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Special

11.08.2016

14:57 Uhr

Geldhäuser und die US-Wahl

Kleine Banken werden zum großen Thema

VonFrank Wiebe

Das Bankensterben in den USA schieben Republikaner gerne auf die starke Regulierung der Branche. Doch ein neuer Bericht aus dem Weißen Haus belegt: An den strengeren Anforderungen liegt es nicht.

Das Bankensterben ist ein politisches Thema in den USA. Imago

Bankautomat in New York

Das Bankensterben ist ein politisches Thema in den USA.

New YorkSeit dem Jahr 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, sind in den USA mehr als 500 Banken zusammengebrochen. Das ist im US-Präsidentschaftswahlkampf ein hoch politisches Thema, denn von den Pleiten waren überwiegend kleinere Banken im ländlichen Raum betroffen. Während die Großbanken bei Republikanern und Demokraten gleichermaßen unbeliebt sind, gelten die kleinen Banken bei Politikern als schutzwürdig.

Keiner traut sich schlecht über sie zu reden. Die Republikaner um Donald Trump nutzen vielmehr das Bankensterben, um die schärfere Regulierung der Banken anzuprangern. Als „Dodd-Frank-Act“ wurde sie im Jahr 2010 unter der Regierung von Barack Obama verabschiedet.

Präsident Barack Obama im Gespräch mit (von rechts) Chris Dodd, dem Senator Dick Durbin und Repräsentant Barney Frank, den Initiatoren des Dodd-Frank-Acts. PR

Treffen im Weißen Haus

Präsident Barack Obama im Gespräch mit (von rechts) Chris Dodd, dem Senator Dick Durbin und Repräsentant Barney Frank, den Initiatoren des Dodd-Frank-Acts.

Nun aber belegt eine Studie des ökonomischen Beirats im Weißen Haus: Nein, Dodd-Frank ist nicht die Ursache für das Bankensterben in den USA. Anders gesagt: Die verschärfte Gesetzgebung, die der Finanzkrise des Jahres 2008 folgte, hat die kleinen Banken den Landes nicht übermäßig belastet – und auch die Versorgung der Amerikaner mit Bankdienstleistungen nicht eingeschränkt.

„Zugleich haben aber viele Community Banks, vor allem die Kleinsten, schon seit Jahrzehnten vor der Finanzkrise längerfristige strukturelle Probleme“, heißt es in dem Bericht. Als Community Banks gelten Institute mit weniger als zehn Milliarden Dollar Bilanzsumme. Das Wachstum bei Banken mit Bilanzen zwischen 100 Millionen und zehn Milliarden Dollar sei gesund, nur darunter gebe es Probleme, heißt es. Dass es so wenig Neugründungen gebe, liege unter anderem an den niedrigen Zinsen.

Die größten US-Banken (nach Bilanzsumme)

Platz 10

State Street

227 Milliarden Euro


Stand: Anfang November 2015. Quelle: Bloomberg, EU-Kommission

Platz 9

PNC Financial

285 Milliarden Euro

Platz 8

BoNY Mellon

318 Milliarden Euro

Platz 7

US Bancorp

333 Milliarden Euro

Platz 6

Morgan Stanley

662 Milliarden Euro

Platz 5

Goldman Sachs

708 Milliarden Euro

Platz 4

Wells Fargo

1394 Milliarden Euro

Platz 3

Citigroup

1523 Milliarden Euro

Platz 2

Bank of America

1739 Milliarden Euro

Platz 1

JP Morgan

2127 Milliarden Euro

Gut 6.100 Geldinstitute zählt die US-Einlagensicherung (FDIC), die Routine in der Abwicklung pleite gegangener Kleinbanken hat. Hinzu kommen noch Tausende von Kreditgenossenschaften, die in Amerika nicht als „Banken“ bezeichnet werden, aber ein ähnliches Geschäft betreiben. Sie unterstehen einer eigenen Behörde.

