Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

03.03.2016

19:16 Uhr

„Gefährlicher als Kim Jong Un“

US-Außenpolitiker warnen in Brandbrief vor Kandidatur Trumps

Rund 70 US-Republikaner mit außenpolitischem Renommee haben einen Brandbrief gegen Donald Trump unterzeichnet. Einer verglich den Milliardär gar mit dem nordkoreanischen Diktator: Trump sei gefährlicher als Kim Jong Un.

Unter den Unterzeichnern ist auch Robert Zoellick, der ehemalige Chef der Weltbank. AFP; Files; Francois Guillot

Ex-Weltbank-Chef

Unter den Unterzeichnern ist auch Robert Zoellick, der ehemalige Chef der Weltbank.

WashingtonMindestens 70 US-Außenpolitiker der Republikaner haben sich in einem gemeinsamen Brandbrief gegen eine Präsidentschaftskandidatur des Milliardärs Donald Trump ausgesprochen. „Herr Trumps Äußerungen lassen uns zu dem Schluss gelangen, dass er als Präsident die Autorität seines Amtes nutzen würde, um auf eine Weise zu handeln, die Amerika weniger sichermachen und die unser Ansehen in der Welt vermindern würde“, heißt es in dem im Internet veröffentlichten Schreiben.

Zudem stelle Trumps Auffassung, wie ein Präsident gegen Widersacher vorgehen dürfe, eine „deutliche Bedrohung der Bürgerrechte in den USA“ dar. Die Unterzeichner, zu denen Ex-Weltbank-Chef Robert Zoellick oder Ex-Heimatschutzminister Michael Chertoff zählen, hielten fest, als „treue Republikaner“ sei es ihre Aufgabe, „die Wahl von jemanden zu verhindern, der so völlig unpassend für das Amt ist“. Trump wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Die Initiatoren veröffentlichten den Brief nach Trumps Siegeszug bei den Vorwahlen am Dienstag, mit dem er seine Rolle als Favorit auf die Kandidatur der Republikaner für die Präsidentenwahl festigte. Während der 69-Jährige mit seinen konfrontativen Auftritten und populistischen Äußerungen bei vielen an der Parteibasis gut ankommt, befürchtet insbesondere die Führung der Republikaner, dass mit ihm die landesweite Abstimmung im November gegen die Demokraten nicht zu gewinnen ist, weil seine Ansichten nicht mehrheitsfähig sind. Das republikanische Establishment versucht deshalb fieberhaft, Trumps Durchmarsch bei den Vorwahlen doch noch aufzuhalten.

Der Brief erteilt einer ganzen Reihe von Trumps außenpolitischen Vorschlägen eine Absage, etwa auf Kosten Mexikos eine Mauer entlang der Grenze zu den USA zu bauen. Auch Trumps anti-muslimischen Kommentare werden zurückgewiesen. Max Boot, einer der Unterzeichner und außenpolitischer Berater des 2012 gescheiterten Kandidaten Mitt Romney, sagte, er würde eher für Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un arbeiten als für Trump. „Ich glaube, Donald Trump ist objektiv gefährlicher als Kim Jong Un und weniger stabil.“

US-Republikaner: Ex-Kandidat Romney will Trump unbedingt verhindern

US-Republikaner

Ex-Kandidat Romney will Trump unbedingt verhindern

Sollte Donald Trump für die Republikaner ins Rennen um die US-Präsidentschaft gehen, fürchtet Mitt Romney um die Zukunft des Landes. Vor Studenten nennt er den Milliardär einen „Schwindler“. Trump reagiert umgehend.

Überwiegend wurde der auf dem Politikblog War on the Rocks veröffentlichte Brief von Vertretern des moderaten als auch des neokonservativen Parteiflügels unterschrieben, die für eine starke internationale Rolle der USA eintreten und von denen viele während der Präsidentschaft von George W. Bush zwischen 2001 und 2009 wichtige Ämter innehatten. Nicht dabei waren Parteigrößen wie die Ex-Außenminister Condoleezza Rice und Colin Powell. Ob sie gefragt wurden, sich zu engagieren, war nicht klar. Auch im Ausland wächst die Sorge, welchen Kurs die USA unter einem Präsidenten Trump fahren könnten.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×