Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

11.11.2016

08:33 Uhr

Facebook und Trump

Zuckerbergs fragwürdige Verteidigung

VonBritta Weddeling

Welchen Anteil hat Facebook am Sieg von Donald Trump? Erstmals nach der US-Wahl versucht Mark Zuckerberg, die Vorwürfe gegen sein Netzwerk zu entkräften. Den wichtigsten Fragen weicht er bei seinem Auftritt jedoch aus.

Der Facebook-Chef hat sich erstmals seit dem Sieg von Donald Trump zur Rolle seines Netzwerks im US-Wahlkampf geäußert. AFP; Files; Francois Guillot

Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef hat sich erstmals seit dem Sieg von Donald Trump zur Rolle seines Netzwerks im US-Wahlkampf geäußert.

Half Moon BaySchon lange bevor Mark Zuckerberg die Bühne betrat, war im Ritz Carlton, dem Luxus-Resort in Half Moon Bay, eine gute Autostunde von San Francisco entfernt, die Anwesenheit des Facebook-Chefs spürbar. Radikal hatten die Veranstalter die Temperatur im Konferenzraum heruntergeregelt, auf gefühlt jenseits der Kühlschranktemperatur. Der Facebook-Chef, der stets im grauen T-Shirt auftritt, komme leicht ins Schwitzen, hieß es zur Begründung.

An diesem Donnerstag gab es durchaus Grund dazu. Seit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten debattiert das Silicon Valley, debattiert die Welt, wie es zu dem Ergebnis kommen konnte, das keiner, angeblich nicht einmal Trumps Partei selbst, vorausgesehen hatte. Eine Frage ist dabei, welche Rolle Facebook spielte. Ohne das Zuckerberg-Netzwerk wäre der Sieg des Republikaners so kaum möglich gewesen.

Reaktionen aus dem Netz

Wie kein anderer wusste der Immobilien-Mogul die Reichweite der sozialen Medien zu nutzen, zum Verbreiten von Parolen wie einem Einreisestopp für Muslime. Ungefiltert, kritiklos, direkt ans Publikum – bei Facebook konnte er das alles senden. Nebeneffekt für Facebook: Je mehr Aufregung, desto mehr Werbeeinnahmen. Zehntausende klickten „Gefällt Mir“, kommentierten oder teilten Falschmeldungen, die sich weiterverbreiteten und aufgrund der Popularität im Newsfeed noch weiter nach oben gespült wurden.

Facebook war zum Ort der Desinformation geworden, zu einer Matrix, in der Nutzer in einer Filterblase vor sich hin schaukeln und ein Algorithmus Altbekanntes präsentierte, aber nichts Neues mehr oder gar Vielfalt. Statt Menschen in einem politischen Diskurs zu vernetzen, hatte die Technologie sie getrennt, auf lautlose, kaum spürbare Weise.

Bislang fühlt sich Facebook für all das nur bedingt zuständig, erst recht nicht für Hassreden. Nutzer könnten Verstöße melden, man sei schließlich eine Plattform und kein Medienunternehmen. Die Haltung ist jedoch wenig konsequent, greift man an anderer Stelle dann aber doch ein, löscht Posts nach teils fragwürdigen Kriterien. Über die Zahl der Mitarbeiter, die entsprechende Anträge bearbeiten, hüllt sich das Netzwerk in Schweigen.

An diesem Nachmittag, als Gast bei der Branchenkonferenz Techonomy, führt Facebook seine seltsame Kommunikationsstrategie fort. Konzernchef Zuckerberg tut alles, um die Vorwürfe und die Macht seines Unternehmens kleinzureden. Hat das Netzwerk den Sieg des Populisten kommen sehen? „Nicht wirklich“, behauptet Zuckerberg. „Es gibt keinen Weg, dass unsere Firma so etwas gewusst hätte.“

Das ist wenig glaubwürdig. Schließlich erfasst Facebook die Vorlieben und Ansichten seiner Mitglieder ganz im Gegenteil sogar und nutzt sie zu Werbezwecken, so wie auch den Rest aller Informationen. Nur wenn es um politische Meinungsäußerung geht, sollen qualitative Aussagen angeblich nicht möglich sein? „Wir können das machen“, sagt Zuckerberg. „Aber das hätte auch jeder andere tun können.“ So als hätte jedermann Zugriff auf die Daten von zwei Milliarden Nutzern weltweit.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

11.11.2016, 09:02 Uhr

Facebook ist eine Plattform die von den Mitgliedern mit Inhalt gefüllt wird.

Das die Menschen wenn sie merken, dass sie bewusst manipuliert und angeschwindelt werden sich andere Medien suchen erstaunt mich nicht. So haben dann einige Facebook mit Inhalten gefüllt und viele haben diese Inhalte konsumiert.

Die Ansicht dass die Menschen einem Meinungsdiktat des jeweiligen Regimes zu unterwerfen sind ist sowjetisch und entspricht der Haltung der DDR und der Merkel BRD.

G. Nampf

11.11.2016, 09:08 Uhr

"Der Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung seiner Firma weicht Zuckerberg ebenfalls aus. Auch von einem Problem mit Desinformation oder mangelnder Transparenz des Unternehmens will er nichts wissen."

Warum hat Clinton nicht genauso FB genutzt wie Trump?

Fehlt es ihr vielleicht an Medienkompetenz?

FB stellt eine kommerzielle Plattform zur Komminkation bereit. Jeder kann FB nutzen (ich tue das nicht), solange er sich an die Gesetze seines Landes und die AGB von FB hält. FB muß sich nicht für dafür verteidigen, daß eine Partei- welche auch immer - eine Wahl verloren hat.

Novi Prinz

11.11.2016, 09:18 Uhr

Die sozialen Medien sind von denen in den Himmel gehoben worden , die jetzt ihre Existenz beklagen !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×