In manchen ländlichen Gebieten sind die kleinen Banken allein präsent, weil die Großbanken dort keine Filialen haben. Manche haben nur eine Handvoll Angestellter, sie sind viel kleiner als zum Beispiel deutsche Sparkassen. Ihre Darlehen reichen sie häufig gleich weiter an Investmentbanken. Das erklärt, wie sie mit ihren winzigen Bilanzen überhaupt die Kreditversorgung sicher stellen können.

In den überwiegend konservativen ländlichen Gegenden sind die Banker häufig auch einflussreiche Persönlichkeiten innerhalb ihrer Kleinstädte, die nicht nur Geld für den Wahlkampf spenden, sondern auch Veranstaltungen organisieren. Dabei entsprechen viele stolze „Towns“ in den USA von ihrer Einwohnerzahl her eher deutschen Dörfern als Städten. Es gibt aber auch in Großstädten Kleinbanken, etwa in New York, sogar in unmittelbarer Nähe der Wall Street.

Jeb Hensarling, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Abgeordnetenhaus, ist ein gern gesehener Gast bei der ABA, dem US-Bankenverband, in dem die Kleinbanken das Sagen haben und er ist ihr einflussreichster Lobbyist. Fast alle Politiker und Aufseher sehen vereinfachte Auflagen für die kleineren Institute vor, was im Ausland manchmal für Verärgerung sorgt, wenn es dort entsprechende Ausnahmen nicht gibt.

Obwohl das Dodd-Frank-Gesetz damals von beiden großen Parteien der USA gemeinsam beschlossen worden ist, wird der neue Bericht schon aus politischen Gründen nicht überall Zustimmung finden. Denn er signalisiert: Die Regierung Obama ist nicht schuld an den Problemen der einflussreichen kleinen Banken.

Kommentare (6)

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Frau Annette Bollmohr

11.08.2016, 15:19 Uhr

Heute auf Seite 30 im „Handelsblatt“ zu lesen:

„Vorwürfe im Flüchtlingsskandal“ (geht um Menschenrechtsverletzungen in australischen Flüchtlingslagern, die Canberra per Abkommen seit Jahresbeginn unter der Verantwortung des spanischen Infrastrukturgiganten Ferrovial auf der abgelegenen Pazifikinsel Nauru und in Papua-Neuguinea betreiben lässt, und um die Rolle der Banken dabei).

Ausschnitt aus o.g. Artikel:

„Ehemaligen Mitarbeitern wie Ärzten und Sozialarbeitern drohen zwei Jahre Haft, wenn sie von Menschenrechtsverletzungen sprechen, die sie beobachtet hätten.“

???!

Welche Länder sind das nochmal? Australien und Spanien?

Und überhaupt:

Was nützen Verträge - ganz allgemein jetzt, also nicht nur bei oder mit Banken - noch, wenn sie in Wahrheit oft eher Pakte mit dem Teufel sind?


Rainer von Horn

11.08.2016, 15:19 Uhr

Nachdem 2008 die Finanzkrise ausbrach, wollte man
1. sich aus der Abhängigkeit der grossen Banken befreien. Keine Bank sollte mehr so gross sein, dass sie die Gesellschaft erpressen könnte,
2. die gegenseitige Abhängigkeit von Staat und Banken im Staatsanleihegeschäft aufheben.

Passieren wird das Gegenteil. die kleinen -zumeist noch leidlich funktionierenden- Banken verschwinden (auch hierzulande) und die Abhängigkeit von den wenigen verbleibenden großen Banken ist höher als vorher.

Account gelöscht!

11.08.2016, 15:45 Uhr

@ Bollmohr

Australien macht im Hinblick auf Migranten, die ihr Land besetzen wollen, alles richtig! Man kann ihnen nur dazu gratulieren. Ihre Praxis hält neue Eindringlinge davon ab, ausgerechnet ihr Land zu wählen. Die doofen Deutschen übernehmen dann gerne.

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