzung ist nur ein Beleg: Auch als „President-elect“ giftet Donald Trump über soziale Netzwerke gegen Kritiker. Er greift Medien an und hat ein Lieblings-Satzzeichen: „!“

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New YorkFox-News-Moderatorin Megan Kelly ist ein Rockstar des US-Fernsehjournalismus. Sie verdient einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr – und obwohl sie für den rechtskonservativ ausgerichteten Sender arbeitet, ist sie in der US-Wahlkampfberichterstattung mehrfach mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump, einem Republikaner, aneinander gerasselt. Seit einigen Tagen spricht Kelly in US-Medien über eine dieser Episoden.

In ihrer Sendung „The Kelly File“ hatte sie den Bericht einer Nachrichtenwebsite aufgegriffen, die von einem alten Vorwurf Trumps erster Ehefrau Ivanka Trump berichtet hatte. Diese habe einmal den Vorwurf erhoben, von Donald Trump während ihrer Ehe vergewaltigt worden zu sein – diese Behauptung aber später zurückgezogen. Kelly sendete im Sommer 2015 ein Interview mit dem Autor des Artikels und konfrontierte ihn unter anderem damit, warum ein drei Jahrzehnte alter Vorwurf wieder aufgewärmt werde.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Doch Donald Trump störte sich daran, dass Fox News überhaupt auf das Thema einging. Er griff nach der Ausstrahlung zum Telefon und beschwerte sich lautstark bei Kelly. Er schimpfte, kurz davor gewesen zu sein, „mein wundervolles Twitter“ gegen sie loszulassen, erzählt Kelly. Die Drohung machte er zwar nicht wahr – aber der Twitter-Account als Machtinstrument war spätestens jetzt etabliert.

Trump University

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15,5 Millionen Follower haben die maximal 140 Zeichen langen Texte des Twitter-Kontos @realdonaldtrump abonniert. Die „New York Times“ veröffentlichte in den Wochen vor der Wahl eine Doppelseite mit Hunderten von diffamierten und scharf kritisierten Bevölkerungsgruppen, Ländern oder Personen, die Trump über Twitter veröffentlicht hatte. Und wenige Tage vor der Wahl machte ein Bericht die Runde, wonach Trump von seinen Beratern der Zugriff auf den Kanal verwehrt worden sei, da sie auf weniger Scharfzüngigkeit gepocht hätten. Das wies er später zurück.

Doch auch wenn nicht klar ist, ob Trump seit der Wahl selbst twittert oder twittern lässt – an Schärfe haben die Kurzbeiträge nichts verloren und auch direkte Angriffe gehören weiter dazu. Am Sonntag etwa beschwert er sich über die Satiresendung „Saturday Night Life“. Er habe einen Auszug der Show gesehen und halte die Comedy-Serie für „einseitig, verzerrt und überhaupt nicht lustig“. Die „New York Times“ habe „Tausende Abonnenten wegen ihrer sehr armseligen und hochgradig ungenauen Berichterstattung über das ‚Phänomen Trump‘“ verloren“.

Die Zeitung konnte allerdings kontern: Allein in der Woche nach der Wahl habe man 41.000 Abonnenten hinzugewonnen. Trumps Tweet war somit keine Kritik mehr, sondern eine bestenfalls nicht belegte Behauptung.

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